Das Protrait

Das Porträt

10 Fragen an Gerhard Juchheim, Julabo Labortechnik GmbH

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Was reizt Sie besonders an Ihrer jetzigen Tätigkeit?

In nahezu 40 Jahren erlebt man als selbständiger Unternehmer Höhen und Tiefen. Reizvoll ist, sich aus kleinsten Anfängen gegen alle Widerstände zu behaupten und sich letztendlich am Markt zu etablieren. Reizvoll ist es außerdem, mit seinen Produkten immer innovativ und erfolgreich zu sein. Im Geschäftsleben bereitet es Freude, dass das Menschliche „nicht auf der Strecke bleibt“.

Reizvoll ist weiterhin, dass man als Unternehmer Chancen nutzen kann, aber auch Risiken eingeht, die überschaubar und kalkulierbar sein sollten.

Welche Ziele haben Sie sich bzw. für Ihr Unternehmen in nächster Zeit und für die weitere Zukunft gesetzt?

Stagnation bedeutet Rückgang! Deshalb setzen meine Mitarbeiter und ich auf ein solides Wachstum, welches nicht nur als quantitative sondern auch als qualitative Weiterentwicklung zu verstehen ist. In allen Bereichen unseres Unternehmens sind wir auf dem besten Weg, die Qualifikation und Eigenverantwortung der Mitarbeiter auszubauen und zu fördern. Der positive Geist im Hause JULABO, persönliche Wertschätzung und ein freundlicher Umgang werden weiter ausgebaut.

Weitere Ziele sind selbstverständlich: Kontinuierliche Verbesserung unseres Marktauftritts, die Internet-Nutzung und der Ausbau des Produkt-Angebots.

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Was die weitere Zukunft betrifft, so ist die Nachfolgeregelung im Hause JULABO gesichert. Während mein Sohn Ralph Juchheim bereits seit 10 Jahren unser Unternehmen JULABO USA erfolgreich führt, wird mein jüngster Sohn Markus Juchheim in den nächsten Jahren die Nachfolge im Mutterunternehmen in Seelbach antreten.

Wo liegen die besonderen Herausforderungen für Sie?

Wichtig ist es, den internationalen Markt ständig zu beobachten und neue Anwendungen frühzeitig zu erkennen. Im Hause JULABO wurde schon immer „anwenderorientiert“ entwickelt. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Mit den Schwerpunkten Elektronik, mechanische Konstruktion und Kältetechnik werden wir auch künftig neue Produkte entwickeln, die den Markt begeistern werden. Dabei gilt es, die Kernkompetenz im Hause weiter auszubauen, die neuesten elektronischen Komponenten vorzusehen und verstärkt umweltfreundliche Kältemittel in unseren Maschinen einzusetzen. Der Trend in der Temperiertechnologie geht in Richtung leistungsstarke Produkte. Das bedeutet für JULABO: Ausbau der Fertigungskapazitäten und der Qualitätssicherung. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung neuer Konzepte für ein- und zweistufige Kältemaschinen und deren Fertigung im eigenen Hause. Weiterhin werden Software-Lösungen und Ferndiagnose über Internet eine stärkere Rolle spielen. Von größter Bedeutung werden Kundennähe und Kundenzufriedenheit sein. Auf diese steigenden Herausforderungen ist JULABO mit seinem weltweiten Vertriebs- und Serviceteam bestens gerüstet.

Was halten Sie für Ihre größten Stärken und Schwächen?

Ich pflege einen teamorientierten Führungsstil und habe ein gutes persönliches Verhältnis zu meinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Lediglich im Delegieren von Aufgaben tue ich mich etwas schwer, da ich diese gerne selbst erledige, wenn es sich um ein reizvolles Thema handelt. Das führt zwangsläufig zu einer für Unternehmer typisch langen Arbeitszeit, die allerdings dem Unternehmen wiederum zugute kommt.

Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Lage in Deutschland?

Leider wird in Deutschland viel „schlecht geredet“. Die wirtschaftliche Lage in unserer Branche ist nach den schwierigen Jahren 2002 und 2003 wieder besser geworden. Wir müssen mit der Tatsache leben, dass große Konzerne ihre Aktivitäten in das Ausland verlagern. Diesem Trend folgen wir zwangsläufig, aber erfreulicherweise mit unseren eigenen Auslandsniederlassungen. Dennoch sehe ich gute Chancen für die wirtschaftliche Weiterentwicklung in Deutschland. Wir können von uns Deutschen behaupten, dass wir in der Regel bezüglich der Qualifikation unserer Mitarbeiter auf allen Ebenen anderen Ländern nach wie vor voraus sind.

Wie wird sich die Wirtschaft in Deutschland entwickeln?

Wenn die politischen Voraussetzungen verbessert werden, sehe ich eine positive Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland. Zu den Voraussetzungen gehören vor allem geringere Lohnnebenkosten, so dass das Unternehmen mit einer Kostenreduzierung rechnen kann. Der Mitarbeiter andererseits sollte – beispielsweise bei gleichem Gehalt – über ein höheres Nettoeinkommen verfügen. Im Gegenzug gehe ich davon aus, dass große Unternehmen wieder verstärkt Forschung und Entwicklung in Deutschland betreiben werden, wenn bessere Voraussetzungen geschaffen worden sind.

Was sind die größten Risiken/Risikofaktoren?

Stagnation statt Wachstum, Marktindikatoren nicht frühzeitig entdecken, Aktivitäten des Wettbewerbs nicht frühzeitig erkennen. Das sind aus meiner Sicht die größten Risikofaktoren. Die Risiken im Allgemeinen sehe ich bei unvorhersehbaren Einbrüchen von Märkten oder Branchen. Hier gilt: Schnell und flexibel reagieren!

Aus welchen Technologiebereichen kommen die größten Wachstumsimpulse für die Wirtschaft?

Wachstumsimpulse sehe ich im Bereich Umwelttechnologien. Bei unserem anstehenden Neubau für die Erweiterung der Fertigung, mit dem JULABO eine bebaute Fläche von 10000 m² erreichen wird, werden wir Erdwärme/Erdkühle erstmals einsetzen, um Energiekosten zu sparen. Weiterhin wird kostbares Leitungswasser immer weniger für Kühlzwecke eingesetzt werden. In unserem Bereich sehe ich gute Chancen für die Produktgruppe Umlaufkühler zur Abführung von Prozesswärme in Labor und Industrie.

Wo liegen die Märkte der Zukunft?

Seit geraumer Zeit ist China der Wachstumsmarkt Nr. 1, dicht gefolgt von Indien, aber auch Mittel- und Osteuropa können ein ständiges Wachstum aufweisen. Auf niedrigerem Niveau sehe ich auch eine positive Weiterentwicklung in Lateinamerika.

Gibt es sonst noch etwas, was Sie unseren Lesern mitteilen möchten?

Es ist schon während dieses Interviews angeklungen: Wir Deutschen sollten positiver denken. Wir müssen uns den globalen Herausforderungen stellen und das Anspruchsdenken etwas „zurückschrauben“. Wir haben immer noch einen hohen Lebensstandard und werden darum beneidet.

Fazit: Wir sollten vertrauensvoll in die Zukunft blicken!

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