Interview

Tobias A. Thiele


Nach seinem Studium der Wirtschaftsingenieurwissenschaften hat Tobias A. Thiele unterschiedliche Funktionen innerhalb der DURAN Group GmbH, Europas führendem Hersteller von Laborglas, begleitet. Als Produktmanager erwarb er die nötigen Produkt- und Anwendungskenntnisse für Laborgläser. Die relevanten Märkte und Kunden weltweit lernte er in seiner Funktion als Vertriebsleiter kennen. Seit 2001 ist er für Marketing und Innovationsmanagement der DURAN Group weltweit verantwortlich.

Tobias A. Thiele

LABO: 120 Jahre DURAN Laborglas - was war und ist das Erfolgsrezept?

Thiele: Im Fall der Erfolgsgeschichte der DURAN Group sprechen wir im wahrsten Sinne des Wortes von einem Rezept. Dem Rezept - oder genauer gesagt - der Rezeptur unseres Spezialglases DURAN. Otto Schott war es bereits vor 120 Jahren gelungen ein Glas für anspruchsvolle Arbeiten in chemischen Laboratorien zu entwickeln, das bis zum heutigen Zeitpunkt den unerreichten Qualitätsstandard setzt. Am Werkstoff selbst mussten wir bisher am wenigsten optimieren. Unsere Energie setzen wir seit drei Generationen in die Optimierung der Schmelz- und Verarbeitungsprozesse, in die Umsetzung von innovativen Produkten und Systemen, in die Sicherung unserer Produkt- und Lieferqualität und in die Pflege unserer Kundenbeziehungen weltweit. Darüber hinaus haben wir uns vom Glasspezialisten zum Logistikspezialisten entwickelt. Mit einer Lagerkapazität von mehr als 25000 Palettenplätzen in unserem Werk in Mainz haben wir uns zu einem wichtigen Logistikpartner für den Laborfachhandel weltweit entwickelt.

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LABO: Wo liegen die Märkte heute und in Zukunft?

Thiele: Wir sind davon überzeugt, dass es nicht den Laboranten, die Anwendung im Labor und ergo nicht den Laborglasmarkt gibt. Und dies macht unsere Aufgabe jeden Tag aufs Neue herausfordernd und spannend. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass es den engen Kontakt zum Anwender geben muss, um zu verstehen, wie sich Märkte, Anwendungen und Prozesse ändern. Hier partizipiert die DURAN Group am Wachstum von Industrien, wie beispielsweise der pharmazeutischen Industrie, in der die DURAN PURE Flaschenlinie für die Abfüllung, den Transport und die Lagerung von Impfstoffen zum Einsatz kommt. In der biotechnischen Industrie, ebenfalls ein Wachstumsgebiet, werden Kulturen und Nährmedien in unseren modifizierten Schikanekolben gezüchtet.

Unsere Entwickler beschäftigen sich darüber hinaus mit der Fragestellung wie das Labor der Zukunft aussieht. Welche Analysen werden benötigt? Welche Probenmengen reichen aus? Wie wird gereinigt, sterilisiert und getrocknet? Welche Werkstoffe und Geometrien kommen zum Einsatz? Wie sehen die Hauptprozesse im Labor der Zukunft aus? Auch wenn wir hiervon nur grobe Vorstellungen haben, wissen wir, dass Themen wie Automatisierung, Miniaturisierung, Sicherheitsbewusstsein, fälschungssichere Beschriftung und Dokumentation, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz eine große Rolle spielen werden. Diese Erkenntnisse lassen wir schon heute in unsere Produktentwicklungen einfließen. Außerdem bilden wir starke Partnerschaften mit anderen Herstellern komplementärer Produkte. Immer mit dem Ziel, mehr für den Kunden anbieten zu können. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Firma Miele Professional zum Beispiel haben wir Labgorglas-Reinigungs-Know-how aufgebaut. Auch dies fließt beim Planen neuer Produkte und Geometrien direkt in den Konstruktionsprozess mit ein.

LABO: Wie sehen Sie die Aussichten für unsere Branche 2013 in diesen wirtschaftlich sehr unruhigen Zeiten?

Thiele: Die Rahmenbedingungen für uns und unsere Kunden ändern sich kontinuierlich. Dementsprechend gehören genaue Vorhersagen und Planungssicherheit der Vergangenheit an. Gut beraten ist der, der ein hohes Qualitätsniveau, verlässliche Prozesse, zukunftsfähige Produkte, ein glaubwürdiges Markenversprechen und eine enge Beziehung zu seinen Kunden hat. Letztlich geht es doch darum, das Arbeiten im Labor noch sicherer, genauer, einfacher und angenehmer zu machen. Und daran arbeiten wir.

LABO: Was wollen Sie mit Ihrer Aktion 120 Jahre Laborglas bewirken?

Thiele: Erinnern Sie sich noch an die Werbekampagne für den VW Käfer? "Er läuft...und läuft...und läuft...". Ein enger Wegbegleiter, der zuverlässig, wie ein Freund, die von ihm erwarteten Aufgaben meistert. Ohne großes Lob. Ohne große Aufmerksamkeit. Ähnliches gilt für unser DURAN Laborglas, das täglich millionenfach in den Laboratorien dieser Welt härtesten Bedingungen ausgesetzt wird. Es ist da und funktioniert. Absolut verlässlich. Mit einer langen Lebensdauer. Und genau daran wollen wir mit unserer Aktion erinnern: Qualität zahlt sich aus - auch bei Laborglas. Schauen Sie sich in Ihrem Labor um und stellen Sie fest, wie lange Ihr Laborglas Sie schon bei Ihrer Arbeit begleitet und funktioniert. Ich wette, wir finden ein paar "60-Jährige".

120 Jahre Laborglas - Meilensteine

1887: Otto Schott erfindet das Borosilikatglas
Otto Schott schuf die Grundlagen der modernen Glaswissenschaft und Glastechnologie. Neben der Entwicklung verbesserter optischer Gläser konzentrierte er sich auf das Erschmelzen neuer technischer Gläser. 1887 machte er eine revolutionäre Erfindung: Er schmolz ein Glas mit hoher chemischer Resistenz und Temperaturwechselbeständigkeit. Das Borosilikatglas erlaubte nun Anwendungen, die bis dato unmöglich waren.

1893: Markteinführung von Laborgläsern aus Borosilikatglas

1893 brachte Otto Schott erstmalig Laborgläser aus Borosilkatglas auf den Markt. Diese waren nicht nur besonders hitze- und temperaturwechselbeständig, sondern auch chemisch sehr resistent. Die Produktpalette, die anfangs nur aus "Kochbechern" und "Kochflaschen nach Erlenmeyer" bestand, wurde rasch um Reagenz- und Aufbewahrungsbehälter erweitert.

1897: Erste Preisliste mit Produktzeichnungen
Auch die Vermarktung war fortschrittlich: 1897 war bereits die erste Preisliste für Borosilikatgläser mit Produktzeichnungen am Markt. Einige der abgebildeten Artikel sind noch heute in Gebrauch.

1900: Glaswerk Schott & Gen. ist um 1900 ein industrieller Großbetrieb
Die Erfindung des Borosilikatglases war Initialzündung für die Entwicklung vom Glastechnischen Laboratorium zum industriellen Großbetrieb. 1909 zum 25. Firmenjubiläum arbeiteten bereits über 1000 Mitarbeiter am Standort.

1938: Anmeldung der Marke DURAN®
Die Marke DURAN® wurde 1938 beim Reichspatentamt angemeldet.

1955: Weltweit erste Automatenfertigung von Laborglas in Mainz
Nach dem 2. Weltkrieg musste der bisherige Standort Jena gezwungenermaßen aufgegeben werden. Der neue Standort im Westen sollte eine Universitätsstadt sein und optimale Verkehrsanbindung zu Lande und zu Wasser haben. Die Wahl fiel auf Mainz. 1955 wurde in Mainz zum ersten Mal weltweit Laborglas automatisiert hergestellt.

2006: DURAN Group
Nach der Ausgründung aus der SCHOTT AG Bündelung der Kompetenzen und der Standorte Mainz, Wertheim, Pula unter dem Dach der DURAN Group.

DURAN Group feiert 120 Jahre Laborglas - Jubiläumsaktion

Seine Erfindung revolutionierte die moderne Chemie: Otto Schott, der Begründer der modernen Glastechnologie und zugleich Gründer der heutigen SCHOTT AG, entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts ein Laborglas aus Borosilikatglas, einer vollkommen neuen technischen Glasart. 1893 wurde dieses erste chemisch resistente, hitze- und temperaturwechselbeständige Spezialglas auf dem Markt eingeführt und 1938 unter dem Markennamen DURAN angemeldet. In den vergangenen 120 Jahren schrieb DURAN Laborglas Technikgeschichte und ist bis heute ein weltweit eingesetztes Standardglas in Laboratorien, im Industrie- und Haushaltsbereich.

2013 feiert die DURAN Group das Jubiläum "ihres" Laborglases im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) mit einer Aktion in der Laborglasbranche. Kreative Idee: In Form einer Stellenanzeige wird ein Labormitarbeiter mit 120 Jahren Erfahrung gesucht. DURAN Anwender sind aufgefordert, ihr ältestes Laborglas zu fotografieren und online in die Jubiläums-Galerie unter http://www.duran-group.com/120jahre zu laden.

Die Aktion läuft bis zum 30. April 2013. Kommuniziert wird sie über On- und Offline-Maßnahmen im B2B-Laborbereich, darunter Anzeigen, eine mobile Seite mit einem QR-Code sowie ein Banner. Unter allen Teilnehmern werden zwei Apple iPad3 verlost.

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