Mut zur chaotischen Lagerung
Was Labore von Lagerhäusern lernen können
Lagerhaltung: statisch vs. chaotisch
Bei der Betrachtung von Lagerkonzepten gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Philosophien: statische und chaotische Lagerhaltung.
Die statische Lagerung – der klassische Ansatz – weist jedem Gegenstand einen festen Lagerort zu. Das sorgt für Vorhersehbarkeit, dieses Konzept ist jedoch wenig anpassungsfähig und führt zu viel ungenutzter Lagerfläche. Im Gegensatz dazu basiert das chaotische (oder dynamische) System darauf, Gegenstände dort zu platzieren, wo gerade Platz ist – unterstützt durch digitale Systeme, die jederzeit den Standort zuverlässig nachverfolgen.
Herausforderung Lagerlogistik im Labor
Forschungslabore unterliegen ständigen Veränderungen, die klassische, statische Lagerung unpraktisch machen. Anders als in Lagerhäusern mit festen Produktkategorien bringen neue Projekte ständig neue Reagenzien und Materialien ins Spiel, und Teammitglieder wechseln. So geht Wissen über Lagerorte schnell verloren.
Zudem müssen Labore zeitkritische Infos pflegen – etwa Öffnungsdatum, Restmengen oder Gefrierzyklen von Proben. In herkömmlichen Systemen bleiben diese dynamischen Daten meist unsichtbar.
Eine besondere Bedeutung hat außerdem die eindeutige Kennzeichnung von Proben. In einem einzigen Gefrierschrank können tausende, äußerlich identische Röhrchen lagern – jedes einzelne mit einzigartigem und oft unersetzlichem Inhalt. Oder im Fall von Chemikalien sind es viele verschiedene, oft auch kleine Gefäße in, die alle unterschiedlich aussehen und zusammen in Sicherheitsschränken gelagert werden. Ohne ein präzises, digitales System für Kennzeichnung und Rückverfolgung könnten solche Proben und Chemikalien leicht in Vergessenheit geraten, als wären sie gar nicht im Bestand, oder werden sogar verwechselt.
Vom Lagerhauskonzept lernen
Auch wenn Labore nicht vollständig auf die chaotischen Lagerprinzipien von Lagerhäusern umstellen können, lassen sich dennoch wertvolle Ansätze übernehmen:
Effiziente Raumnutzung:
Statt feste Gefrierschränke zu reservieren, belegen dynamische Systeme freie Plätze und vermeiden Leerstand.
Digitale Nachverfolgbarkeit:
Moderne Lösungen erfassen neben Lagerort auch Metadaten zu Proben und Materialien – weit über einfache Excel-Listen hinaus.
Das richtige Gleichgewicht finden
Ein "optimales" Lagersystem für Labore vereint Elemente beider Philosophien. Sicherheitsrelevante Materialien oder Durchlaufartikel wie Handschuhe, Pipettenspitzen und andere Verbrauchsmaterialien sollten einen festen Standort behalten, während für Forschungsproben flexible Lagerung von Vorteil ist. Entscheidend ist eine digitale Infrastruktur, die die spezifischen Anforderungen des wissenschaftlichen Arbeitens abbildet.
Ein modernes Lagersystem für Labore sollte intuitiv zu benutzen sein und:
- hohe Flexibilität bei wechselnden Forschungsrichtungen ermöglichen,
- zeitabhängige Informationen wie Öffnungsdaten, Mengenverläufe und Nutzungshistorie erfassen,
- Etiketten zum eindeutigen Kennzeichnen unterschiedlicher Behältnisse liefern.
Mobile Scanning für die digitale Laborlogistik
Um die Kluft zwischen statischer und dynamischer Lagerhaltung im Labor zu überbrücken, braucht es mehr als eine reine Bestandsdatenbank. Eine mobile Anwendung spielt eine entscheidende Rolle: Sie ermöglicht nicht nur das Einscannen von Proben vor Ort – an der Gefriereinheit, im Kühlschrank oder an der Werkbank –, sondern vor allem die direkte Eingabe und Aktualisierung aller relevanten Metadaten in einer gemeinsamen Datenbank für alle Mitarbeitenden. QR-codierte Etiketten ermöglichen die schnelle Identifikation von Proben – unabhängig vom physischen Standort. Ergänzend können Fotos zur visuellen Bestätigung von Probenzustand und Lagerort dienen.
Gerade in Laborumgebungen mit wechselnden Teams, dynamischen Projekten und begrenztem Raum kann eine mobile Scan-App die notwendige Flexibilität bieten. Das unterstützt nicht nur bei der Rückverfolgung von Materialien, sondern hilft, wertvolle Proben vor Verlust und Fehlidentifikation zu schützen – und fördert gleichzeitig die Effizienz im wissenschaftlichen Alltag. Ein Beispiel für eine solche Lösung ist Fluics Connect – ein System, das speziell für den Laborbetrieb entwickelt wurde und mobile Datenerfassung, den Input für eindeutige Kennzeichnung und cloudbasierte Nachverfolgung in einer intuitiven Anwendung vereint. Dadurch wird eine dynamische, aber dennoch strukturierte Lagerorganisation möglich, die sich an die realen Anforderungen im Forschungsalltag anpasst.
AUTOR
Dr. Claudio Rolli
FLUICS GmbH, München
[email protected]
Tel.: 089/71690877
www.fluics.com












