Interview

Bernd Heinold

Bernd Heinold (44) ist Projektleiter BIOTECHNICA bei der Deutschen Messe AG. Zuvor ist der Hannoveraner zehn Jahre lang als Abteilungsleiter für die Themen IT-Sicherheit und IT für den öffentlichen Sektor im Rahmen der CeBIT verantwortlich gewesen. Heinold hat ein Diplom in Wirtschaftswissenschaften und hat vor seiner Zeit als Messe-Manager mehrere Jahre in der Telekommunikationsbranche gearbeitet.

Bernd Heinold (44) ist Projektleiter BIOTECHNICA bei der Deutschen Messe AG

LABO:
Sie haben die Biologisierung als Topthema für die BIOTECHNICA 2015 ausgerufen. Was hat Sie dazu bewogen?

Heinold:
Den Impuls haben wir aus unserem Dialog mit der Branche aufgenommen. Biologisierung als ein wichtiger, aber dennoch in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig wahrgenommener Megatrend – das ist das Thema, das wir besetzen wollen. Zum Selbstverständnis der BIOTECHNICA gehört es, dass wir uns nicht nur als europäischer Branchentreff für Biotechnologie und Life Sciences verstehen, sondern auch als Ort wahrgenommen werden wollen, an dem die zentralen Themen der Branche und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft im Vordergrund stehen. Dass dies auch für die Kommunikation sinnvoll ist, liegt auf der Hand.

LABO:
Wird der Begriff Biologisierung auch über die Branche hinaus verstanden?

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Heinold:
Die Biologisierung lässt sich nicht mit anderen Megatrends wie etwa der Digitalisierung vergleichen. Internet, mobile Kommunikation, Social Media – die Digitalisierung betrifft ja alle Lebensbereiche für jeden Einzelnen und verändert diese maßgeblich. Das ist bei der Biologisierung nicht ganz so. Auch wenn sie die Chemie- und Konsumgüterindustrie voll erfasst hat, bleibt sie doch eher ein Thema in Fachkreisen. Dennoch sind wir überzeugt, dass sich anhand anschaulicher Beispiele sehr wohl sichtbar machen lässt, welche Wirkungskraft die Biologisierung entfaltet und welche enormen Potenziale in ihr stecken, die – blickt man etwa auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung – ebenfalls jedem Einzelnen zugutekommen.

LABO:
Wie machen Sie das Thema auf der Messe sichtbar?

Heinold:
Wir wollen das Thema prominent in Szene setzen. Deshalb wird es sowohl auf der BIOTECHNICA/LABVOLUTION Reception, die in diesem Jahr erstmals an die Stelle der bisherigen Eröffnungsveranstaltung tritt, eine Rolle spielen als auch in unserem Forums-programm auf der BIOTECHNICA PLAZA. Es lässt sich aber auch sagen, dass sich die Biologisierung als Entwicklungstrend wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung zieht. Letztlich sind es ja die Unternehmen, die genau das zeigen: Biotechnologische Verfahren empfehlen sich für sehr viele Anwendungsbranchen und leisten dort einen wichtigen Beitrag zum Fortschritt.

LABO:
Wie ist ansonsten der Stand der Vorbereitungen? Mit was für einer BIOTECHNICA haben wir in diesem Jahr zu rechnen?

Heinold:
Wir sind überzeugt, dass wir spannende neue Angebote haben, die sich darauf konzentrieren, die bestehenden Stärken der BIOTECHNICA weiter auszubauen. Die BIOTECHNICA PLAZA habe ich ja eben schon erwähnt. Wir fassen diesmal alle Marktplätze an einem Ort zusammen und schaffen auf diese Weise eine zentrale Anlaufstelle für die relevanten Themen der Branche sowie gleichzeitig einen geeigneten Treffpunkt für die Themen Networking und Partnering. Denn darauf kommt es schließlich an bei einer Messe: Wir wollen unseren Ausstellern und Besuchern eine ideale Plattform zur Geschäftsanbahnung bieten. Das Forumsprogramm zu den drei Fokusthemen läuft auf zwei Bühnen, die ebenfalls zentraler Bestandteil der BIOTECHNICA PLAZA sind.

LABO:
Was sind darüber hinaus Neuigkeiten auf der BIOTECHNICA 2015?

Heinold:
Neben den bestehenden Marktplätzen Bioökonomie und Personalisierte Medizin-Technologien haben wir noch ein drittes Schwerpunktthema hinzugenommen: die Bio-IT. Damit bilden wir genau den eben schon genannten Trend der Digitalisierung ab, der natürlich auch vor der Biotechnologie nicht halt macht. Big Data etwa ist hier ein wichtiges Thema aus dem Bereich Bioinformatik. Neu ist zudem, dass wir unseren Ausstellern und Besuchern erstmals ein softwaregestütztes Partnering zur Verfügung stellen, das eine optimale Vorbereitung für einen erfolgreichen Messebesuch möglich macht. Da wir dies als einen Service für unsere Aussteller und Besucher verstehen, wird dieses Partnering-Tool im Übrigen für den Nutzer kostenfrei sein. Außerdem die vielleicht wichtigste Neuerung: Die BIOTECHICA findet erstmals parallel zur neuen Messe LABVOLUTION statt.

LABO:
Die BIOTECHNICA hat vorher schon Labortechnologie gezeigt. Inwiefern profitieren Sie von einer parallel laufenden LAB-VOLUTION?

Heinold:
Das ist richtig. Labortechnik bleibt damit auch nach wie vor Thema der BIOTECHNICA – aber eben bezogen auf die Bio-technologie. Die LABVOLUTION zeigt die ganze Welt der Labortechnik für Forschungs-, Analysen-, Produktions- und Ausbildungslabore und zwar für sämtliche Branchen wie Chemie, Pharma, Medizintechnik, Umwelttechnik, Qualitätskontrolle oder Lebensmittelindustrie. Damit sind sowohl aussteller- als auch besucherseitig zahlreiche Unternehmen und Branchen vertreten, für die – Stichwort Biologisierung – die Biotechnologie durchaus von Interesse ist, die aber möglicherweise sonst nicht zu einer reinen Biotech-Veranstaltung kommen würden. Wie eng die beiden Themen verzahnt sind, zeigt sich ja auch bei der ELA...

LABO:
...der European Lab Automation, die ebenfalls parallel in Hannover veranstaltet wird. Wie können wir uns das vorstellen? Alles in einer Halle?

Heinold:
Ja, zumindest zum Teil. Uns ist es sehr wichtig, dass die Besucher kurze Wege haben und es bei guter Vorbereitung auch schaffen können, für einen Tag nach Hannover zu kommen, um alles für sie Wichtige gesehen zu haben. BIOTECHNICA, LAB-VOLUTION und der Ausstellungsbereich der ELA befinden sich deshalb in einer Halle, die nebenbei bemerkt, rund 24.000 Quadratmeter groß ist. Die drei Konferenzstränge der ELA – einer davon zum Thema Personalisierte Medizin – sind kostenpflichtig und finden im angrenzenden Convention Center statt. Auch dieser Weg ist also kurz.

LABO:
Sie erwähnten Ihr Partnering-Angebot. Wie funktioniert das?

Heinold:
Wir arbeiten hier mit der EBD Group zusammen, dem führenden Anbieter von Partnering im Bereich Life Sciences. Aussteller wie Besucher der BIOTECHNICA und der LABVOLUTION können sich für das Partnering über ein Software-Tool registrieren und es dann nutzen, um sich bereits im Vorfeld der Messe zu informieren, wer dort sein wird, und sich zum Meeting auf der Messe zu verabreden. Als Treffpunkt sind sowohl die Stände der Aussteller möglich als auch die Partnering Area auf der neuen BIOTECHNICA PLAZA. Außerdem bietet das Tool sogar die Möglichkeit, Gruppendiskussionen rund um die BIOTECHNICA zu führen. Und wie schon erwähnt: Das Ganze ist ein kostenfreier Service für die Messeteilnehmer. Ich denke, das ist ein wirklich gutes Angebot, das wir da machen.

LABO:
Es war mal etwas von einem Partnerland zu hören, dann aber nichts mehr. Warum gibt es diesmal keines?

Heinold:
Ja, es ist richtig, dass wir über ein Partnerland nachgedacht, uns aber letztlich dagegen entschieden haben. Wenn man so etwas auf die Beine stellen will, braucht es aber eine professionelle Organisationsstruktur auf beiden Seiten. Das heißt, es reicht nicht aus, wenn wir als Messeveranstalter das Thema vorantreiben. Wir brauchen den entsprechenden Counterpart, der wiederum auf die offizielle Weisung aus dem jeweiligen Partnerland angewiesen ist. Es hängt also von verschiedenen Entscheidungsebenen und Voraussetzungen ab. Und auch der Zeitpunkt muss stimmen. Generell sind wir aber nach wie vor der Ansicht, dass ein Partnerland die BIOTECHNICA sehr bereichert. Für die Zukunft ist deshalb alles möglich.

LABO:
Was passiert mit dem EUROPEAN BIOTECHNICA AWARD, wenn es nun keine Eröffnungsveranstaltung gibt?

Heinold:
Den Award wird es weiterhin geben. Der Gewinner steht bereits fest, die Jury hat schon entschieden. Wer für seine „disruptive Technology“ ausgezeichnet wird, geben wir aber erst zur BIOTECHNICA/LABVOLUTION Reception am Abend des ersten Messetags bekannt. Dort wird der EUROPEAN BIOTECHNICA AWARD dann auch feierlich übergeben. Dass wir uns von dem bisherigen Format der Eröffnung am Vorabend der Messe verabschiedet haben, liegt schlicht daran, dass heute überall darauf geachtet wird, Zeit effizient einzuteilen. Für einen Teil der Gäste bedeutet die Neuerung also, dass sie etwas später anreisen können als sonst. Mit dieser Entscheidung stoßen wir auf ein durchgehend positives Feedback.

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