Der HPLC-Tipp im September

Ursachen für Geisterpeaks

Geisterpeaks sind immer wieder ein Problem – leider. Obschon an dieser Stelle häufig behandelt, möchte ich erneut das Thema aufgreifen und ein paar eher seltenere Ursachen für plötzlich auftauchende Peaks schildern.

Ursachenforschung lohnt sich häufig bei Geisterpeaks in der HPLC © CCO, Pixabay

Vorbemerkung: Bei auftretenden Problemen frage ich die KollegInnen generell als erstes: „Habt ihr irgendetwas geändert? Gab es etwaige räumliche Änderungen/Ereignisse, die mit dem Auftauchen des Problems zeitlich zusammen fallen?“ Und dann kommt als Antwort, oft viel zu schnell: „nein“. Bevor Sie „nein“ sagen, überlegen Sie sich bitte, ob vielleicht doch HPLC-relevante Sachen geändert wurden bzw. etwas „außerhalb-der-Reihe“ passiert ist oder einfach anders läuft. Nachfolgend beispielhaft einige Ereignisse, die man ggf. ernst nehmen sollte:

  • Im Nachbarlabor gab es einen Brand. Was glauben Sie, wie lange und wo überall sich Ruß hartnäckig verstecken kann…

  • Der Flur wurde vor kurzem gestrichen.

  • Neue Plastikutensilien werden verwendet (Weichmacher!), oder auch ein anderes Spülmittel oder ein neues Ultraschalbad.

  • ∆ Schleife oder ∆ Säulendimensionen bei Gradiententrennungen: Das unterschiedliche Verweil- bzw. Säulenvolumen kann zu einer Änderung/Verbesserung der Auflösung führen, es tauchen jetzt mehr Peaks auf. Oder aber die vorgesehene Spülzeit nach dem Lauf (z. B. 5 min 100 % ACN halten) stimmt aufgrund des unterschiedlichen Verweilvolumens nicht. Nun, es können nicht alle Verunreinigungen heruntergespült werden, sie erscheinen irgendwann später im Chromatogramm oder bei den nächsten Läufen – eben als Geisterpeaks.

  • Unterschiedliche Handhabung von Handschuhen: „Natürlich verwenden wir Handschuhe“, heißt es meist. Prima doch – oder? Einige Bemerkungen dazu:
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  1. Es kann etwas ausmachen, ob blaue, graue oder grüne Einmalhandschuhe verwendet werden.
  2. Manch´ ein Mensch zieht die Handschuhe morgens an und behält sie „ewig“ an. Dabei x-mal Tür- oder Schubladengriffe berührt, mehrere Chemikalien angefasst, Zigarettenpause mit den Handschuhen gemacht – alles schon erlebt … ; also hier evtl. Probleme.
  3. Manch einer verwendet nicht Einmalhandschuhe sondern Gummihandschuhe, er wäscht permanent die Hände (mit den Handschuhen): womöglich keine Probleme.
  4. Ein Dritter verwendet gar keine Handschuhe, wäscht sich jedoch stets die Hände: auch hier keine Probleme.
  5. Zum Schluss der Blick auf kleine, einmalige Handgriffe (das ist der schwierigste Bereich, was die Ursachenforschung betrifft): Der Schlauch im Vorratsgefäß ist herausgerutscht, man drückt ihn wieder hinein: Mögliche Kontaminationen an den Händen/Handschuhen bleiben an der Schlauchoberfläche hängen und gelangen somit in den Eluenten.
  6. Die Verbindung zur Säule wird wegen eines erhöhten Druckes undicht. Man drückt das Ferrule etwas tiefer und zieht das Fitting etwas fester an. Mögliche Kontaminationen an den Fingern (mit oder ohne Handschuhe) bleiben – ähnlich wie oben beschrieben – am Ende der Kapillare hängen, gelangen in die Säule und anschließend zum Detektor und schon haben wir Geisterpeaks. Der „Spuk“ ist allerdings in solchen Fällen meistens schnell vorbei.
  7. Ein Vial ist umgefallen, beim Aufrichten wird das Septum in der Mitte – da, wo später die Nadel durchsticht – berührt, die anderen Vials sind nur am Glaskörper und/oder am Deckelrand berührt worden. Geisterpeaks erscheinen nur bei Injektionen aus besagtem Vial.

Die Liste kann leider beliebig weitergeführt werden …

Fazit

Die HPLC ist eine empfindliche Methode – ein Fluch und ein Segen zugleich. Nehmen Sie kleine Veränderungen ernst und gehen Sie mit Ihren geistigen Augen alle Schritte, Handlungen und Ereignisse durch, ab da, wo das Problem mit den Geisterpeaks aufgetaucht ist.

AUTOR

Dr. Stavros Kromidas
Blieskastel

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