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Editorial

Von einem neuen Jahreshoch zum anderen…

steigen – liebe LABO-Leser – hoffentlich nicht nur die Temperaturen noch in nächster Zeit, sondern leider auch die Rohöl- und fast zwangsläufig damit verbunden die Heizöl- sowie Benzinpreise (Diesel inklusive). Dass etliche Autofahrer, wie ich beim Pendeln täglich auf der vierspurig ausgebauten A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt erlebe, dennoch weiterhin mit „Bleifuß“ fahren, ist da schon etwas verwunderlich, um es höflich auszudrücken. Denn Öl gibt es nicht mehr mehr, sondern immer weniger. Manche Experten glauben nämlich, dass wir den Zenit bei der Förderleistung schon überschritten haben. Andere sind optimistischer und meinen, das Maximum erst in einigen Jahren zu erreichen. Unstrittig aber ist: Die Erdölquellen werden in nicht allzu ferner Zukunft versiegen. Unsere Enkelkinder dürften es vermutlich nur noch in Schaugläsern von Naturkundemuseen „finden“.

Nicht alles davon wird bekanntlich in Autos und Öfen „verheizt“. Erdöl ist auch der Grundstoff und das Lebenselixier der sogenannten Petrochemie, der wir einen großen Teil unseres Lebensstandards verdanken. Als Beispiele seien nur Pharmaka, Kunststoffe, Pflanzenschutzmittel, Kosmetika und sozusagen als „Nebenprodukte“ die Kraftstoffe genannt. Schon lange sucht daher die Chemische Industrie – insbesondere die deutsche – nach Alternativen bzw. neuen Technologien für die Nach-Erdöl-Ära und „Ersatzstoffen“. Und so ist die „weiße“ Biotechnologie, auch „industrielle“ genannt, schwer auf dem Vormarsch, die hauptsächlich auf nachwachsenden Rohstoffen basiert. Mittels Mikroorganismen und Enzymen werden daraus schon jetzt unter anderem Vitamine, Aminosäuren, Pharmavorstufen und Waschmittelenzyme umweltschonender als mit herkömmlichen chemischen Methoden produziert. Neuere optimistische Prognosen prophezeien, dass bis zum Jahr 2010 schon etwa 10 bis sogar 20 % der Chemieprodukte aus der „Weißen“ stammen könnten. Derzeit sollen es etwa 5 % sein.

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Biotechnologische Verfahren haben gegenüber konventionellen chemischen noch mehr Vorteile als nur die Nicht-Öl-Abhängigkeit: Mikroorganismen und Enzyme arbeiten sehr effektiv und selektiv. Es entstehen daher weniger Neben- und Abfallprodukte. Die Verwendung organischer Lösungsmittel und deren Aufarbeitung bzw. Entsorgung werden minimiert. Und sie laufen meist unter „milden“, weil physiologischen Bedingungen (gemäßigte Temperaturen, Normaldruck etc.) ab, was deutlich weniger Energie kostet. Energieeinsparung ist ohnehin schon aus Eigeninteresse ein großes Thema in der Chemischen Industrie und das nicht erst seit den davongaloppierenden Preisen in diesem Jahr. Obwohl sich die Chemieproduktion in Deutschland von 1990 bis 2005 um 38 % erhöhte, konnte der Gesamtenergieverbrauch im gleichen Zeitraum um gut ein Viertel gesenkt werden!

Ressourcen und die Umwelt schonen und dabei noch Energie einsparen – man muss kein Prophet sein, um zu sagen: Der „weißen“ Biotechnologie stehen „rosige“ Zeiten bevor!

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