Editorial

Von Giften umzingelt

Gifte passen thematisch zwar nicht zur Weihnachtszeit, aber darauf nehmen sie nun mal keine Rücksicht. Schon die Herbstspaziergänge wurden vielen Wanderfreunden mit einer Meldung von Greenpeace verdorben, dass in ihren Outdoor-Jacken gesundheitsgefährdende Stoffe stecken könnten. Damit diese nämlich wasser- und schmutzabweisend sind, werden sie mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) sowie hormonell wirksamen Weichmachern imprägniert, die zum Teil in der EU verboten sind – nicht aber in den Ländern, wo die meisten davon produziert werden. Die eigentliche Gefahr geht aber nicht vom Tragen der betroffenen Jacken aus (man isst sie ja schließlich selbst im Notfall nicht), sondern davon, dass diese Verbindungen nach dem Waschen in die Kläranlagen und zusammen mit ihren Abbauprodukten in die Umwelt gelangen und sich so in der Natur als auch in Lebewesen anreichern und letztere auch schädigen können.

Kaum hatte sich die Aufregung über die „Giftjacken“ etwas gelegt, meldete die Stiftung Warentest den Fund von aromatischen Mineralölprodukten in der Schokolade von Adventskalendern – sozusagen Türchen für Türchen eine Portion Gift für Kinder. Denn ein Teil dieser Verbindungen steht im Verdacht, Krebs auslösend zu sein. Die Ursache war gleich ausgemacht: Viele Kalender werden nämlich aus recyceltem Altpapier hergestellt, das vorher mit Farben bedruckt war, und außerdem mit mineralölhaltigen Druckfarben „frisch angestrichen“. Schokolade wiederum ist bekanntlich sehr fetthaltig und im Fett können sich die lipophilen Mineralölbestandteile naturgemäß gut „lösen“, also besser anreichern als in fettarmen Nahrungsmitteln wie Reis und Nudeln. Außerdem werden viele Kalender schon Monate vor der Adventszeit produziert, haben also genügend Zeit zum „Ausdünsten“.

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Grenzwerte für Mineralöl in Lebensmitteln wurden aber in der EU bisher noch nicht festgelegt, da es keine Studien gibt, um abschätzen zu können, wie hoch die Gefährdung für Menschen ist. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz reagierte aber sofort nach dem Bekanntwerden der „Mineralölschokolade“ mit der Ankündigung von gesetzlichen Regelungen. In einer sogenannten Mineralölverordnung soll festgelegt werden, welche Höchstmengen an Mineralölen aus Lebensmittelverpackungen auf Nahrungsmittel übergehen dürfen.

Bis dahin trösten wir uns mit dem bekannten Spruch vom alten Paracelsus , der schon vor und 500 Jahren schrieb "Dosis facit venenum" (auf gut Deutsch "Die Dosis macht das Gift") und lassen uns unsere Feiertage und den Appetit auf den vermutlich ebenfalls ungesunden Gänsebraten nicht verderben! Frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihnen im Namen des gesamten LABO-Teams, Dr. Hans-Jürgen Hundrieser, Chefredakteur LABO

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