Aufbereiten von Lösungsmittelabfällen - eine Betrachtung
Nachhaltigkeit im HPLC-Labor
Nachhaltigkeit im analytischen Labor kann bedeuten, Abfall von Lösemitteln, die als HPLC-Laufmittel verwendet werden, entweder zu minimieren oder diese wieder zu verwerten. Es ist möglich, zumindest einen Teil der als Laufmittel eingesetzten Lösemittel ökonomisch sinnvoll zurückzugewinnen, wie im Folgenden gezeigt werden soll.
Gemische aus Wasser und organischen Lösungsmitteln dominieren als Laufmittel bei der HPLC. Acetonitril wird aufgrund seiner vorteilhaften Eigenschaften häufiger verwendet als Methanol, ist aber teurer als Methanol. Im Jahr 2025 betrug der durchschnittliche Preis für technisches Methanol rund 700 Euro je Tonne [1]. Und der Preis von technischem Acetonitril lag z. B. im März 2024 zwischen 1 600 und 2 400 US-Dollar je Tonne [2].
Abfälle von mobilen Phasen werden in Europa gesammelt und zu Lösemittelverbrennungsanlagen transportiert, wo sie "thermisch wiederverwertet", d. h. verbrannt werden. Dabei ist fraglich, ob diese Mischungen aufgrund ihres hohen Wasseranteils ohne weitere Zusätze überhaupt brennbar sind, und besonders nachhaltig ist diese Art der Wiederverwertung ohnehin nicht.
Recycling
Mit Blick auf Nachhaltigkeit stellt sich die Frage: Sind mobile Phasen nach dem HPLC-Lauf ausschließlich Abfälle, die entsorgt werden müssen? Wie oben erwähnt, sind mobile Phasen Gemische aus Wasser und hohen Anteilen von organischen Lösungsmitteln. Deshalb lohnt es sich, auch über andere Lösungen nachzudenken, d. h. die mobilen Phasen nicht zu verbrennen, sondern in getrennten Fässern zu sammeln und wie "Bio-Ethanol" aus Bier oder Wein zu gewinnen. Um die Machbarkeit von Recycling der mobilen Phasen aufzuzeigen, sind in Tabelle 1 einmal die Mengenanteile von Methanol und Acetonitril in Lösungsmittelabfällen aus der Chromatographie den Ethanol-Anteilen nach Abschluss des Gärungsprozesses gegenübergestellt. (Dabei ist zu bedenken, dass Gärungsprozesse schon ab Ethanol-Konzentrationen unter 20 % zum Erliegen kommen, weil bei höheren Alkoholgehalten die beteiligten Hefen absterben. In Supermärkten werden 1-l-Gebinde von "Bio-Ethanol" zu Preisen zwischen 4 und 5 Euro angeboten, was in der Größenordnung des Preises für technisches Acetonitril liegt, wenn man die Gewinnspannen der Supermärkte herausrechnet und die Preisunterschiede von kg-Gebinden im Vergleich zu Tonnenmengen berücksichtigt.)
Tabelle 1 zeigt, dass der Anteil an organischen Lösemitteln, die als mobile Phasen in der Chromatographie genutzt werden, deutlich höher ist als der von Ethanol nach Abschluss von Gärungsprozessen. Das legt nahe, dass sich auch die Lösungsmittelabfälle aus der Chromatographie rückgewinnen ließen und Acetonitril und Methanol so weit aufzukonzentrieren, um anschließend die reinen organischen Lösemittel Acetonitril und Methanol durch Destillation zu gewinnen. Laborverfahren, wie man reine, d. h. wasserfreie Lösemittel erhält, sind bekannt. Für Methanol stellt sich dies nicht als besonders schwierig dar, weil dieses Lösemittel mit Wasser kein azeotropes Gemisch bildet und sich im wässrigen Milieu nicht merklich zersetzt. Die Grafik zeigt eine mögliche Aufbereitungsmethode.
Für Acetonitril ist die Wiedergewinnung deutlich komplizierter, denn Acetonitril und Wasser bilden mit 83,7 Gew.-% Acetonitril zu 16,3 Gew.-% Wasser ein azeotropes Gemisch, und Wasser/Acetonitril-Gemische sind maximal vier Wochen haltbar [3]. Trotz dieser Probleme lohnt es sich, über die Wiedergewinnung von Acetonitril nachzudenken, denn dieses Lösemittel ist teuer. Es war in den Jahren 2008 und 2009 für längere Zeit nicht verfügbar [4, 5]. Der Aspekt der Verfügbarkeit von Acetonitril ist nicht zu vernachlässigen.
Lohnt sich eine eigene Methanolrückgewinnung?
Laborverfahren könnten wegen hoher Energiekosten eventuell zu hoch sein, um die Wiedergewinnung von Methanol und Acetonitril wirtschaftlich zu ermöglichen. In Tabelle 2 sind einmal Kosten- und Arbeitsaufwand und mögliche Einsparungen am Beispiel Methanol gegenübergestellt. Eine Kostenschätzung: methanolischer Lösemittelabfall (<10 % Methanol): 0 €/l; Energie- und Verbrauchsmaterialkosten für Reinigung: 3 – 5 €/l; Zeit- und Arbeitskosten: 2 – 4 €/l. Gesamtkosten wären damit : ~5 – 9 €/l. (Zum Vergleich: Preis für HPLC-Grade-Methanol: 15 – 50 €/l.) Auf Basis solcher Kosten, wie hier angenommen, läge der "Break-Even-Point" bei ca. 50 Liter im Monat. Ab dieser Menge könnte es sich lohnen, selbst (recyceltes) Methanol einzusetzen.
Vor der Wiedergewinnung der jeweiligen Lösemittel steht die Trennung der einzelnen mobilen Phasen. Je mehr verschiedene Lösemittel in einem Gemisch vorliegen, desto schwieriger wird deren Trennung. Ein digitales Tool, wie beispielsweise die Laborsoftware "QuACX:smartREMS", kann systemseitig für das Erfassen und Sortieren und Dokumentation der anfallenden Lösungsmittelabfälle unterstützen.
Wird etwa für unpolare Analyten das wenig gebräuchliche Tetrahydrofuran (THF) verwendet, so ist zu beachten, dass dieses Lösemittel bei Lagerung zur Bildung von Peroxiden neigt. Dies macht eine Lagerung und Wiederaufbereitung von Lösemittelgemischen, die Tetrahydrofuran enthalten, eher problematisch.
Resümee
Hier wurden Ansätze zur Steigerung der Nachhaltigkeit im Bereich der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) durch Rückgewinnung und Wiederverwertung organischer Lösungsmittel aufgezeigt und mit Blick auf eine mögliche praktische Umsetzung in Betrieben, in denen Abfälle aus der Chromatographie anfallen, betrachtet. Am Beispiel der gängigen Laufmittel Methanol und Acetonitril wird das Potenzial einer Kreislaufführung dieser Substanzen analysiert. Die derzeit verbreitete Praxis der thermischen Verwertung ist im Hinblick auf den hohen Wasseranteil der Abfallgemische und den Energieaufwand ökologisch und ökonomisch fraglich.
Eine stoffliche Rückgewinnung von Lösungsmitteln aus gebrauchten mobilen Phasen ist prinzipiell umsetzbar, insbesondere für Methanol. Die Rückgewinnung von Acetonitril gestaltet sich infolge der Azeotropbildung mit Wasser komplexer, erscheint jedoch angesichts der Marktpreise und der zeitweise eingeschränkten Verfügbarkeit als prüfenswerte Option.
In diesem Beitrag wollen wir einen Denkanstoß geben und zeigen, dass ein Lösungsansatz zur nachhaltigen Nutzung von Lösungsmitteln im HPLC-Labor realisiert werden kann. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in unserem Rechenbespiel legt nahe, dass die Eigenreinigung von Methanol bei einem monatlichen Verbrauch von etwa 50 Litern kostendeckend durchgeführt werden könnte. Um bewerten zu können, ob sich die eigene Aufbereitung lohnt, ist natürlich eine betriebsbezogene Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfung erforderlich.
Quellen:
[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/730823/umfrage/durchschnittlicher-preis-fuer-methanol-auf-dem-europaeischen-markt/
[2] Procurement Resource; https://www.procurementresource.com/resource-center/acetonitrile-price-trends
[3] Kolb, J., Bonnet, J. Haltbarkeit von Reagenzien im chemisch-pharmazeutischen Labor Pharm.Ind. 84. Nr. 1, 114–119 (2022)
[4] Lowe, D. The great acetonitrile shortage. Science Translation Medicine (2009)
[5] Tullo, A. „A Solvent Dries Up“. Chemical & Engineering News. 86 (47): 27 (2008)
AUTOREN
Dr. Thomas Hille, Martin Alt
QuACX GmbH, Simmern
Tel. 02620/3019914
[email protected]
www.quacx.eu















