Labo Online - Analytic, Labortechnik, Life Sciences
Home> Wirtschaft + Wissenschaft> Archiv>

Neuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt

Krebstherapeutikum auf Ruthenium-BasisNeuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt

Ein in Kooperation mit der Universität Wien entwickelter Wirkstoff gegen Krebs zeigte in einer frühen Studie in den USA erste Hinweise für therapeutische Wirksamkeit bei gleichzeitig guter Verträglichkeit. Nun konnte ein Team um Bernhard Keppler von der Fakultät für Chemie zeigen, dass der Wirkstoff bei Krebszellen Symptome des immunogenen Zelltods hervorruft und damit eine zentrale Rolle bei der medikamentösen Krebstherapie einnehmen könnte. Die jüngsten Erkenntnisse zum Wirkmechanismus des vielversprechenden KP-1339 (IT-139) wurden bei der diesjährigen Jahrestagung der American Association of Cancer Research (AACR) vorgestellt, die kürzlich in Chicago stattgefunden hat.

sep
sep
sep
sep
In einem dreidimensionalen Darmkrebs-Zellkulturmodell werden durch den Wirkstoff KP-1339 (IT-139) Merkmale ausgelöst, die im Organismus den immunogenen Zelltod hervorrufen (Bild: Universität Wien).

Der Wirkstoff KP-1339 (IT-139) – ein kleines, an Transferrin und Albumin bindendes Molekül – wurde von Bernhard Keppler, Dekan der Fakultät für Chemie der Universität Wien und Leiter des interdisziplinären Clusters "Translational Cancer Therapy Research" gemeinsam mit Walter Berger von der Medizinischen Universität Wien entwickelt. Der Wirkstoff hat an Patienten mit stark fortgeschrittener Krebserkrankung bereits eine klinische Studie durchlaufen und erhielt von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) im vergangenen Jahr den Status einer Orphan Drug, eines Medikaments zur Behandlung seltener Krankheiten, bei Pankreaskarzinom.

Anzeige

Bei der diesjährigen AACR Tagung haben Debora Wernitznig und Michael Jakupec vom Institut für Anorganische Chemie und Translational Cancer Therapy Research Cluster in einem Dickdarmkrebs-3D-Modell gezeigt, wie die mit IT-139 behandelten Krebszellen Anzeichen des immunogenen Zelltods entwickeln. "Der immunologe Zelltod der Krebszellen ist eine der Voraussetzungen dafür, dass im Rahmen einer Kombinationstherapie mit Wirkstoffen, die das Immunsystem beeinflussen die Krebszellen erfolgreich bekämpft werden können", sagt Krebsforscher Bernhard Keppler, der ursprünglich IT-139 synthestisiert hat. Der mittlerweile patentierte antitumorale Wirkstoff wurde von Keppler in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien weiterentwickelt. 2014 wurde er von dem Unternehmen Intezyne übernommen, um die klinische Entwicklung in USA voranzutreiben.

IT-139 ist das erste Krebstherapeutikum auf Rutheniumbasis, eine völlig neue Wirkstoffklasse: Es wird über die Protein Transferrin und Albumin in die Tumorzelle transportiert und dort selektiv aktiviert. Es kann durch Modellierung eines bestimmten Proteins (GRP78) den programmierten Zelltod auslösen und gleichzeitig die Resistenzentwicklung gegen andere Therapeutika reduzieren.

Der Translational Cancer Therapy Research Cluster wurde am Institut für Anorganische Chemie der der Fakultät für Chemie der Universität Wien mit dem Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien mit Beginn 1. Jänner 2017 eingerichtet. Damit wurde die bis Ende 2016 laufende Forschungsplattform "Translational Cancer Therapy Research" in ein interdisziplinäres Clusterprojekt zwischen der Universität Wien und der Medizinischen Universität überführt.

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Tumorbehandlung: Plattform für Transport von Gentherapeutika

TumorbehandlungPlattform für Transport von Gentherapeutika

Die gezielte Veränderung des Genoms (Gen-Editing) eines Tumors ist ein vielversprechendes krebstherapeutisches Verfahren. Ein Wissenschaftler-Team aus China hat nun ein multifunktionales Transportmittel entwickelt, um „Genscheren” zielgenau in den Zellkern und in das Genom von Tumorzellen hineinzubringen. Darüber hinaus bietet die neue Methode zusätzlich den Vorteil der Hyperthermie als Krebstherapie.

 

…mehr
Zelldrittelung

Personalisierte MedizinWie Taxane Tumorzellen für Strahlentherapie sensibilisieren

Taxane hemmen die Zellteilung und machen Krebszellen anfällig für Strahlentherapie. Eine aktuelle Arbeit hat untersucht, wie genau sie das tun – und welche Biomarker sich möglicherweise zur Vorhersage des Therapieerfolgs eignen.

…mehr
Computersimulation des Angriffs von Pt103 an den DNA-Doppelhelix. (Copyright: Juan J. Nogueira, Universität Wien)

ChemotherapeutikaWie Metalle mit dem Erbgut wechselwirken

Seit einigen Jahren werden Metallverbindungen erfolgreich als Chemotherapeutika zur Bekämpfung bestimmter Krebsarten eingesetzt – am häufigsten Platinverbindungen. 

…mehr
Bestrahlung von Tumoren

Kohlenstoff-Ionen gegen KrebsPräzisere Dosierung in der Ionenstrahl-Therapie

Physiker der PTB führen gemeinsam mit Heidelberger Kollegen genaue Strahlungsmessungen durch und schaffen so die Basis für eine exaktere Dosierung in der Krebstherapie.

…mehr
Tumore behindern die Fortpflanzung von im Freiland lebenden Sumatra-Nashörnern (Dicerorhinus sumatrensis). (Foto: Ben Jastram / IZW)

Impfung gegen KrebsNashörner haben Nase vorn

Nashornweibchen leiden häufig an Tumoren in der Scheide oder der Gebärmutter. Diese erschweren es den Tieren, Nachwuchs zu bekommen. Erstmalig gelang es Forschern des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Veterinärmedizinischen Universität Wien, das Wachstum und die Neubildung dieser gutartigen Geschwulste mithilfe einer Impfung zu stoppen.

…mehr
Anzeige

Mediadaten 2018

LABO Einkaufsführer

Produktkataloge bei LABO

Produktkataloge zum Blättern


Hier finden Sie aktuelle Blätter-Kataloge von Herstellern aus der Branche. Einfach durchblättern oder gezielt nach Stichwort suchen!

Anzeige

LABO Web-Guide 2016 als E-Paper

LABO Web-Guide 2016

Web-Guide 2016


- Stichwortregister

- Firmenscreenshots

-Interessante Webadressen aus dem Labor

Anzeige

Neue Stellenanzeigen

Jetzt den LABO Newsletter abonnieren

LABO Newsletter abonnieren

Der kostenlose LABO Newsletter informiert Sie wöchentlich über neue Produkte, Lösungen, Technologietrends und Innovationen aus der Branche sowie Unternehmensnachrichten und Personalmeldungen.

LABO bei Facebook und Twitter