Verteilung in Körperflüssigkeiten

73 Elemente in Blut und Urin

In einer Studie im Medizinischen Labor Bremen wurden 73 der insgesamt 92 natürlich vorkommenden Elemente in klinischen Proben quantitativ mit Hilfe von zwei atomspektrometrischen Methoden bestimmt. Die Ergebnisse sind von Nutzen für Medizin, Toxikologie und angrenzende Wissenschaften.
Bild 1: Elementbestimmung mit der ICP-OES. Im Bild: Optische Emission bei der Analyse einer Yttrium-Lösung. © Medizinisches Labor Bremen

Obwohl für viele Mineralstoffe oder Spurenelemente die Konzentrationsbereiche in klinischen Proben schon lange bekannt sind, gibt es nur wenige Studien, bei der eine hohe Anzahl an Elementen in unterschiedlichen Körperflüssigkeiten einzelner Personen bestimmt wurden. Das liegt u. a. an komplexen analytischen Herausforderungen, wie z. B. den extrem großen Konzentrationsunterschieden einzelner Elemente, der Erfordernis von besonders nachweisstarken, selektiven und präzisen Methoden sowie generell hohen Anforderungen an die Elementanalytik (Blindwertproblematik, komplexe Probenvorbereitung, geeignete Kalibrierung, Stabilität der Elemente in Lösung, Auswahl interner Standards, Umgang mit Matrixeinflüssen und spektralen Störungen usw.). Aufgrund dieser vielen Anforderungen erfordert Multi-Elementanalytik in der labormedizinischen Diagnostik nicht nur eine spezielle Laborausstattung, sondern auch hohe Fachkompetenz der Analytiker.

Im Medizinischen Labor Bremen ist es in einer Studie gelungen, insgesamt 73 Elemente mit 2 analytischen Methoden zu bestimmen, und zwar für die meisten Elemente mit der ICP-MS/MS (Tandem-Massenspektrometrie mit dem induktiv gekoppelten Plasma (ICP) als Ionenquelle) und für weitere Elemente mit der ICP-OES (Optische Emissionsspektrometrie mit dem ICP als Strahlungsquelle).
An der Studie waren 102 beruflich nicht exponierte Personen beteiligt, bei denen die Elemente im Blut, Serum, Erythrozyten und Urin quantifiziert wurden. Ausgewählte Studienergebnisse (Quelle: Originalpublikation [1]) sind in Tabelle 1 (s. Anhang unten) zusammengefasst. Die Konzentrationen der Elemente im Blut erstreckt sich vom g/l-Bereich für Natrium und Kalium bis in den Ultraspurenbereich (ng/l) für Uran. Diese Darstellung der Konzentrationsbereiche ist äußerst wertvoll für Mediziner, Toxikologen, klinische Chemiker und Biologen, um Befunde zu bewerten oder Studiendaten zu interpretieren.

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Einige der Elemente im Blut sind vorwiegend in den Erythrozyten gebunden (z. B. Blei, Cadmium oder Mangan), während andere hauptsächlich extrazellulär vorliegen, wie z. B. Barium, Strontium oder Jod. Diese Verteilung zwischen dem intra- und extrazellulären Raum des Blutes wurde für alle Elemente berechnet. Sie ist wichtig für die Auswahl eines geeigneten klinischen Untersuchungsmaterials für die Diagnose und für die Wahl einer geeigneten Therapie von Vergiftungen.

Bild 2: Unterschiedliche Verteilung toxischer Metalle zwischen den Bestandteilen des Blutes. Links: Chrom ist als Cr(VI) vorwiegend in den Erythrozyten gebunden. Rechts: Thallium (Tl) liegt vorwiegend im Plasma vor. Beide Beispiele sind klinische Fälle akuter Metallvergiftungen. (Die Fotos der Blutprobe und der zentrifugierten Probe dienen der Veranschaulichung; sie zeigen nicht die Originalproben). © Medizinisches Labor Bremen

In Bild 2 sind solche Verteilungen am Beispiel von Chrom (Cr) und Thallium (Tl) dargestellt (diese Proben sind nicht Bestandteil der hier vorgestellten Studie). Bei toxikologisch relevanten Elementen, die im Blut an den Erythrozyten gebunden sind (z. B. Chrom (VI), Cadmium oder Blei) wäre z. B. bei akuter Vergiftung eine Hämodialyse weniger effektiv, dafür aber eine Erythrozytenapherese zur Beseitigung des Toxins erfolgreicher.

Auch die dargestellten Konzentrationsbereiche für Urin sind als Beurteilungswerte sehr wertvoll, da dieses Probenmaterial für viele Elemente geeignet ist, um entweder berufliche Exposition mit Metallen oder durch Umwelteinflüsse zu diagnostizieren. Bei beruflicher Exposition gilt das u. a. für Elemente wie Aluminium (Al), Arsen (As), Barium (Ba), Beryllium (Be), Bor (B), Cadmium (Cd), Chrom (Cr), Kobalt (Co), Kupfer (Cu), Fluor (F), Quecksilber (Hg), Indium (In), Nickel (Ni), Platin (Pt), Selen (Se), Uran (U), Vanadium (V) und Zink (Zn). Das Human-Biomonitoring durch Metallbestimmungen im Urin ist auch ein Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge.

Analytische Techniken

Um den oben beschriebenen komplexen analytischen Herausforderungen der Elementanalytik gerecht zu werden und zudem hohe analytische Qualität zu erreichen, wurden die Elemente in verschiedene Methodengruppen aufgeteilt und zu deren Bestimmung sowohl die optische Emissionsspektrometrie als auch die Massenspektrometrie in Verbindung mit induktiv gekoppelten Plasma (ICP) eingesetzt [1]. Die ICP-OES ist für ausgewählte Elemente sinnvoll, weil sich höhere Präzision und Richtigkeit erreichen lässt und spektrale Störungen der ICP-MS vermieden werden. Doch aufgrund der niedrigen Konzentrationsbereiche vieler Elemente in klinischen Proben ist die ICP-MS wegen der deutlich höheren Nachweisstärke für die meisten Elemente notwendig. Aber auch dann noch kann es für viele Elemente zu Einschränkungen durch spektrale Störungen kommen. Eine Lösung liegt dabei im Einsatz der ICP-MS/MS, bei der zwischen den beiden Quadrupolen noch eine Kollisions- bzw. Reaktionsgaszelle integriert ist, die es ermöglicht, dass entweder die Störer beseitigt werden oder die Analyten vor der Trennung im zweiten Quadrupol des Massenspektrometers zu einer höheren und ungestörten Masse reagieren. Für einige Elemente ist diese Technik notwendig (z. B. für Chrom, Titan, Germanium, Palladium, Silizium) oder qualitätsverbessernd (z. B. für Selen, Arsen, Cadmium, Aluminium, Mangan). Als ein Beispiel sollen hier nur die Bestimmungen von Chrom oder Titan im Blut aufgeführt werden. Beide Elemente haben signifikante spektrale Störer bei allen Isotopen (u. a. 40Ar12 C+, 35Cl16O1H+, 36Ar16O+, 34S18O+ für 52Cr+ oder 48Ca+, 32S16O+ für 48Ti+). Einfache Quadrupol-ICP-MS ist hier nicht mehr möglich, um Qualitätsstandards in der Medizin einzuhalten.

Zur analytischen Qualitätssicherung für die Studie wurden die im Markt verfügbaren Kontrollmaterialien eingesetzt sowie an nationalen und internationalen Ringversuchen erfolgreich teilgenommen [1].

Fazit

Durch Bestimmung der Konzentrationsbereiche von 73 Elementen in einer Studie mit 102 Teilnehmern ist eine fundierte Darstellung über die Verteilung der Elemente in Blut, Serum, Erythrozyten und Urin entstanden. Die Ergebnisse sind nützlich für die Auswahl eines geeigneten klinischen Untersuchungsmaterials, die Bewertung von medizinischen Befunden und die Interpretation von Studiendaten.

Publikation:
[1] Peter Heitland, Helmut D. Köster: Human biomonitoring of 73 elements in blood, serum, erythrocytes and urine, Journal of Trace Elements in Medicine and Biology, Volume 64, 2021, https://doi.org/10.1016/j.jtemb.2020.126706

AUTOREN
Dr. Peter Heitland, Dr. Helmut D. Köster
MVZ Medizinisches Labor Bremen GmbH, Bremen
Tel.: 0421/2072-0
[email protected]
www.mlhb.de

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Tabelle 1Tabelle: Konzentrationsbereiche von 73 Elementen in Blut, Serum und Urin (n = 102 Personen); Auszug aus der Publikation [1]. Konzentrationen unter der Bestimmungsgrenze (LoQ: Limit of Quantification) werden berechnet als LoQ/2. Für weitere der 73 Elemente der Studie (Pt, Ir, Sc, Ga, Ru, Be, Rh, Nd, Y, Ce, La, Nb, Pd, In, Sm, Re, Hf, Ta, Th, Eu, Tb, Dy, Er, Os, Pr, Ho, Yb und Lu) liegen die gemessenen Konzentrationen für alle Personen unterhalb der LoQ [1].
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