Verbundprojekt „Graphene Flagship“

Das Wundermaterial Graphen weiterentwickeln

Graphen gilt als „Wundermaterial" des 21. Jahrhunderts: Nur eine Kohlenstoffatomlage dick, dennoch leitfähig, zweihundertmal härter als Stahl, aber sechsmal so leicht. Außerdem ist es reißfest, aber biegsam und umweltverträglich zugleich. Graphen hat ein großes technologisches Potenzial, das von 2013-2023 im Rahmen des größten europäischen Verbundprojekts „Graphene Flagship“ untersucht wird.

Der neue Jenaer Physikochemiker Prof. Dr. Andrey Turchanin. (Foto: Jan-Peter Kasper / FSU)

Daran wirkt auch Prof. Dr. Andrey Turchanin von der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit. Denn Graphen gehört zu den Forschungsschwerpunkten des neuen Professors für Physikalische Chemie. „Für die Anwendungen ist es wichtig, Graphen großflächig und mit maßgeschneiderten Eigenschaften herstellen zu können“, sagt Turchanin. Und das beherrscht der Materialforscher, hat er doch u. a. im Rahmen seiner Habilitation ein flexibles Verfahren für das Herstellen von Graphen aus organischen Monolagen entwickelt.

Doch Prof. Turchanin interessiert noch vieles mehr: neue zweidimensionale Materialien und ihre Hybridsysteme für Anwendungen in Nanobiotechnologie, Nanoelektronik, Sensorik und Energiespeicherung. Eine Vielzahl experimenteller Methoden gehört zu seiner Expertise. Es ist eine außergewöhnliche fachliche Breite, die den Wissenschaftler auszeichnet.

Nach dem Abitur auf einer naturwissenschaftlichen Spezialschule in der Ukraine wechselte er an eine der führenden Universitäten Russlands, wo er Physik und Materialwissenschaft studierte. Er wurde in Moskau über „thermodynamische Eigenschaften metallischer Gläser“ promoviert.

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Danach bewegte ihn wissenschaftliche Neugier zu einem Wechsel an die Universität Karlsruhe, wo er als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung die „Benetzungseigenschaften in Legierungen“ erforschte. Dafür lernte er Deutsch und empfand die Sprache als „die wichtigste Grundlage für Integration“. Turchanin schätzt Deutschland als ein Land der Wissenschaft, „wo die Universitäten allgemein ein hohes Niveau haben, nicht nur die mit großen Namen“.

2004 wechselte er nach Bielefeld und begann mit seiner Forschung im Bereich der organischen Dünnschichten. Immer neue Perspektiven auf seine Forschungsarbeit und keine Einschränkungen auf ein zu enges Profil seien ihm wichtig, betont der 43-Jährige. „Ich bin seit meinem Studium immer an einer interdisziplinären Forschung interessiert. Deshalb habe ich mich nie nur auf eine Fachrichtung beschränkt. Als Wissenschaftler strebt man immer nach neuen Erkenntnissen.“

Auch deshalb folgte der Naturwissenschaftler dem Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität. „Die Jenaer Expertise in Optik und Biowissenschaften bietet ein sehr attraktives Umfeld für meine Forschung“, sagt Turchanin und ergänzt: „Jena ist vergleichbar mit Cambridge und Oxford, wo traditionelle Universitäten von außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Hightech-Firmen umgeben sind.“ Dieses starke Umfeld will er für den Aufbau seiner Arbeitsgruppe „Angewandte Physikalische Chemie & Molekulare Nanotechnologie“ gewinnbringend nutzen. Von der Methoden- und Themenvielfalt des Neu-Jenaers soll ab diesem Sommersemester auch die Lehre profitieren. In forschungsorientierten Lehrveranstaltungen möchte Turchanin Grundlagen wie Spezialthemen gleichermaßen vermitteln – und das weit über das Wundermaterial Graphen hinaus.

Kontakt:
Prof. Dr. Andrey Turchanin
Institut für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lessingsstraße 10, 07743 Jena
E-Mail: andrey.turchanin@uni-jena.de

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