Wer die Wahl hat...
Ein geeignetes Labor-Informations- und Management-System finden
Die Suche
Wer kennt sie nicht, die Frage, welches LIMS denn das geeignetste für das eigene Labor sein könnte. Der erste Anlauf ist zumeist eine Recherche im Internet, über Angebote und Hersteller. Weltweit gibt es mehrere Hundert kommerzielle und Open-Source-Projekte, und so fällt die erste Auswahl denkbar schwer, geschweige denn das Erstellen einer Auswahlliste. Einen hilfreichen ersten Eindruck gibt z. B. die Marktübersicht von LABO. Hier sind LIM-Systeme von Anbietern im deutschsprachigen Raum und wesentliche technische Merkmale der Systeme in einer Liste aufgeführt. Beim Ermitteln eigener Anforderungen ist der Standard ASTM E 1578 nützlich, welcher für alle erdenklichen Szenarien der Laborinformatik unterstützt, notwendige Funktionen eines LIMS zu erkennen. Neben den bereits genannten Hilfsmitteln besteht auch die Möglichkeit, sich unabhängig beraten zu lassen, wobei eine Vielzahl von Anbietern mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Markt zu finden sind.
Die Vorauswahl
Die Vorauswahl geeigneter Systeme sollte zumindest Mobilitäts-, Funktions- und technische Anforderungen sowie ein Kostenbudget umfassen. Mit Mobilitätsanforderungen ist gemeint, ob eine Verwendung auch auf mobilen Endgeräten wie Telefonen oder Tablets erfolgen soll, neben dem üblichen Nutzungsszenario auf Desktop-Computern. Häufig ist damit ein Cloud-Dienst gemeint, welcher die Anwendung im Browser darstellt. Ein Cloud-Dienst kann aber auch mit der Übertragung eines vollwertigen Desktops erfolgen, z. B. über einen Remote-Desktop-Service. Das Zweite ist besonders dann vorteilhaft, wenn mehrere Anwendungen gleichzeitig genutzt werden sollen, da sämtliche Bürosoftware auf einmal bereitgestellt wird.
Bei den Funktionsanforderungen sollte stets zwischen zwingend notwendigen und eher bevorzugten Funktionen unterschieden werden. Da nicht alle LIMS-Anbieter Kundenanpassungen durchführen, sollte zumindest eine möglichst flexible Konfiguration möglich sein. Bei den technischen Anforderungen ist es wichtig, den Bedarf einer Eingliederung in die eigene IT-Landschaft zu prüfen. Im besten Fall integriert sich ein LIMS nahtlos in die bereits vorhandene Bürosoftware und lässt sich über Schnittstellen mit anderen Programmen verbinden, z. B. über eine REST-API. Bei dem Budget ist neben den Anschaffungskosten insbesondere auf Beratungs- und Servicekosten zu achten. Damit es zügig vorangeht, macht es Sinn, großzügig Beratung einzuplanen, denn die Erstkonfiguration eines LIMS kann ohne Erfahrung schnell zum "Show Stopper" werden.
Integrationszeit und Softwarelebenszeit
Die meisten Laboratorien verwenden als Bürosoftware Microsoft Office, und somit hilft eine nahtlose Integration des LIMS, Daten zwischen den Systemen auszutauschen. Häufig sind es Anfragen des Managements oder von Kunden, die eine Zusammenfassung von Informationen verlangen. Dabei hilft es, z. B. Listen unmittelbar zwischen LIMS und Excel hin und her zu kopieren, um Daten wie gefordert zu verdichten und nachzubearbeiten. Da die Darstellung einer Präsentation häufig in PowerPoint erfolgt, ist eine Kompatibilität wichtig, um sich Übertragungsarbeit zu sparen. Gleiches gilt auch für die Eingabe von Stammdaten, wobei z. B. Kundendaten von Excel einfach in das LIMS per Drag and Drop kopiert werden können. Weiterhin kann eine moderne REST-API dann dafür sorgen – wenn einmal eingerichtet –, dass z. B. wie "von Zauberhand" Aufträge zur Abrechnung samt Positionen im ERP-System landen.
Besonders wichtig ist auch die Lebenszeitbetrachtung von Software, denn was nutzt das beste LIMS, wenn es nach wenigen Jahren technisch nicht mehr verwendet werden kann. Im besten Fall sind alle eingesetzten Technologien erprobt und bereits seit Jahren im Einsatz.
Digital Twin
Bei der Auswahl sollte auch auf das Prinzip des "digital twin" geachtet werden. Ein digitaler Zwilling, oder englisch Digital Twin, ist eine virtuelle Darstellung eines Objekts oder Systems, die ein physisches Objekt genau widerspiegeln soll. Sie umfasst den gesamten Lebenszyklus des Objekts, wird anhand von Echtzeitdaten aktualisiert und unterstützt, Entscheidungen zu erleichtern.
Am einfachsten kann man das als Anwender prüfen, indem man sein Labor im LIMS wiederzufinden versucht. Man stellt sich dabei das Labor als Gebäude mit Räumen vor, in dem Arbeitsplätze mit Laborgeräten stehen. Auf den Geräten werden Methoden angewendet, welche wiederum Analyseleistungen erbringen. Sollte eine solche Struktur nicht nachvollziehbar abgebildet sein, sollte zumindest Vorsicht geboten sein. Nur ein LIMS, in dem der Nutzer seine physische Umgebung auch wiederfindet, ist geeignet, schnell Orientierung zu finden und diese zu wahren.
Mehrsprachigkeit
Nicht nur Kunden der Labore werden mit der Zeit internationaler, auch das Laborpersonal spricht oftmals eine andere Sprache als Deutsch. Aus diesem Grund macht es Sinn, wenn ein LIMS per Knopfdruck übersetzbar ist. Auch wenn es nicht unmittelbar um die Sprache selbst geht, also die Übersetzung an sich, so sind doch oft einige Begriffe und Bezeichnungen im Labor für Sachverhalte different. Dabei ist es hilfreich, wenn einzelne Felder in der Eingabemaske umzubenennen sind. Es klingt trivial, doch was nutzt eine Bedienoberfläche, die den Sachverhalt des Anwenders nicht wiedergibt?
Workflows
Jedes Labor ist individuell, das betrifft insbesondere Arbeitsabläufe. Zur Nachverfolgung von Proben, Arbeitsschritten und Freigaben ist eine Anpassbarkeit des Systems nicht nur wichtig, sondern oft auch regulatorisch gefordert. Ein LIMS sollte folglich die Möglichkeit bieten, dass Arbeitsabläufe vom Anwender konfiguriert werden können, das gilt auch für die entsprechenden Rechte, die die verschiedenen Rollen im Labor, also die jeweiligen Personen, entsprechend ihrer Funktion haben. Jeder Arbeitsschritt sollte ebenfalls mit dem nächsten verknüpfbar sein, so wird ein Workflow gelenkt und sichergestellt, dass jede Tätigkeit nachvollziehbar erfolgt.
Agiles Projektmanagement
Auch wenn es schwierig ist, ein LIMS ohne Hilfe des Herstellers zu konfigurieren, so sollte zumindest eine Testversion mit Workshop angeboten werden. Mit einem Workshop und Prototypen kann dann vorgeführt werden, dass spezielle Kundenanforderungen erfüllt werden. So kann auch die Akzeptanz im Team verbessert werden. Dabei ist zu beachten, dass kein System sofort alles kann, aber es sollte zumindest ohne Anpassung die Mindestanforderungen erfüllen. Mittels des Testsystems kann dann im Sinne einer agilen Softwareentwicklung die Anpassung im Detail erfolgen. Online-Projektmanagementsysteme wie GitHub oder Jira können dabei helfen, den Überblick zu behalten.
Fazit
Egal ob die Entscheidung auf Open Source, ein freies oder kommerzielles LIMS fällt, wichtig ist es, die besonderen technischen und Budget-Anforderungen vorab genau zu definieren. Dabei sind Open Source oder auch freie Software nicht unbedingt die günstigere Lösung, bieten in Sachen Freiheit und Anpassbarkeit jedoch viele Möglichkeiten.
AUTOREN
Dr. Lutz Kogel (MBA), Dr. Martha Kompalla
KOLUMA GmbH, Lippstadt
[email protected]
www.labdesk.net










