HPLC-Tipp

Der HPLC-Tipp

Der HPLC-Tipp im Dezember Die Säule meldet sich zu Wort...

Liebe HPLC-Anwenderinnen, liebe HPLC-Anwender, es weihnachtet... Lassen Sie uns auf eine etwas unkonventionelle Art und Weise ein paar Vorsichtsmaßnahmen wiederholen, die zur merklichen Verlängerung der Lebensdauer einer RP-Säule führen – die Säule meldet sich heute selbst zu Wort und bekundet auf ihre typisch unbekümmerte Art ihre Wünsche.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes, friedliches Fest und für 2008 Gesundheit und Wohlergehen.


Ihr
Stavros Kromidas


Hallo, ich bin deine Säule!
Danke, dass du mich gekauft hast; wir werden viele glückliche Wochen und Monate miteinander verbringen – aber nur, wenn du gaaanz lieb zu mir bist!

Denk bitte daran, ich mag keinen Druck – übrigens genauso wie du... – aber ein Sensibelchen bin ich auch wiederum nicht: Ca. 350...380 bar kann ich schon aushalten. Ich bin ein Sauberchen und kann Dreck absolut nicht vertragen. Bitte, bitte wasch´ mich regelmäßig – eine Selbstreinigung wie deine Katze kann ich leider nicht durchführen. Fang zu Beginn mit viel Wasser an und höre mit viel Acetonitril auf, Isopropanol ist auch nicht schlecht. Wenn du so komische weiße Salze auf meiner Haut siehst oder auch nur vermutest, kannst du ruhig 2...3 Mal 0,01 N Salpetersäure oder verdünntes Ammoniak injizieren – ach das tut so gut... Wenn du so ´nen ekligen, organischen Dreck siehst, entferne ihn mit ein paar Schluck, pardon, Injektionen Tetrahydrofuran und Dimethylsulfoxid. Wenn du so etwas nicht vorrätig hast, mach´ dich nicht verrückt, Dimethylformamid tut´s auch. Metallionen kannst du mit 10...20 mMol EDTA herunterspülen. Mensch, ist das ein wunderbares Gefühl, wenn man so richtig sauber ist... Manchmal hilft´s, wenn du mich umdrehst, da kommt der Dreck aus meinem Kopf schneller runter. Kläre nur, ob ich ein entsprechendes Hütchen hab´ – ihr sagt Fritte dazu – sonst verlierst du ja etwas aus meinem Inhalt, und das wäre nicht so prickelnd... Wenn du mit dreckigen Proben zu tun hast, denke etwas an mich (oder von mir aus an deinen Geldbeutel) und mute mir nicht all zu viel zu: Benutze im Falle einer schlimmen Matrix eine kleine Schwester von mir, ich meine die Vorsäule, oder im Falle von Fusselchen, Abrieb und sonstigem mechanischen Dreck einen Online-Filter – solche liebe Gesten von dir vergesse ich nie. Wenn du einen aggressiven Eluenten brauchst (z.B. hoher pH-Wert plus viel Salz), damit ich dir die Selektivität bieten kann, die du benötigst – d´accord. Aber baue bitte in diesem Fall irgend eine kleine Säule oder eine Vorsäule zwischen Pumpe und Autosampler ein – dabei stets vor die Mischkammer beim Gradienten –, damit der Eluent mit Kieselgel gesättigt wird und MEIN Kieselgel in Ruhe lässt. Weißt du, was die Temperatur betrifft, sind wir schon recht ähnlich: 35...40 °C kannst du im Urlaub bestimmt aushalten, für eine kurze Weile (wie damals im Sommer in Ägypten bei den Pyramiden) akzeptierst du mal notgedrungen auch 45 oder 50 °C. So auch bei mir: 30...40 °C ist okay, aber für die Routine sollten es nicht mehr als 45...50 °C sein, vor allem, wenn du Salz im Eluenten hast. Unter uns: Bei Optimierungsversuchen kannst du ruhig mal auch auf 60 oder 80 °C gehen – aber bitte nicht all zu lange, es sei denn du weißt, dass ich eine besondere bin, die solche Torturen aushält. Vergiss mich um Gottes Willen keine lange Zeit im Wasser oder im Puffer. Was glaubst du, wie schnell Mikroorganismen und Algen wachsen können! Ich mag Natur schon – aber bitte weit weg von mir! Sollte ich oder die Anlage mit solchem Ungeziefer befallen sein, spüle uns – also die Anlage und mich – mit einer 3%igen Wasserstoffperoxidlösung durch, damit kriegst du die ganzen Leichen runter. Wenn du das Gefühl hast, dass meine Packung nicht mehr ganz okay ist, kannst du ruhig etwas kreativ sein, bevor du mich rausschmeißt: Du kannst mich umdrehen und bei hohem Fluss behandeln, du kannst mich an der Tischkante von unten nach oben klopfen oder leg´ mich einfach für eine Zeit lang ins Ultraschallbad. Du brauchst in einem solchen Fall nicht besonders zimperlich mit mir umgehen. Was kann denn schon passieren, du hast sowieso vor, mich zu entledigen – also sei mutig! Im richtig Sauren oder im richtig Alkalischen mögen sich vielleicht einige besondere Exemplare von uns wohl fühlen, das normale Säulen-Volk jedoch nicht, also vermeide es. Wenn du mich ordentlich sauber gemacht hast und mich nicht in Wasser, sondern z.B. in Acetonitril/Wasser lagerst (zwischen ca. 50...70 % Acetonitril) und dabei mich mit Endfittings zumachst, damit ich nicht austrockene, brauchst du dich nicht mehr um mich zu kümmern, ich kann viele, viele Monate im Schrank auf dich warten. Ich freue mich schon darauf, zusammen mit dir viele Trennungen durchzuführen.

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Also, tschüss und auf eine gute Zusammenarbeit!

in trauter Liebe

Deine Säule

Das Ganze nun nachfolgend in vereinfachter, verdichteter Form.

Umgang mit einer „klassischen“ HPLC-RP-Säule auf Kieselgelbasis

Folgendes wäre zu vermeiden:

  • Dauerdruck über ca. 350...400 bar.
  • Verunreinigungen in der Probe, „schwierige“ Matrix; bei Bedarf Probenvorbereitung optimieren, Vorsäule und/oder Online-Filter verwenden.
  • Längere Zeit aggressive Eluenten; bei Bedarf Konditionierungssäule verwenden.
  • Längere Zeit Lagerung in Wasser/Puffer, Niederschlag von Salzen z.B. durch Vormischen beim Gradienten.
  • Dauerbetrieb bei 50 °C oder höher.
  • Extreme pH-Werte (unter ca. 1,5 und über ca. 9).
  • Ohne Endfittings lagern und bei nochmaliger Verwendung gleich mit hohem Fluss anfahren.

Die Säule kann wie folgt gespült werden:

  • Anorganische Verunreinigungen: Hoher Wasseranteil, verdünnte Salpetersäure bzw. verdünntes Ammoniak mehrmals injizieren.
  • Organische Verunreinigungen: Hoher Acetonitrilanteil, Isopropanol, THF. Mehrmals DMSO, DMF injizieren.
  • Mikroorganismen: 3 % Wasserstoffperoxid.
  • Metallionen: 10...20 mMol EDTA.

Letzte „Rettungsmassnahmen“:

  • Umdrehen und bei ca. 2...2,5 ml/min ca. 20 min lang wie oben beschrieben spülen.
  • Klopfen, Ultraschallbad.

© by Stavros Kromidas

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