Das Porträt

Das Porträt

8 Fragen an Michael Kempers, Kempers & Partner

Zwei erfolgreiche Personalberater: Michael Kempers (links) und Dr. Ralf Kliem von der Kempers & Partner Personalberatung, im Hintergrund der Firmensitz „Burg Rheindorf“.


Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?
Zunächst einmal ist das natürlich der intensive Kontakt zu Menschen mit ihren vielfältigen und unterschiedlichen Persönlichkeiten. Es ist einfach spannend, immer wieder neue Kontakte zu knüpfen und neue Lebens- und Karrierestrategien kennen zu lernen. Zudem sind es Menschen, die Unternehmen, sei es als Mitarbeiter oder Arbeitgeber, erfolgreich machen. Hier anzuknüpfen und nach der größtmöglichen Passgenauigkeit zwischen Unternehmen und potenziellem neuen Mitarbeiter zu suchen, ist aufwendig – die Zufriedenheit aller Beteiligten bei erfolgreicher Positionsbesetzung ist dann aber sehr motivierend. Wir sind stolz darauf, mit der richtigen Auswahl von Fach- und Führungskräften Unternehmen helfen können, noch erfolgreicher zu werden.

Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?
Unsere Personalberatung zählt nach nur drei Jahren zu den größten 150 Personalberatern in Deutschland. Zudem sind wir in den Bereichen Life Science, Labor und Analytik Marktführer in Deutschland. Das ist ein Erfolg, auf dem wir uns nicht ausruhen, sondern der uns gezeigt hat, dass wir in der richtigen Art und Weise „unterwegs“ sind. Wir werden weiterhin unabhängig bleiben und uns keiner internationalen Organisation anschließen, obwohl Angebote dafür vorliegen. Im Januar nächsten Jahres, also 2009, stoßen 2 weitere Partner zu Kempers & Partner. Der eine wird das Geschäftsfeld Gesundheitswesen aufbauen, der andere den Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau. Wir planen, im kommenden Jahr den Umsatz um 50 % zu steigern.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?
Es ist Fakt, dass der Markt für Fach- und Führungskräfte immer schwieriger wird. Studien verschiedener Unternehmensberatungen belegen dies. Z.B. die McKinsey-Studie „Deutschland 2020“ oder diverse Veröffentlichungen jede Woche in den vdi-Nachrichten, die im Übrigen neben anderen aktuellen Trends auch auf unserer Homepage (www.k-p-p.de/news) erfasst werden. Wie die McKinsey-Studie ausführt, werden in Deutschland bis zum Jahr 2020 rund 2,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen, bei einem Wirtschaftswachstum von 1,7 %. Sollte die Bundesrepublik schneller wachsen und das Wachstum z.B. 3 % erreichen, wäre die Lücke sogar noch größer. In diesem Fall würden dem Land künftig mehr als 6 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Für uns als Personalberater bedeutet das Folgendes: Im Schnitt müssen wir mit über 100 Kandidaten sprechen, um eine Position erfolgreich zu besetzen. Unsere Herausforderung ist es, in einem schwierigen Umfeld für unsere Kunden in 8 bis 10 Wochen geeignete Kandidaten zu präsentieren. Die abnehmende Mobilität und Wechselbereitschaft der potenziellen Kandidaten macht diese Aufgabe nicht immer leicht. Eine gewisse Hartnäckigkeit und intensives brancheninternes Networking sind hier unsere Geheimwaffen.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?
Meine Stärke liegt sicherlich in meinem ausgeprägten Gespür dafür, Menschen in ihrer Persönlichkeit und ihrem Verhalten richtig einzuschätzen. Zwar setzen wir bei Kempers & Partner auch verschiedene renommierte Persönlichkeitstests ein, aber diese begleiten den Auswahlprozess lediglich. Am Ende zählt auch das Gespür, ob ein Kandidat Potenzial für bestimmte Aufgaben besitzt oder eben nicht. Dabei gilt es, nicht nur die fachliche Eignung zu untersuchen, sondern auch den „Fit“ zur Unternehmenskultur unseres Mandanten. Ein anderer Punkt ist: Um in meinem Job erfolgreich zu sein, ist eine ausgeprägte Dienstleistungsmentalität wichtig – ich denke, dass ich diese auch zu meinen Stärken zählen kann. Meine Schwäche ist meine Ungeduld, wenn Prozesse nicht schnell genug voranschreiten; wobei das letztlich natürlich auch dem Kunden wieder zugute kommt.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland? Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?
Das ist eine komplexe Angelegenheit. Um die Frage nicht zu weit greifen zu lassen, beziehe ich die Antwort auf die Labor-/Analytikbranche. Meiner Einschätzung nach wird diese Branche durch die starke Exportorientierung im Maschinen- und Anlagenbau auch auf Jahre hinaus Erfolge verzeichnen. Die globale Welt prosperiert; die Kontinente wachsen förmlich zusammen. Daher ist es gut, dass unsere deutschen mittelständischen Hersteller von Labor- und Analyseinstrumenten mittlerweile im Schnitt 70 bis 80 % des Umsatzes im Ausland generieren. Im Gegensatz dazu wird die Nachfrage im deutschen Markt in den nächsten Jahren stagnieren. Generell denke ich, dass der wirtschaftliche Erfolg sich auch durch einen moderat höheren Ölpreis nicht stoppen lassen wird. Solange unsere Maschinen und Anlagen in China, Indien, Südamerika gebraucht werden und diese Märkte weiter wachsen, sehe ich sehr positiv in die Zukunft.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?
Der Dollar muss wieder stärker werden, der Ölpreis nicht über 180 $ pro Barrel steigen. Zudem müssen sich die Finanzmärkte wieder stabilisieren. Auch ist fraglich, ob die Weltwirtschaft eine zweite Immobilien-Finanzkrise verkraften würde. Erstaunlich ist ja mittlerweile, dass nicht die Wirtschaftskraft oder der Innovationsgrad das Wachstum beeinflussen, sondern die Finanzmärkte. War 1970 das Verhältnis von produzierter Leistung zu Gesamtleistung der Volkswirtschaft noch 1:10, so liegt dieser Wert seit dem Jahr 2000 bei 1:40. Dies muss zu denken geben. Damit einher geht die Abhängigkeit von den großen Volkswirtschaften: „Wenn China anfängt zu husten, dann wackelt die Welt“, und wer kann schon vorhersagen, wann und ob China „krank wird“.

Aus welchen Technologiebereichen kommen die größten Wachstumsimpulse für die Wirtschaft?
Die Trend der Zukunft sind: ENERGIE, NAHRUNG und WASSER. Alle Wirtschaftszweige, die sich mit diesen Themenfeldern befassen, werden überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen. Die Abhängigkeit vom Öl wird in den westlichen Ländern in den nächsten 15 Jahren abnehmen, weil wir Alternativen entwickelt haben. Bio-, Lebensmittel- und damit einhergehend auch die Gen-Technologie werden in jedem Fall noch über Jahre hinaus die größten Impulse setzen. Ich schreibe den Entwicklungen auf dem Ernährungssektor eine hohe Bedeutung zu – die Sicherstellung der Ernährung für eine wachsende Weltbevölkerung ist ein Thema, mit dem sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren auseinandersetzten werden muss bzw. dies aktuell auch schon macht. Wer weiß, ob wir in zehn Jahren nicht Fleisch aus dem Labor statt vom Schwein verzehren werden. Das Problem der Wasserversorgung wird im Gegensatz zu Energie und Nahrung regional von unterschiedlicher Bedeutung sein. Hier müssen Alternativen zur Wassergewinnung und Aufbereitung gefunden werden.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?
Mein Eindruck ist zuweilen, dass viele Menschen sich durch die durch Medien und Politiker aufgebauschte und teilweise populistische Darstellung der Probleme unserer Wirtschaft zu sehr beeinflussen und leider auch negativ beeindrucken lassen. Demotivation und Desinteresse sind die Folge. Wichtiger erscheint mir, mit Konsequenz seine eigene Strategie zu verfolgen und „im Kleinen“ erfolgreich zu sein. An dem afrikanischen Sprichwort „Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, verändert sich die Welt“ ist schon was dran.

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Schwächen im Job

Abbauen oder ignorieren?

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Doch wie gehen wir mit unseren Schwächen um? Sollen wir sie ignorieren und uns auf den Ausbau unserer Stärken konzentrieren? Das kommt darauf an – meint unser Autor.

mehr...
Anzeige

Führen 4.0

12 Thesen zum Führen in digitalen Zeiten

Digitalisierung hin oder her: Auch künftig werden Führungskräfte Menschen – und keine Maschinen und Algorithmen – führen. Das sollten sich Führungskräfte immer wieder ins Bewusstsein rufen. Dann gelingt ihnen auch das Führen im digitalen Zeitalter.

mehr...

Management

Change nervt! Oder?

Change, also Veränderung, nervt viele Menschen – weil sie sich nach Stabilität sehnen. Denn diese vermittelt ihnen das Gefühl von Sicherheit. In der von Veränderung geprägten VUCA-Welt können Unternehmen ihren Mitarbeitern die gewünschte Stabilität...

mehr...