Biodiversitätskrise

Gemeinsam gegen das Insektensterben

Insektenforscher Prof. Dr. Lars Krogmann leitet künftig sowohl das neue Fachgebiet "Systematische Entomologie" an der Uni Hohenheim als auch die entomologische Abteilung des Naturkundemuseums Stuttgart. Das neue Fachgebiet ist derzeit deutschlandweit die einzige Professur für Systematische Entomologie und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein.

Erzwespe Ormyrus nitidulus © SMNS / Andreas Haselböck

Es ist die erste gemeinsame Berufung der Universität Hohenheim und des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart: Am 1. Dezember 2018 nahm der Insektenkundler Prof. Dr. Lars Krogmann seine Tätigkeit als Professor für Systematische Entomologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart auf. Die beiden Forschungseinrichtungen kooperieren seit Jahren und wollen diese Zusammenarbeit nun weiter stärken, beispielsweise auch im Kampf gegen das Insektensterben und der damit verbundenen Biodiversitätskrise. Das neue Fachgebiet ist derzeit deutschlandweit die einzige Professur für Systematische Entomologie und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein. Eine weitere gemeinsame Berufung mit dem Naturkundemuseum im Bereich Paläontologie ist zurzeit im Gespräch.

„Mein Ziel ist es, die Kooperation zwischen dem Naturkundemuseum und der Universität Hohenheim weiter zu stärken und mit exzellenter Forschung und Wissensvermittlung zu einer modernen Wissensgesellschaft beizutragen, die sich für den Erhalt der Biodiversität einsetzt“, so Prof. Dr. Krogmann.

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Die Berufung erfolgte nach dem sogenannten Jülicher Modell. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Professur mit reduzierter Lehrverpflichtung an der Universität Hohenheim, die es Prof. Dr. Krogmann künftig ermöglicht, parallel am Naturkundemuseum die entomologische Abteilung zu leiten.

Beide Partner profitieren von den Synergien, die dadurch im Bereich Forschung und Lehre entstehen. Prof. Dr. Krogmann sieht sich als Bindeglied zwischen den beiden Einrichtungen. Er selbst ist auf die Systematik der Hautflügler spezialisiert. „Am Naturkundemuseum gibt es für alle artenreichen Ordnungen der Insekten weltweit führende Taxonomen“, erklärt er. Gemeinsam mit den Hohenheimer Insekten-Experten wie etwa Prof. Dr. Johannes Steidle, Prof. Dr. Martin Hasselmann oder Dr. Peter Rosenkranz würde jetzt einzigartige Fachkompetenz auf dem Gebiet der Insektenkunde vereint.

Systematische Entomologie soll Artenkenntnisse verbessern

„Hautflügler spielen als Bestäuber von Blütenpflanzen und als Gegenspieler anderer Insekten eine zentrale Rolle in unseren Ökosystemen“, erläutert Prof. Dr. Krogmann. „80 Prozent aller Hautflügler-Arten gehören zu parasitischen Wespen, die auch für den Agrarbereich als Nützlinge im biologischen Pflanzenschutz interessant sind. Diese Insekten sind für das natürliche Gleichgewicht in unseren Ökosystemen wichtig. Doch wahrscheinlich sind sie besonders stark vom Insektensterben betroffen, da sie auf ausreichend große Bestände ihrer Insektenwirte angewiesen sind.“

Doch die Kenntnisse über parasitische Wespen seien dürftig, warnt Prof. Dr. Krogmann. „Von einem Großteil der 8 000 in Deutschland vorkommenden Arten wissen wir fast nichts über ihre Verbreitung und ihre ökologischen Ansprüche, und es gibt zudem auch bei uns noch viele unentdeckte Arten.“ Um dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken, sei es dringend geboten, sowohl die taxonomische Forschung zu forcieren als auch Artenkenntnisse und das Verständnis für ökologische Zusammenhänge verstärkt in der Lehre zu vermitteln.

Das Naturkundemuseum sei das zentrale Institut für Biodiversitätsforschung, das mit seinen naturkundlichen Sammlungen einzigartige Archive des Lebens erhält und ausbaut, die nun auch verstärkt in Kooperationsprojekten mit der Universität Hohenheim erforscht werden können. „Um naturkundliches Wissen vermitteln und den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs sichern zu können, muss das Museum auch an der Ausbildung beteiligt sein“, betont Prof. Dr. Krogmann. „Umgekehrt kann die Hochschule das Portfolio ihres Lehrangebots im Bereich der Systematik erweitern, indem sie mit den Fachwissenschaftlern des Naturkundemuseums kooperiert.“

Hintergrund

Forschung am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart: Das Naturkundemuseum Stuttgart ist nach eigenen Angaben eines der größten naturkundlichen Forschungsmuseen in Deutschland mit international bedeutenden Sammlungen. Diese wertvollen Archive des Lebens und der Artenvielfalt bilden die Basis für biosystematische Forschungsarbeit. Die Verbindung von naturkundlicher Forschung und breit gefächerter Wissensvermittlung ist das Kennzeichen des Naturkundemuseums Stuttgart. Das Museum ist in einer Vielzahl von internationalen Forschungsprojekten tätig und hat eine große Expertise im Bereich der Artenerfassung, Artenbestimmung und der Erforschung von Ökosystemen.

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