Komet Tschurjumow-Gerasimenko

Mainzer Alpha-Röntgen-Spektrometer schickte Daten

Obwohl die Umstände der Landung nicht besonders glücklich waren, ist die Begeisterung groß: Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt ist ein Forschungsgerät auf einem Kometen gelandet. Auch wenn der Lander Philae auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko nicht wie erwartet zum Stehen gekommen ist, haben die Verantwortlichen der ESA-Mission Grund zur Freude: Alle zehn Instrumente haben Daten geliefert, darunter auch das Alpha-Röntgen-Spektrometer APXS aus Mainz.

Instrumente des Kometenlanders Philae. (Bild: DLR)

Nach bisherigem Erkenntnisstand funktionierte das Alpha-Röntgen-Spektrometer nach der Landung von Philae wie erwartet. „Wir haben den Stromverbrauch und andere Parameter gemessen und können daraus schließen, dass alle Schritte wie geplant abgelaufen sind“, teilte Dr. Göstar Klingelhöfer von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) mit. Demnach ist das APXS etwa 30 bis 40 cm ausgefahren und hat Messungen vorgenommen.

„Wir haben viel investiert, damit wir das Instrument absetzen können, und hatten große Bauchschmerzen, ob der Bewegungsmechanismus funktionieren würde. Umso mehr haben wir uns gefreut, als die ersten Daten kamen“, so Klingelhöfer. Er hat als leitender Wissenschaftler die Stunden und Tage nach der Landung beim Europäischen Satellitenkontrollzentrum ESA-ESOC in Darmstadt und dem Landerkontrollzentrum der DLR in Köln verbracht.

Das Alpha-Röntgen-Spektrometer, das am Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der JGU und dem Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz entwickelt wurde, sollte normalerweise direkt auf der Oberfläche des Kometen Untersuchungen vornehmen. Durch die Bestrahlung der Oberfläche mit Alphateilchen und Röntgenstrahlen und der Messung der Rückstreuung der Teilchen können die Wissenschaftler die chemische Zusammensetzung des Materials ableiten und unter anderem das Vorkommen der wichtigen Elemente Kohlenstoff und Sauerstoff bestimmen.

Anzeige

Unklar ist derzeit, was das APXS genau gemessen hat. „Wir kennen die aktuelle Position des APXS nicht, nehmen aber an, dass möglicherweise Kometenstaub in das Gerät eingedrungen ist“, so Klingelhöfer. Der Austausch mit den anderen Teams der Mission wird hier in den nächsten Wochen und Monaten Aufklärung bringen, so dass hoffentlich ein Gesamtbild über die Lage und Position des Landers und schließlich auch über die Situation auf dem Kometen entsteht.

Zunächst werden Klingelhöfer und sein Team – Johannes Brückner, Tom Economu, Ralf Gellert, Jordi Girones Lopez, Rudolf Rieder, Dirk Schmanke, Christian Schröder, Claude d’Uston und viele mehr – die Daten des Alpha-Röntgen-Spektrometers analysieren. Und falls die Solarbatterie von Philae geladen wird, wenn sich Tschurjumow-Gerasimenko der Sonne nähert, könnten vielleicht weitere Messungen folgen.

Weitere Informationen:
Dr. Göstar Klingelhöfer
Dirk Schmanke, Jordi Girones Lopez, Dr. Johannes Brückner
Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
55099 Mainz
E-Mail: klingel@uni-mainz.de
http://www.ak-klingelhoefer.chemie.uni-mainz.de/

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Zellbiologie

Wie wachsen Nervenzellen im All?

Wie entwickelt sich der erste im Weltall geborene Mensch? Was wie eine Frage aus einem Science-fiction-Roman klingt, ist Hintergrund eines aktuellen Forschungsprojekts der Universität Hohenheim in Stuttgart.

mehr...

Kosmische Strahlung

Botschafter aus fernen Galaxien

Kosmische Strahlung mit sehr hoher Energie hat ihren Ursprung außerhalb unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße. Darauf weist die Untersuchung der Einfallsrichtung von mehr als 30000 Teilchen am Pierre-Auger-Observatorium in Argentinien hin....

mehr...
Anzeige

Schnellster Feuchtebestimmer am Markt für Feuchte-/Feststoffgehalt

Der Feuchtebestimmer SMART 6 analysiert den Feuchtegehalt jeder Probe in nur 2 min. Ob nass oder trocken, Feststoff, Pulver oder Suspension – egal! Alle Probenarten werden dank der Kombination Mikrowelle/Halogen schnell und präzise bis zur Gewichtskonstanz getrocknet. Dank der Temperaturkontrolle sind die Messwerte vergleichbar zu den Standardmethoden.

mehr...

Ultraschnelle Anpassung

Zellen in der Schwerelosigkeit

Innerhalb einer Minute passen sich Säugetierzellen vollständig an die Schwerelosigkeit an. Echtzeitmessungen auf der Internationalen Raumstation ISS belegen, dass Zellen ultraschnell veränderte Schwerkraftverhältnisse ausgleichen. Dieser erstmalige...

mehr...
Anzeige

Astrophysik

Kometeneis im Labor

Poröses Eis, wie es im Weltall überall zu finden ist, haben der Chemiker Thomas Lörting und sein Team näher unter die Lupe genommen. In der Physical Review Letters berichten die Forscher, wie sie das Eis beim Aufwärmen beobachtet haben.

mehr...

Asteroidenanalytik

Lesen im Archiv des Sonnensystems

Der Grund für Dr. Agnese Fazio, nach Jena zu kommen, ist klein, geradezu winzig, aber dafür umso bedeutender. Denn die Mineralogin erforscht nicht weniger als die Geschichte unseres Sonnensystems – und das anhand von Staubpartikeln.

mehr...
Anzeige

Schnelle automatisierte Lösemittel Extraktion

Das EDGE Extraktionssystem ist ein sequentielles System für die schnelle automatisierte Lösemittel-Extraktion. Damit werden unterschiedliche Proben schnell in nur 5 min. extrahiert. Die Extraktionen im EDGE werden unter Druck und bei erhöhten Temperaturen durchgeführt, was zu einer starken Beschleunigung der Reaktionskinetik führt.

Zum Highlight der Woche...