FSME kommt immer häufiger vor
Zecken kennen keinen Winter mehr
Die Zecke war einmal ein kalkulierbares Ärgernis. Sie kam im Frühjahr, blieb über den Sommer und verschwand mit dem ersten Frost. Heute hält sie sich nicht mehr an Jahreszeiten. Sie ist im Winter aktiv, sie breitet sich in kühlere Regionen aus, sie erreicht höhere Lagen – und sie trägt ein Virus in sich, das für immer mehr Menschen gefährlich wird.
Noch nie so viele FSME-Erkrankungen in Deutschland
Die Zahl der FSME-Erkrankungen in Deutschland hat im Jahr 2025 wohl einen neuen Höchststand erreicht. Darauf weisen aktuelle Auswertungen von Fachleuten der Universität Hohenheim im Rahmen des 8. Süddeutschen Zeckenkongresse hin. Grundlage ihrer Einschätzung sind Daten aus 25 Jahren FSME-Statistik sowie aktuelle Beobachtungen zur Verbreitung von Zecken und des Virus.
Die Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt und der Virologe Prof. Dr. Gerhard Dobler warnten vor einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet und die offenbar an Dynamik gewinnt.
„Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 im vergangenen Jahr übertroffen haben werden“, berichtet Prof. Dr Gerhard Dobler. Der Mikrobiologe leitet Deutschlands nationales Konsiliarlabor für FSME und beobachtet die Entwicklung seit Jahren.
„Aktuell haben wir 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025. Hinzu kommen noch 100 Verdachtsfälle, die gerade geprüft werden. Im Jahr 2024 gab es 695 gesicherte Erkrankungen – und das galt damals schon als eines der Rekordjahre.“
Besonders betroffen sind weiterhin Baden-Württemberg und Bayern. Dort werden rund 80 Prozent aller Erkrankungen gemeldet. Doch die Entwicklung beschränkt sich längst nicht mehr auf klassische Risikogebiete. Ein steigender Trend sei inzwischen in allen Bundesländern erkennbar.
Früher verliefen die Fallzahlen in Wellen. Auf Jahre mit besonders vielen Erkrankungen folgten schwächere Jahre. Dieses Muster scheint verschwunden zu sein.
„Seit 2016 gibt es nur noch Jahre mit hohen Fallzahlen von 400 bis 500 Krankheitsmeldungen“, so Mackenstedt.
Zecken kennen keinen Winter mehr
Ein Grund dafür ist nach Einschätzung der Forschenden der Klimawandel. Mildere Winter verlängern die Aktivitätsphase der Zecken und erhöhen ihre Überlebenschancen.
„Die wärmeren Temperaturen lassen Zecken in kühlere Regionen im Norden und im Gebirge vordrängen. In manchen Jahren sind sie selbst im Winter aktiv. Vor allem aber überleben viel mehr Zecken die wenigen Frosttage, so dass wir bereits im Frühjahr einen ersten Peak an FSME-Meldungen haben“, erläutert Parasitologin weiter.
Besonders alarmierend ist jedoch ein anderer Befund: Das Risiko steigt vor allem für jene, die nicht geschützt sind.
„Vor FSME geschützt sind nur Personen mit Antikörpern im Blut, also diejenigen, die sich impfen ließen oder schon mal eine FSME-Infektion durchgemacht haben, die ggf. auch nicht zum Ausbruch der Krankheit geführt haben muss“, erklärt Prof. Dr. Dobler.
Wie paradox die Lage inzwischen geworden ist, zeigt ein Blick nach Passau.
„Dort lassen sich bei 80 % der Bevölkerung Antikörper gegen FSME nachweisen. Das heißt, wir haben nur noch 20 %, die nicht geschützt sind, und trotzdem steigen die Erkrankungszahlen weiter an.“
Erst grippeähnliche, dann neurologische Symptome
FSME beginnt meist mit grippeähnlichen Symptomen. Bei einem Teil der Betroffenen folgt eine zweite Krankheitsphase mit Beteiligung des zentralen Nervensystems. Dann können Lähmungen, Koordinations- und Sprachstörungen oder epileptische Anfälle auftreten. Rund ein Prozent der Erkrankungen verläuft tödlich.
Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Therapien können nur Symptome lindern. Der wirksamste Schutz bleibt daher die Impfung und ihre regelmäßige Auffrischung.
Quelle: Universität Hohenheim










