Lebensmittelsicherheit
Biofilme verbessern das Überleben von Listerien
Die Listeriose ist eine seltene, aber gefährliche bakterielle Erkrankung. Ursache dieser Krankheit sind durch Listerien verunreinigte Lebensmittel. Listerien sind weit verbreitet und kommen auch häufig in lebensmittelverarbeitenden Betrieben vor, wo Nahrungsmittel kontaminiert werden können. Forschende gewannen in ihren Untersuchungen Erkenntnisse zur Auswirkung von Biofilmen.
Eine aktuelle Studie unter Leitung des COMET-Zentrums FFoQSI (Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety and Innovation; gefördert durch BMK, BMDW und den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich und Wien) und der Vetmeduni zeigt nun, dass Listeria (L.) monocytogenes bestehende Biofilme besiedeln kann. Aber nicht nur das, L. monocytogenes versteckt sich und überlebt auch in Biofilmen.
Mikroorganismen in der natürlichen und vom Menschen gemachten Umwelt leben überwiegend in Gemeinschaften, die durch eine selbstproduzierte Matrix aus extrazellulären polymeren Substanzen (EPS) geschützt sind. Innerhalb dieser sogenannten Biofilme zeigen die mikrobiellen Zellen veränderte Phänotypen und Genexpressionsmuster. Darüber hinaus dient die selbst produzierte gemeinsame Matrix als Schutzschild, Nährstoffquelle und bietet Raum für den genetischen Austausch.
Langfristige Überlebensfähigkeit durch Biofilm
L. monocytogenes können über einen längeren Zeitraum in der Umgebung der Lebensmittelproduktion überleben. Hier bieten Biofilme möglicherweise eine Nische für langfristiges Überleben, da Biofilme diese Bakterien vor Umweltschwankungen und Desinfektionsmitteln schützen können, wie Eva Voglauer vom FFoQSI (Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety and Innovation), die Erstautorin der Studie, erklärt: "Unsere Daten deuten darauf hin, dass sich L. monocytogenes in Multispezies-Biofilmen ansiedeln kann, was die Überlebensfähigkeit gegenüber Reinigung und Desinfektion in lebensmittelverarbeitenden Betrieben erhöhen und die Persistenz unterstützen könnte."
Demnach wird die bakterielle Zusammensetzung und Matrixkomposition der Biofilme durch die Anwesenheit von L. monocytogenes nicht signifikant beeinflusst, das heißt, Listerien verstecken sich unbemerkt im Biofilm. Die Genexpressionsstudie zeigte laut Studien-Letztautorin Kathrin Kober-Rychli (Zentrum für Lebensmittelwissenschaften und Öffentliches Veterinärwesen/Vetmeduni) weiterhin, "… dass L. monocytogenes ein spezifisches Set an Genen benötigt, um sich in Biofilmen anzusiedeln."
Analyse von Listerien in einem Biofilm aus der Fleischverarbeitung
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Verhalten eines Isolats von L. monocytogenes in einem Multispezies-Biofilm. Dieser setzte sich aus Pseudomonas fragi, Brochothrix thermosphacta und Carnobacterium maltaromaticum zusammen. Diese Isolate wurden aus einem Biofilm eines Fleischverarbeitungsbetriebes entnommen. Analysiert wurden die Zusammensetzung der Biofilmgemeinschaft und der Matrix sowie die Transkriptionsaktivität. "L. monocytogenes besiedelte den Multispezies-Biofilm und machte nach sechs Stunden 6,4 % aller Bio- filmzellen aus. Die transkriptomische Analyse ergab, dass 127 Gene von L. monocytogenes im Vergleich zum Inokulum signifikant hochreguliert waren, darunter Gene, die mit Motilität, Chemotaxis, Eisen- und Proteintransport zusammenhängen", so die Ergebnisse der Forschenden.
Listeriose bei Mensch und Tier
Listerien finden sich auch in gekühlten, vakuumverpackten Lebensmitteln – und können sich unter diesen widrigen Umständen sogar vermehren. Grund sind zwei Fähigkeiten, die Listerien auszeichnen: Einerseits sind sie kältetolerant und andererseits können sie von einem aeroben in einen anaeroben Zustand wechseln. Darüber hinaus sind Listerien sehr säureresistent und auch gegenüber hohen Salzkonzentrationen unempfindlich. Vermutlich nicht zuletzt aufgrund dieser Eigenschaften sind sie in der Natur fast überall zu finden. Aufgrund hoher hygienischer Standards und dem Durcherhitzen von vielen gefährdeten Produkten ist die Zahl der Erkrankungen an einer Listeriose gering. In Österreich wurden im Jahr 2023 von der Nationalen Referenzzentrale (NRZ) 37 Fälle einer invasiven Listeriose beim Menschen gemeldet. Dabei handelt es sich um schwere Verläufe, die fast ausschließlich Kleinkinder und Menschen mit geschwächter Immunabwehr betreffen und auch zum Tod führen können. In aller Regel wird der Erreger über die Nahrung aufgenommen. Betroffen sind neben dem Menschen auch andere Säugetiere, insbesondere Wiederkäuer, in seltenen Fällen jedoch auch Vögel und sogar Fische und Krebse.
Publikation:
Eva M. Voglauer, Lauren V. Alteio, Nadja Pracser, Sarah Thalguter, Narciso M. Quijada, Martin Wagner, Kathrin Rychli: Listeria monocytogenes colonises established multispecies biofilms and resides within them without altering biofilm composition or gene expression, Microbiological Research, Volume 292, 2025, https://doi.org/10.1016/j.micres.2024.127997
Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien










