Schwächen im Job

Abbauen oder ignorieren?

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Doch wie gehen wir mit unseren Schwächen um? Sollen wir sie ignorieren und uns auf den Ausbau unserer Stärken konzentrieren? Das kommt darauf an – meint unser Autor.

Jedem Menschen liegen gewisse Aufgaben mehr als andere – also erbringt er auf diesem Gebiet auch bessere Leistungen. Doch was ist mit den Dingen, die wir nicht so gut können? Dürfen wir unsere Schwächen ignorieren, wenn wir uns – wie oft empfohlen – auf unsere Stärken konzentrieren? Wenn hierunter unsere Leistung oder die von Kollegen leidet, lautet die Antwort „nein“. In solchen Fällen müssen wir unsere Schwächen managen. Hierfür gibt es viele Möglichkeiten – sofern wir ihre Ursachen kennen.

Fünf Arten von Schwächen
Eine Schwäche ist in der Regel ein Mangel an etwas. Es gibt fünf Arten von Schwächen, die anhand ihrer Ursachen unterschieden werden können:

  • Ursache 1: Mangel an Kenntnissen
    – Beispiel: Wer den Führerschein erwerben möchte, muss wissen, wie man ein Auto fährt. Außerdem muss er die Straßenverkehrsordnung kennen.
  • Ursache 2: Mangel an Fertigkeiten
    – Beispiel: Wer den Führerschein gemacht hat, weiß: Es ist eine Sache, zu wissen, wie man rückwärts in eine enge Parklücke einparkt, und eine andere, es tatsächlich zu können.
  • Ursache 3: mangelnde Motivation
    – Manche Menschen gehören zu den berühmten „ewigen Talenten“: Sie bringen zwar alle Voraussetzungen für den Erfolg mit, bleiben aber trotzdem mittelmäßig. Der Grund hierfür ist meist mangelnde Motivation – denn zum Talent muss sich der Wille gesellen, hieraus das Beste zu machen.
  • Ursache 4: mangelndes Talent
    – Bei mangelndem Talent ist der Aufwand, um einigermaßen gut zu werden, sehr groß. Natürlich helfen auch hier Willenskraft und intensives Üben, doch man erzielt selten Top-Ergebnisse – selbst wenn einem die Tätigkeit Freude macht.
  • Ursache 5: mangelnde persönliche Eignung
    – Beispiel: Manche Menschen kommen scheinbar mühelos mit allen Menschen gut aus, mit Zahlen stehen sie jedoch auf dem Kriegsfuß. Diese individuellen Unterschiede sind in der Persönlichkeit begründet und lassen sich auch mit intensivem Training nicht wesentlich ändern.
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Übertrieben eingesetzte Stärken
Daneben gibt es eine weitere Art von Schwäche, die sich nicht aus einem „zu wenig“, sondern einem „zu viel“ ergibt. Hierbei handelt es sich um übertrieben eingesetzte Stärken: Aus hoher Leistungsbereitschaft wird zuweilen blinder Ehrgeiz, aus Durchsetzungsfähigkeit manchmal Rücksichtslosigkeit.

Bei überbetonten Stärken geht es darum, etwas zu lassen oder weniger intensiv zu tun. Das hört sich leichter an, als es ist. Denn häufig fällt es uns nicht auf, wenn wir eine Stärke überbetonen. Hilfreich ist dann das Feedback von Menschen in unserem Umfeld, wann es zu viel des Guten ist und wir den „Regler“ zurückdrehen sollten.

Wie Sie Ihre Schwächen managen

  • Mangel an Kenntnissen?
    Solche Schwächen lassen sich recht einfach beheben. Wissenslücken lassen sich beseitigen, indem wir entweder eigenständig die nötigen Kenntnisse erwerben oder uns schulen lassen. In beiden Fällen sollten wir uns vorab klar machen: Warum brauche ich dieses Wissen, und welchen Nutzen habe ich davon, wenn ich es erwerbe?
  • Mangel an Fertigkeiten?
    In diesem Fall sollten wir ein neues Verhalten ausprobieren und einstudieren. Es ist erstaunlich, wozu wir fähig sind, wenn wir unsere Komfortzone verlassen und uns auf neue Tätigkeiten einlassen. Wir können zum Beispiel lernen, Computerprogramme zu bedienen, Meetings zu leiten und Präsentationen zu halten. Vielleicht werden wir hierin kein Ass. Doch das wissen wir erst, wenn wir es ausprobieren. Denn manchmal resultiert eine vermeintliche Schwäche nur aus einem Mangel an Erfahrung.
  • Mangel an Motivation?
    Die Gehirnforschung hat gezeigt: Menschen können sich nur verändern, wenn ihr Gehirn dazu bereit ist und sich eine Belohnung hiervon verspricht. Oder wenn die erwarteten negativen Konsequenzen ihnen zu groß erscheinen, sofern sie alles so lassen, wie es ist. Angenommen, wir haben für eine Tätigkeit zwar gute Anlagen, sind jedoch nicht motiviert, die nötigen Fähigkeiten auszubauen. Dann sollten wir uns bewusst machen, wie wir von ihrem Ausbau profitieren; außerdem mit welchen negativen Konsequenzen wir rechnen müssen, wenn sich nichts ändert. Nur dann entsteht der nötige Antrieb, unsere Fähigkeiten weiter zu entwickeln.
  • Fehlendes Talent?
    Wenn wir uns kein anderes Betätigungsfeld suchen möchten oder können, haben wir drei Möglichkeiten: Möglichkeit 1: Die Aufgabe an eine Person delegieren, die hierbei ihre Stärken entfalten kann. – Möglichkeit 2: Die Schwäche mit einer Stärke kompensieren. Hierzu ein Beispiel: Ein Projektleiter moderierte regelmäßig Meetings – mit mäßigem Erfolg. Denn es gelang ihm nicht, gegen Ende der Meetings sich mit seinen Kollegen auf Maßnahmen zu verständigen. Die Ursache hierfür: Wenn die Augen aller Kollegen auf ihn starrten, fehlte ihm die nötige innere Ruhe, um zu entscheiden, was wichtig ist. Ganz anders war dies, wenn er allein und ungestört an seinem Schreibtisch saß. Er löste das Problem, indem er seine Schwäche folgendermaßen umging: Er vereinbarte mit seinen Kollegen eine Verkürzung der Meetings um 15 Minuten. In der gesparten Zeit überlegte er sich Maßnahmen zur Problemlösung, über die er die Mitarbeiter dann telefonisch oder per E-Mail informierte. – Möglichkeit 3: Manchmal ist ein Kompensieren einer Schwäche nicht möglich. Dann können wir sie nur durch regelmäßiges Training minimieren. Hierfür sind Disziplin, ein klarer Plan und im Idealfall ein regelmäßiges Feedback von außen nötig.
  • Mangelnde persönlicher Eignung?
    Die berühmte Pareto-Regel aus dem Zeitmanagement besagt: Beim Erledigen einer Aufgabe erreichen wir in 20 Prozent der investierten Zeit bereits 80 Prozent der Ergebnisse. Deshalb empfehlen Führungskräfte Mitarbeitern, die in ihren Augen zu pedantisch arbeiten, oft, auch mal „Fünfe gerade“ sein zu lassen und nicht alles so genau zu nehmen. Dann hätten sie mehr Zeit für andere Aufgaben. Ein Mitarbeiter mit Macherqualitäten kann diesen Rat leicht beherzigen, einen detailorientierten Mitarbeiter hingegen kostet es alle Nerven, so zu arbeiten. Und statt Zeit zu gewinnen, wird er noch mehr verlieren, weil er ständig darüber nachdenkt, ob er etwas Wichtiges übersehen oder vergessen hat.

Wie können Unternehmen bzw. Führungskräfte ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, die Schwächen, die aus deren Persönlichkeit entstehen, auszugleichen? Sie können die Mitarbeiter z.B. so einsetzen, dass die Tätigkeiten zu den Mitarbeitern passen. Denn es ist einfacher, Tätigkeiten und Abläufe zu verändern als den Menschen.

Wer seine Stärken einsetzen kann, ist motiviert
Zweierlei dürfen wir erwarten, wenn wir z.B. als Führungskraft auf unsere Stärken und die unserer Mitarbeiter setzen. Erstens sind dann – und nur dann – Spitzenleistungen möglich. Zweitens haben wir oder unsere Mitarbeiter dann keine Motivationsprobleme. Denn wer seine Stärken einsetzt, ist automatisch intrinsisch motiviert, weil er spürt: Die Dinge gehen mir leicht von der Hand – und ich erziele Top-Ergebnisse.

Frank Rebmann

Frank Rebmann arbeitet in Stuttgart als (Führungskräfte-)Trainer, Berater und Coach für Unternehmen. Als solcher hat er sich auf das Themenfeld „Stärkenmanagement“ spezialisiert. Im August 2017 erschien im Campus-Verlag sein Buch „Der Stärken-Code: Die eigenen Talente entschlüsseln, anerkennen und weiterentwickeln.“ Infos: http://www.staerkentrainer.de

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