Das Porträt

Das Porträt

9 Fragen an Herrn Rechter, Skalar

>Was reizt Sie (besonders) an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Die Firma in einem sich gering bewegenden Markt immer wieder neu zu positionieren und neues Potenzial zu finden, ist eine sehr interessante Aufgabe. Durch die Variabilität der von uns vertriebenen Geräte erschließen sich immer wieder neue Branchen mit neuen Aufgabenstellungen. Sehr viel Spaß macht auch die Betreuung der langjährigen Kunden, die uns zum Teil schon seit unserer Gründung begleiten.

Die Entwicklung der Analysengeräte erfolgt in enger Zusammenarbeit mit diesen Kunden. Wir entwickeln rund um den Bedarf und gemäß den Anforderungen unserer Kunden. Besonders wichtig ist es mir hierbei, eine gute und konstante Betreuung der Kunden dauerhaft sicherzustellen.

Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?
Ein vorrangiges Ziel ist es, meine persönliche Unternehmensphilosophie noch möglichst lange in einem immer härter werdenden Wettbewerb beibehalten zu können. Hierzu gehören insbesondere meine Mitarbeiter, die ein eichtiger Faktor des konstanten Unternehmenserfolges sind und von denen viele bereits seit über 15 Jahren für mich tätig sind. Dies ist unser Kapital. Das Potenzial, das eine aufeinander eingespielte und alle Kunden kennende Mannschaft bietet, ist enorm.

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Wir wollen weiterhin viel in die Entwicklung von Analysengeräten investieren und das in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Ein Unternehmen auf diese Art und Weise zu führen, ist nur möglich, solange es eigenständig bleibt. Bei der Übernahme durch eine große Gesellschaft ist man oft nur ein kleines Rad am Wagen, das keine langfristigen Entscheidungen mehr treffen kann, sondern wo die Firmenpolitik an erster Stelle steht. Diese hat dann oft nicht das Wohl der Kunden, Mitarbeiter und das langfristige Fortbestehen des Unternehmens zum Ziel, sondern ist auf kurzfristige Gewinne ausgerichtet. Unsere Unternehmensphilosophie wird auch durch die ebenfalls in Privatbesitz befindliche Muttergesellschaft in Breda unterstützt.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?

Immer wieder neue Märkte zu erschließen und unserer Produkte an die immer wieder neuen speziellen Anforderungen anzupassen. Wir müssen sehr flexibel bleiben, denn jede Branche und manchmal auch jeder Kunde hat eine unterschiedliche Labororganisation und damit sind die Spezifikationen zur Automatisierung nicht nur im Chemischen, sondern auch in den Hard- und Softwareanforderungen sehr unterschiedlich.

Für uns gilt: Die Analysensysteme und die Software müssen sich an die Organisation der Kunden anpassen. Es gibt kein „Standardsystem“, in das die Kunden sich einfügen müssen.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?

Im Firmenumfeld ist meine größte Stärke das Mitarbeiterteam. Dieses versuche ich mit Weitsicht, Vertrauen und mit möglichst viel Entscheidungsfreiraum für alle zu führen, was am Ende unseren Kunden zu Gute kommt.

Mein Steckenpferd im Betrieb ist der Vertrieb. Als Geschäftsführer will ich den Markt und unsere Kunden kennen, da diese letztendlich entscheiden in welche Richtung ich die Firma leiten muss.

Dies ist gleichzeitig eine Stärke, aber auch Schwäche, da dadurch und durch die große Selbständigkeit meiner Mitarbeiter manchmal interne Stimmungen und damit Probleme an mir vorbeigehen. Ich bin auf die Zusammenarbeit und Offenheit meiner Mitarbeiter angewiesen.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?

Ganz bestimmt nicht so schlecht, wie sie immer dargestellt wird. Als rein Deutschland orientiertes Unternehmen ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland für uns überlebenswichtig, wenngleich SKALAR aus den Niederlanden weltweit tätig und damit stark exportabhängig ist. Da wir ein Unternehmen sind, das in Nischenbereichen arbeitet und Investitionsprodukte vertreibt, die ohne große Folgegeschäfte sind, wirkt sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen direkt auf unsere Zahlen aus.

Wir sehen in fast allen Branchen durchaus gesunde Unternehmen, egal ob wir mit Brauereien, großen Chemieunternehmen oder Privatlaboratorien zu tun haben. Mehr Probleme bereiten uns die politischen Entscheidungen in den Unternehmen, wodurch Laboratorien geschlossen oder zusammengelegt werden und dadurch sehr häufig die Ansprechpartner wechseln können.

Wenn die Probenanzahl durch die Konzentrierung der Proben auf ein Labor steigt, ist das für uns von Vorteil, da unsere Kunden größere Laboratorien mit hohem Probenaufkommen sind und nicht die kleinen Speziallaboratorien.

Interessant ist, dass es im Laufe der Jahre immer Phasen der Zusammenlegung verschiedener Bereiche gab, man später aber oft feststellen musste, dass nicht der gewünschte Effekt eintrat. So werden auch manchmal die ursprünglichen Situationen wieder hergestellt. Globalisierung ist nicht alles.

Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?

Seit 1978 arbeite ich im Vertrieb und habe deshalb zahlreiche Kontakte und viel gesehen. Als 1989…1990 Ost- und West-Deutschland zusammen geführt wurden, war das für uns eine sehr interessante Phase, da es in Ost-Deutschland einen großen Nachholbedarf gab. In dieser Zeit bin ich regelmäßig in die neuen Bundesländer gereist und habe dort viele Chemische Betriebe besucht.

Dabei fiel mir auf, dass man immens viel in die Infrastruktur würde investieren müssen und auch Chemische Betriebe komplett neu würde aufbauen müssen. Ich habe mich sehr gewundert, dass man politisch versprochen hat, dieses ohne Steuererhöhungen durchzuführen. Was Deutschland insgesamt in den vergangenen 16 Jahren geleistet hat, ist ein zweites Wirtschaftswunder. Leider höre ich das nie.

Die in den neuen Bundesländern erfolgten Investierungen müssen bezahlt werden, sie werden aber sicher Ihre Renditen bringen. Diese Erfahrungen kann man in Europa nutzen, wenn es um die Erweiterung der EU mit anderen „Ostländer“ geht, die meistens ähnliche Probleme haben.

Ich denke, dass sich die Wirtschaft positiv entwickeln wird, wenn man in Deutschland endlich erkennt, dass das, was man in den letzten Jahren geleistet hat, zwar viel gekostet hat, aber dennoch kein Wirtschaftrückgang gewesen ist.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?

Investoren, die nur die kurzfristigen Gewinne der Unternehmen, nicht aber die Kunden und schon gar nicht die Mitarbeiter der Unternehmen im Sinn haben, denn dazu müssten langfristige Planungen erfolgen, und diese bedeuten manchmal keine direkten Gewinne, sondern eine auf Kontinuität ausgelegte Firmenpolitik.

Ein großes Risiko ist es außerdem, wenn man in einem Unternehmen das verdiente Geld als Kapital sieht und nicht die Mitarbeiter und Kunden. Wenn gute Mitarbeiter, ein gutes Produkt und eine Vielzahl von Kunden vorhanden sind, dann sind Unternehmensgewinne eine automatische Folge hiervon. Gewinne sollten nicht als Ziel, aber als Folge eines gut geführten Unternehmens, welches seine Werte kennt, gesehen werden.

Wo liegen die Märkte der Zukunft?

Da sich der Vertrieb der SKALAR analytic GmbH auf den deutschen Markt beschränkt, müssen wir auch hier die Märkte der Zukunft suchen. Für uns liegen diese sowohl in der Umweltanalytik mit ihren immer schärfer werdenden Auflagen sowie in der stärkeren Automatisierung der Produktion und damit notwendigen engmaschigen Kontrolle. Da auch im Labor weiter Personal eingespart werden soll, muss die Automatisierung voranschreiten und wir werden auf diesem Wege die notwendige, immer speziell auf die Kundebedürfnisse angepasste Hardware liefern.

Unsere Zukunft liegt unter anderem auch in der Normung unserer Methoden. Für alle Methoden, die als DIN/ISO anerkannt sind, eröffnen sich neue Märkte, da in Deutschland sehr viel Wert hierauf gelegt wird.

In Zukunft wird im Labor nicht die beste, aber die genormte Analysenmethode zum Einsatz kommen. Die Methoden, die wir verwenden, sind meistens schon als „Handmethode“ genormt. Es sind bewährte und sehr gute Analysenmethoden. Wir arbeiten nun intensiv daran mit, auch möglichst viele CFA-Methoden direkt zu normen.

Gibt es sonst noch etwas was sie unseren Lesern mitteilen möchten?

Wir müssen an den Standort Deutschland glauben und diesen durch unser Handeln auch soweit wie möglich unterstützen. Eine Wirtschaft kann auch „schlecht geredet“ werden. Wir haben unsere Nische gefunden und bisher mit einer gesunden Kundenstruktur den Höhen und Tiefen am Markt trotzen können.

Ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland und auch entsprechenden langjährigen erfahrenen Mitarbeitern wie dem unseren hat natürlich auch seinen Preis. Als seriöses Unternehmen tun wir uns sehr schwer, die Rabattschlacht auf dem Markt mitzumachen. Preise so zu gestalten, dass anschließend Rabatte von bis zu 60 % möglich sind, ist immer möglich, aber aus unserer Sicht den Kunden gegenüber unseriös.

Entweder ist dann die Standardpreisliste völlig überflüssig und nur zum Rabatt geben erstellt worden oder es wird versucht, den Wettbewerb vom Markt zu verdrängen, was den Kunden sicher nicht recht sein kann. Am Ende bleibt dann nur noch ein Lieferant, der die Preise diktieren kann.

Wir versuchen eine offene und vertrauensvolle Kundenbeziehung zu erreichen. Diese zahlt sich auch aus, wie wir an den Kunden sehen, die bereits mit der zweiten Gerätegeneration arbeiten, wobei eine Lebensdauer von bis zu 15 Jahren bei unseren Geräten keine Seltenheit ist.

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