Thesenpapier der DFG

Tierschutz in der biomedizinischen Forschung

Mit der Thematik Tierversuche in der Forschung hat sich die Ständige Senatskommission für tierexperimentelle Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingehend beschäftigt und hat ein Positions- und Thesenpapier zum Thema Tierversuche veröffentlicht.

Die Ständige Senatskommission für tierexperimentelle Forschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein ausführliches „Thesenpapier zur Sicherung leistungsfähiger biomedizinischer Forschung unter Wahrung höchster Tierschutzstandards“ veröffentlicht. Ausgehend von neun Postulaten formuliert diese Veröffentlichung Empfehlungen zur Ausgestaltung von Rahmenbedingungen, welche nach DFG-Angaben die Leistungsfähigkeit der biomedizinischen Forschung in Deutschland beziehungsweise der Europäischen Union sicherstellen und dabei höchste Anforderungen an die Qualität der Forschung und an den Tierschutz miteinander vereinbaren können. Das Papier konzentriert sich auf die Aspekte erkenntnisgeleiteter Forschung – inklusive der Lehre und des Erkenntnistransfers in die Anwendung.

Vor dem Hintergrund von Bestrebungen in Politik und Gesellschaft, einen Ausstieg aus Tierversuchen voranzutreiben, betont die Senatskommission in ihrem Papier eine Notwendigkeit der grundgesetzlich verankerten Wissenschaftsfreiheit für wissenschaftlichen Fortschritt und Innovation in der Medizin und Biomedizin. Dabei schließt Wissenschaftsfreiheit auch eine freie und vielfältige Methodenwahl ein, zu der nach strenger ethischer Abwägung, und wenn keine anderen tierfreien Methoden zur Verfügung stehen, auch Tierversuche gehören können. Das Thesenpapier stellt dabei heraus, dass Tierversuche auf absehbare Zeit unverzichtbar bleiben werden. Ein grundsätzliches Verbot von Tierversuchen gefährde den Forschungsstandort und das Innovationspotenzial Deutschlands und der EU. Es erhöht die Abhängigkeit von biomedizinischen Innovationen außereuropäischer Standorte, verringert die Fähigkeit, bei zukünftigen Herausforderungen selbstständig und souverän zu handeln, und entzieht Deutschland und der EU die Kontrolle über den Tierschutz.

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Biomedizinische Methoden und Tierschutz

Ziel des Papiers sei es zum einen, einseitige Entwicklungen aufzuzeigen, zum anderen aber auch, Rahmenbedingungen zu benennen, die geschaffen werden müssen, damit Tierschutz und qualitativ hochwertige Forschung auch zukünftig gewährleistet sind. Zu diesem Zweck richte es sich nicht nur an Forschende und Forschungseinrichtungen, sondern ebenso an alle mit Tierversuchen befassten Stakeholder, also an politische Entscheidungsträger, Ministerien und Behörden, aber auch an Medien sowie an Ärzteschaft und Pharmazie.

Zu den konkreten Empfehlungen der DFG-Senatskommission gehört, dass Tierschutzmaßnahmen immer im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Aussagekraft betrachtet werden müssen, um die gewünschte Wirkung erzielen zu können. Die Auswahl biomedizinischer Methoden und Modelle muss sich stets an der Eignung für die jeweiligen Forschungsfragen orientieren, um wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten. Die Förderung und Entwicklung tierversuchsfreier Alternativmethoden muss praxisorientiert mit Blick auf die Translation in den Forschungsalltag erfolgen. Zudem rät die DFG-Senatskommission zu einer transparenteren Kommunikation über Tierversuche durch Wissenschaft und Forschung, aber auch durch Forschungsförderer, Medien sowie durch Hersteller und Anwender von Produkten, die durch Tierversuche entstanden. Mit Blick auf die Politik appelliert das Papier an eine ressortübergreifende Zusammenarbeit, um der Verknüpfung zwischen Tierschutz und Qualität in der Forschung im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und nachfolgender legislativer und exekutiver Schritte zukünftig besser gerecht zu werden.

Mit der Veröffentlichung reagiert die DFG-Senatskommission auch auf den Umstand, dass sich die öffentliche Debatte in den letzten Jahren zunehmend auf den Ersatz von Tierversuchen fokussiert hat (Replacement). Das vorliegende Thesenpapier unterstreicht hingegen die gleichwertige Bedeutung aller Aspekte des innerhalb der Forschung bewährten 3R-Prinzips (Replacement, Reduction, Refinement). Hierbei gelte der professionelle, verantwortungsbewusste Umgang mit Versuchstieren zur Sicherstellung eines Höchstmaßes an Tierschutz und Qualität in der Forschung als zentrale Leitlinie.

„In der biomedizinischen Forschung sind Tierversuche nach wie vor von großer Bedeutung“, betonte die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, im Zuge der Veröffentlichung. „Aufgrund der besonderen Schutzwürdigkeit von Tieren, die nicht zuletzt im deutschen Grundgesetz und auch auf EU-Ebene verankert ist, stehen sie jedoch zu Recht anhaltend in der öffentlichen und politischen Diskussion. In diesem Rahmen leistet das Thesenpapier der Senatskommission einen aktuellen Beitrag zur laufenden Debatte über Tierversuche aus wissenschaftlicher Perspektive.“

Quelle: DFG

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