Projekt an der FH Salzburg – ein Erfahrungsbericht
Digitales Chemikalienmanagement im Ausbildungslabor
Als "Lean LAB"-Gruppe haben wir, sechs Studenten und Studentinnen, uns im Rahmen der Lehrveranstaltung "Projektmanagement und Forschung" mit dem Lager- und Reagenzienmanagement im Studiengang Biomedizinische Analytik der FH Salzburg am Standort der Salzburger Landeskliniken auseinandergesetzt. Das Hauptziel war die Digitalisierung des Chemikalienlagers. Dies inkludierte alle Chemikalien, auch die unter Sicherheitsstandards versperrt gelagerte Reagenzien und Gifte. Das Nebenziel war die Digitalisierung des Verbrauchsmaterials, eine breite Palette an Produkten. Das Erfassen des Bestandes, inklusive Ablaufdaten und Umstrukturierung der Lager, wurde in diesem Projekt erfolgreich durchgeführt.
Ziel des Projektes
Das Ziel des Projektes war die Digitalisierung des gesamten Chemikalien- und Verbrauchsmateriallagers und damit die Einführung eines effizienzsteigernden Systems für die FH Salzburg. Damit sollen in Zukunft alle Anwender und Anwenderinnen Informationen wie Lagerplatz, Lagerbedingung, Restbestände an Chemikalien (auch in angebrochenen Behältnissen) oder Ablaufdaten mit einem Klick ablesen können. Das neue System soll einen Überblick über die Bestände geben und zugleich ein praktikables und effizientes Bestellen von Reagenzien und Verbrauchsmaterialien ermöglichen. Idealerweise sollen die Bestände vom Büro aus gecheckt werden und die notwendigen SAP-Nummern direkt aus dem Programm abgelesen werden können, um somit die Usability zu erhöhen. Neben einer einfachen Einsicht der Produktbestände soll dies auch zu Ressourceneinsparungen führen.
Projekt-Durchführung
Die ersten Schritte des Projekts waren die grobe Zeitplanung und die Aufgabenverteilung innerhalb des Teams. Damit die Entscheidung für ein passendes Programm gut gelingen konnte, fertigten wir uns als Team mithilfe unserer Coaches eine Liste an erforderlichen Features an, welche das endgültige Lagersystem beinhalten sollte. Grundsätzlich sind Stückzahl der Reagenzien, deren Verfallsdaten, Hersteller beziehungsweise Lieferant und Lagerplatz wichtige Daten, welches ein digitales System aus unserer Sicht aufweisen muss. Neben diesen Angaben waren auch die Füllmenge, die Sicherheitsdatenblätter der Chemikalien und die Bestellnummern zu berücksichtigen. Zudem war die Zugehörigkeit zu Säuren, Basen oder Giften ein wichtiger Aspekt, der bei jedem der gelagerten Stoffe ersichtlich sein sollte. All dies sollte in einem digitalen System erfüllt werden, um zukünftig die Bestände besser verfolgen zu können könnten und somit einen großen Überschuss an Chemikalien in der Bevorratung zu vermeiden und auch zu verhindern, dass Verbräuche unbemerkt bleiben.
Jedes Mitglied unserer Gruppe suchte nach Lagersystem-Anbietern, beschäftigte sich näher mit diesem und hielt einen kurzen Pitch über die Vor- und Nachteile des jeweiligen Systems. Nach dieser Bewertung kamen fünf Systeme für unsere Zwecke in Frage. Daraufhin setzten wir uns mit den Anbietern in Verbindung und organisierten Online-Meetings. Bei diesen Meetings konnten wir nicht nur unser Wissen in Bezug auf Lagersystemmöglichkeiten erweitern, sondern auch Erfahrungen im Bereich der Soft Skills in Verhandlungsgesprächen verbessern. Besonders fiel uns auf, wie unterschiedlich die verschiedenen Personen kommunizieren, interagieren, ihre Programme präsentieren oder auf Fragen eingehen. Nach zwei intensiven Tagen und konstruktiven Gesprächen mit unseren Coaches entschieden wir uns für ein System des Unternehmens Fluics und bestellten das System "Fluics Connect" inklusive Drucker und 1 000 Etiketten. Hier überzeugte eine inhaltlich gute und umfangreiche Produktvorstellung, bei der auf alle Fragen eingegangen wurde und, dass uns anhand des Programmes alle Funktionen illustrativ gezeigt wurden. Zudem wies das System einige vorteilhafte Eigenschaften auf, wie unter anderem eine unbegrenzte Anzahl an Nutzern und Nutzerinnen und Artikel (Items) im Programm, die Funktion, Fotos von Reagenzien zu hinterlegen, Etiketten, welche auch im Tiefkühlschrank (– 80 °C) anwendbar sind, sowie eine einfache Aktualisierung des Lagerorts und automatische Protokollerstellung zu jedem hinterlegten Item.
Nachdem das System inklusive Drucker eingetroffen ist, haben wir zunächst den Drucker installiert und im Programm Workspaces für die Lagerräume der FH Salzburg erstellt. Die Projektleitung übernahm hier die Administratorfunktion im Programm und fügte alle Mitglieder des Teams in den Workspace hinzu. Daraufhin folgte die Bestandsaufnahme des gesamten Inventars in den Chemikalien- und Verbrauchsmateriallagern. Aufgeteilt in zwei Teams versuchten wir, neben dem Erfassen von Stückanzahl und wichtigen Artikelinformationen auch eine neue Lagerordnung der Chemikalien und Verbrauchsmaterialien einzuführen.
Während die Aktualisierung und Inventur des Verbrauchsmateriallagers innerhalb von einigen Stunden abgeschlossen war, nahm die Inventur des Chemikalienlagers wesentlich mehr Zeit in Anspruch, da mehr Informationen, wie Lagerbedingungen und die Sichtung der Sicherheitsdatenblätter, nötig waren. Eine lange Liste an verschiedenen Produkten entstand, die in das System übertragen wurde. Eine Hürde hierbei war die Digitalisierung der einzelnen Produkte. Da mit jeder Chemikalie und jedem Verbrauchsmaterial andere wichtige Informationen verbunden sind, war es nicht möglich, eine einmalige, einheitliche Übertragung der Excel-Tabelle in die Software durchzuführen. Somit mussten alle Produkte händisch in das System überführt werden. Damit die Digitalisierung einheitlich verläuft, war es wichtig, sich auf die Eigenschaften, welche im System hinterlegt werden sollten, in der Gruppe zu einigen und festzulegen. Schließlich wurden 197 Items für das Chemikalienlager und 119 Items für das Verbrauchsmateriallager hinterlegt.
Einer der letzten Schritte des Projekts war die Etikettierung der eingetragenen Produkte. Auch hier teilte sich das Team wieder in zwei Gruppen auf und begab sich erneut in die Lagerräume. Eine Person war für den Ausdruck der Etiketten verantwortlich, wodurch eine Verwechslung der Etiketten der verschiedenen Lagerräume vermieden wurde. Mit der Etikettierung der einzelnen Artikel im Lager wurden auch Fotos der Reagenzien und Verbrauchsmaterialien und der jeweils endgültige Lagerort im Fluics-Programm eingefügt. Bei den Reagenzien wurde ein chaotisches Lagersystem angewendet, was bedeutet, dass jedes einzelne Behältnis etikettiert werden musste. Die Lagerplatzwahl im Chemikalienlager erfolgte nach den bestimmten Produkteigenschaften, so wurden z. B. Säuren, Basen, Gifte im Sicherheitsschrank platziert. Zur leichteren Orientierung im Chemikalienraum wurden die Schränke farblich gekennzeichnet und zur schnelleren und einfacheren Erkennung außerdem Fotos der Gefäße bzw. Reagenzienbehältnisse in der Fluics-App hinterlegt. Im Verbrauchsmateriallager wurde ein Festplatzsystem angewendet, da sich hier eine kleinere Produktbreite mit einer großen, aber jedoch sich häufig ändernden Anzahl an Produkten befindet. Das bedeutet, es wurden nicht die einzelnen Behälter, sondern die Lagerplätze der Materialien im Regal etikettiert. Zu beachten war dabei, dass die Bestände im Verbrauchsmaterialienlager vor Ort zu ändern waren, damit eine korrekte Weiterführung der Bestände garantiert werden konnte.
Projektabschluss
Mit der erfolgreichen Etablierung des digitalen Chemikalienmanagementsystems von Fluics wurde das Ziel "Digitalisierung der Lager" erreicht. So können auch zukünftige Studenten und Studentinnen und Mitarbeitende der FH am Campus Salzburg Reagenzien und andere Chemikalien sowie Verbrauchsmaterialien in den Lagern anhand der zugeteilten Lagerorte inkl. Fotodokumentation einfacher und schneller finden. Eine Ordnung der Lagerräume ist somit gesichert. Die eingetragenen Informationen und Eigenschaften wie Füllmenge, Stückzahl, hinterlegte SAP- oder Bestellnummern erleichtern und ermöglichen eine ortsunabhängige und zentrale Bestandsüberprüfung sowie Bestellungen auf allen digitalen Endgeräten wie Mobiltelefonen, Tablets und PCs. Für die Zukunft ist vom Unternehmen Fluics eine automatische Bestellbenachrichtigung, für den Fall, dass Mindestbestände erreicht werden, geplant. Insgesamt steigert diese Digitalisierungslösung die Effizienz und führt somit zu einer deutlichen Zeitersparnis.
Des weiteren erhoffen wir uns durch das Feature "Restvolumen" auch einen besseren Umgang mit bereits angebrochenen Reagenzien/Chemikalien und eine Einsparung von Chemikalien. Dadurch fördern wir unsere "good laboratory practice" und machen einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Implementierung von Bildern der gelagerten Chemikalien neuen Studenten und Studentinnen hilft, die verschiedenen Chemikalien "kennenzulernen". Und wir erhoffen uns für zukünftige Studierende, aber auch für alle am Studiengang Beteiligten, ein besseres und bewussteres Umgehen mit Chemikalien.
Zudem wurden auch eine SOP (Standard Operating Procedure) zur Anwendung des Systems und ein Projekthandbuch, welches wichtige Eckdaten wie Projektstart, Ziele oder Kosten zusammenfasst, erstellt. Und auf einer eigens zum Projekt erstellten Webseite wurden die Fortschritte und Ziele des Projekts zeigt.
Herausforderungen und Projekterfahrung
Während des Projekts mussten wir diverse Hürden und Herausforderungen meistern, eine davon war, die Auswahl der Lagersysteme am Markt zu treffen und die verschiedenen Kriterien von Projektbudget bis (Wunsch-)Anforderungen an das Lagersystem abzuwägen. Auch der Arbeitsaufwand für die Inventur und für die Etikettierung wurde von uns unterschätzt. Trotz des engen Zeitrahmens konnte das Projekt innerhalb der vorgeschriebenen Zeit abgeschlossen werden. Anhand dieser Situationen lernten wir mehr über den professionellen Umgang mit verschiedenen Anbietern bzw. den Kontaktpersonen, lösungsorientiertes Arbeiten, gutes Zeitmanagement, und nicht zuletzt über Lagerhaltung und den korrekten Umgang mit Chemikalien und Gefahrstoffen. Dieses Projekt war förderlich für unser Teamwork, und wir erkannten die Wichtigkeit der Entscheidungsfähigkeit für bedeutende Projekte der Zukunft.
AUTOREN
Amra Julardzija, Sandra Maiburger, Simona Khokhlov, Raya Zhivkova Tacheva, Melanie Dallinger, Maria Schöffegger (Projektteam)
Dipl.-Ing. Caroline Roth, BSc, Roland Joachimbauer, MSc (Projektcoaches)
Fachhochschule Salzburg GmbH, A-Salzburg
[email protected]
www.fh-salzburg.ac.at














