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Artikel und Hintergründe zum Thema

Labor 4.0 aus laborplanerischer Sicht

Labore der Zukunft – modern und zukunftsfähig

Die Autorin von Carpus+Partner beleuchtet das "Labor 4.0" aus laborplanerischer Sicht.
Begriffe wie Labor 4.0 oder Labor der Zukunft werden aktuell häufig verwendet, wenn es um Trends wie Digitalisierung oder innovative Technologien geht – die auch die Laborplanung maßgeblich prägen und beeinflussen. Welche Kernfaktoren sollten Labore erfüllen, damit sie jetzt und in Zukunft über die nötige Flexibilität und Kapazitäten verfügen, um einerseits stetig neuen labortechnischen und anwendungsbezogenen Anforderungen und andererseits den Herausforderungen an moderne Arbeitswelten gerecht zu werden? Diese Frage stellt sich Unternehmen, die ihre Labore modernisieren oder neu konzipieren möchten.
© Carpus+Partner

Ein neues und innovatives Labor muss gut geplant und durchdacht werden. Labore haben sich in Teilen schon zu hochkomplexen Datenfabriken entwickelt, was sich voraussichtlich durch weitere und leistungsfähigere Technologien in noch kürzeren Innovationszyklen fortsetzen wird. Die Digitalisierung von Informationen wird immer mehr zum Schlüssel des Erfolges und die damit verbundenen Daten bilden ein elementares Asset. Unternehmen wollen, dass ihre Labore in Echtzeit weltweit miteinander interagieren können. Zudem wird ein hoher Grad an Automatisierung angestrebt. Hierzu gehört auch die Robotik, die immer mehr in Laboren Einzug hält. Doch nicht nur die moderne Gestaltung zukunftsfähiger Arbeitsumgebungen ist ein Ziel bei Laborbau und Modernisierungsmaßnahmen, auch der Handlungsbedarf für mehr Klimaschutz und damit mehr Nachhaltigkeit hat Einfluss auf die Planung von Gebäuden und Laborräumen.

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Transformationen im Labor in Bezug auf Digitalisierung, Konnektivität, Automation und Nachhaltigkeit können viele Gesichter haben. Doch sollten die dort arbeitenden Menschen im Mittelpunkt stehen und ihren Bedürfnissen Rechnung getragen werden. Der achtsame Umgang mit der "Ressource" Mensch bedeutet, Entlastung zu schaffen, Prozesse und Arbeitssicherheit durch Digitalisierung zu optimieren sowie Freiräume für experimentelles Arbeiten oder andere Kerntätigkeiten zu kreieren. Welche Rolle spielen hier die Räumlichkeiten? Sogenannte Smart Buildings bieten eine intelligente Vernetzung des Gebäudemanagements mit anwendungs- und nutzungsspezifischer Automation, die auch die Digitalisierung im Laborbetrieb unterstützen kann. Sie eröffnen neue Gestaltungsmöglichkeiten, um innovative und ganzheitliche Arbeitswelten im Labor zu schaffen, die den dort arbeitenden Menschen zahlreiche Optionen für Austausch, Kommunikation, Kreativität und Wissenstransfer ermöglichen, die es für ein innovatives Labor braucht.

Das Anwendungsspektrum digitaler Systeme im Labor ist breit gefächert und kann dem Anwender sowohl den Arbeitsalltag erleichtern wie auch die Ergebnisqualität steigern. Dazu bedarf es einer anspruchsvolleren technischen Infrastruktur innerhalb der Labore, die oft in älteren Gebäuden nicht vorhanden ist. Intelligente Gebäude ermöglichen z. B. der Nutzerschaft, mithilfe von Sensoren auf wichtige Umgebungsdaten zuzugreifen. Die Weiterverarbeitung von Daten erfolgt in herkömmlichen Laborengebäuden oft noch dezentral. Die Integration von Umgebungsdaten, Gerätedaten und weiteren Labordaten auf einer digitalen Datenplattform ermöglicht eine gezielte und ortsunabhängige Datennutzung.

Der "Faktor" Mensch

In vielen bestehenden Laboren wird derzeit bei weitem nicht das volle Potenzial, welches die Digitalisierung bietet, ausgeschöpft. Sollen in einem Labor diesbezüglich Schritte ergriffen und Maßnahmen angegangen werden, so bedeutet das eine Veränderung. Und Veränderung bedeutet Unsicherheit und erfordert häufig ein Umdenken. Die vielfältigen Chancen und Möglichkeiten, die aus der Digitalisierung für den Einzelnen entstehen, werden am besten durch die direkte Beteiligung am Entwicklungsprozess erlebbar. Daher ist es sinnvoll, die Personen, die dort arbeiten werden, bei der Gebäude- und Laborplanung frühzeitig einzubeziehen. Carpus+Partner führt deshalb bereits zu Beginn der Planungsphase Workshops mit den Mitarbeitern und Stakeholdern aus allen Funktionsbereichen durch, in denen die Mitarbeitenden ihre Bedürfnisse und Wünsche an den neuen Arbeitsplatz frei formulieren können. Wer mitgestalten darf, identifiziert sich mit seiner Arbeit und der Arbeitsumgebung. Eine Auseinandersetzung und intensive Betrachtung der Ist-Zustände sowie der einzelnen Prozesse und Abläufe in den Räumlichkeiten, zeigen häufig die Defizite der Bestandsflächen. In der Planung können durch die Partizipation der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die neuen Laborstrukturen individuell an die Tätigkeitserfordernisse angepasst und somit die Verkürzung von Laufwegen berücksichtigt werden, was später die tägliche Arbeit in den neuen Räumlichkeiten erleichtert und verbessert.

Um die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden zu steigern und neue Fachkräfte zu gewinnen, steht immer mehr die sog. "Jobsatisfaction" im Fokus. Praxiserfahrungen zeigen eindrucksvoll, wie sehr eine innovative Arbeitsumgebung mit Ruhezonen, attraktiv gestalteten Denkräumen und Kommunikationszonen dazu beiträgt. Auch in Bestandslaboren können die Arbeitsumgebungen durch technische Verbesserungen, z. B. mithilfe von akustischen Elementen oder bei der Lüftung (verlangsamte Lüftungsgeschwindigkeiten), oder durch den Einsatz neuer Materialien, Farben und räumlich angepassten Konzepten deutlich aufgewertet werden.

Mehr Nachhaltigkeit

Auch die Motivation und die Notwendigkeit zu mehr Nachhaltigkeit im Laborbetrieb ist erheblich gestiegen. Nachhaltigkeit ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein ganzheitlicher Ansatz bei der Neuplanung von Laboren und ein kontinuierlicher Prozess aus vielen Maßnahmen in bestehenden Laboren. Dazu gehören zum einen technische Lösungen, wie der Einsatz von Stützstrahltechnik an Abzügen, eine variable Laborlüftungsregelung, Präsenzschaltung für Licht und Lüftung, Nachtabsenkung oder der Einsatz wassersparender Armaturen. Weitere Möglichkeiten zum Energiesparen können sich auf Basis einer Prüfung des Energieverbrauchs der Laborgeräte ergeben. Zum anderen sind weitere betriebliche Maßnahmen wie z. B. die Vermeidung von Single-Use-Artikeln oder besser durchdachte Entsorgungskonzepte wirkungsvoll. Auch weniger bebaute Fläche und mehr offene Laborflächen mit besseren Nutzungsmöglichkeiten durch Raum- oder Geräte-Sharing liefern einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit im Laborbetrieb.

AUTORIN
Maike Kranz
Leiterin Laborplanung, Prokuristin
Carpus+Partner AG, Aachen
Tel.: 0241/88 75-0
[email protected]
www.carpus.de

LABO: Mit Blick auf ein Labor 4.0 sind Digitalisierung, Konnektivität und Automation die vorherrschenden Themen. Frau Kranz, wie sieht aus Ihrer Sicht als Laborplanerin das "Labor der Zukunft" aus?

Maike Kranz. © Carpus+Partner

Kranz: Eine flexible, einladende Laborarbeitsumgebung, welche den Anforderungen an die technische Weiterentwicklung der Digitalisierung gerecht wird. Dabei ist das Labor der Zukunft aber modern und nachhaltig gestaltet, lässt den Menschen ausreichend Raum und ermöglicht Ruhe. Ein Ort der Arbeit, welcher Sicherheit, Kreativität, Produktivität und Konnektivität fördert.

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