Molekularbiologisches ChronometerSekunden entscheiden über Immuntoleranz
Unser Immunsystem muss zwischen Selbst und Fremd unterscheiden, um Infektionen bekämpfen zu können, ohne gleichzeitig auch die körpereigenen Zellen zu schädigen. Das Immunsystem verhält sich gegenüber den Körperzellen loyal, doch wie dies geschieht, ist nicht vollständig verstanden.
Eine molekulare Uhr bestimmt die Loyalität jeder sich entwickelnden T-Zelle:
A: Bindet eine sich entwickelnde T-Zelle für eine kurze Zeit (unter vier Sekunden) an ein körpereigenes Molekül, ist die Zelle gegenüber dem Körper loyal und wird zu einer T-Zelle reifen, die Krankheitserreger bekämpft.
B: Bindet die Zelle für eine längere Zeit (über vier Sekunden) an ein körpereigenes Molekül, wird der Zelltod ausgelöst. Auf diese Weise werden aggressive autoimmune T-Zellen aus dem Immunsystem eliminiert.
Ein funktionierendes Immunsystem verhält sich gegenüber dem körpereigenen Gewebe tolerant. Zeigen Immunzellen während ihrer Reifung eine starke Reaktion gegen köpereigene Substanzen, werden sie sofort angegriffen und eliminiert. Wie dies geschieht, ist ein fundamentales Thema der Immunologieforschung. Überleben intolerante T-Zellen irrtümlicherweise die Selektion, kann das zu einer Autoimmunkrankheit wie multipler Sklerose, Diabetes oder rheumatoider Arthritis führen.

