Domo-Chef:

Melanie Steinbeck,

Chemie braucht stärkeren politischen Fokus

Die Domo-Gruppe in Leuna kämpft weiterhin mit hohen Energiepreisen – und setzt große Hoffnungen auf die neue Bundesregierung.

Vedran Kujundzic, Chief Commercial Officer (CCO) Domo Chemicals, spricht über den turnusmäßigen Turnaround. Am Standort produzieren gut 550 Mitarbeiter die Zwischenprodukte Cumol, Phenol, Aceton, Cyclohexanon, Caprolactam und Ammoniumsulfat bis hin zu Polyamid 6. Für die kommenden drei Wochen ist die Produktion für Wartungs-, Reinigungs-, und Umbauarbeiten planmäßig gestoppt. Dabei arbeiten zusätzlich etwa 50 Fremdfirmen mit weiteren 600 Mitarbeitern an der Anlage. © Jan Woitas/dpa

Nach dem Regierungswechsel in Berlin setzt das Chemiewerk Domo in Leuna große Hoffnungen auf die neue Bundesregierung. «Wir würden uns schon erhoffen, dass der Fokus stärker auf die Chemie gelegt wird», sagte der Vertriebschef des belgischen Unternehmens, Vedran Kujundzic. Die Branche sei mit rund 400.000 Arbeitsplätzen in Deutschland eine zentrale Säule der Industrie und stehe am Anfang vieler Wertschöpfungsketten.

Ein Kran steht während des turnusmäßigen Turnarounds an Kolonnen. Am Standort produzieren gut 550 Mitarbeiter die Zwischenprodukte Cumol, Phenol, Aceton, Cyclohexanon, Caprolactam und Ammoniumsulfat bis hin zu Polyamid 6. Für die kommenden drei Wochen ist die Produktion für Wartungs-, Reinigungs-, und Umbauarbeiten planmäßig gestoppt. Dabei arbeiten zusätzlich etwa 50 Fremdfirmen mit weiteren 600 Mitarbeitern an der Anlage. © Jan Woitas/dpa

Kujundzic kritisierte die im internationalen Vergleich weiterhin hohen Energiekosten in Europa. Die Preise für Erdgas lägen angesichts des Krieges in der Ukraine aktuell vier- bis fünfmal höher im Vergleich zum US-amerikanischen Markt - und damit deutlich über dem Niveau anderer Weltregionen. Er forderte «einen gesunden Mix» an Energiequellen, der auch Importe aus Russland nicht grundsätzlich ausschließe - solange geopolitische Bedingungen dies zuließen. Eine einseitige Abhängigkeit, wie sie vor dem Angriffskrieg in der Ukraine bestanden habe, müsse jedoch vermieden werden.

«Perfekter Sturm» trifft die Produktion

Die wirtschaftliche Lage der Domo-Gruppe sei derzeit durchwachsen, sagte Kujundzic. «Wir erleben gerade den perfekten Sturm.» Hauptgrund sei die Schwäche des Automobilsektors – der wichtigsten Abnehmerbranche von Domo. Das erste Halbjahr 2024 sei dennoch positiv verlaufen, auch wegen Lieferengpässen, die zu einer stärkeren Nachfrage nach europäischer Produktion geführt hätten. Im zweiten Halbjahr habe jedoch ein massiver Preisdruck durch chinesische Importe die Margen stark belastet. Trotz dieser Herausforderungen bekennt sich das Unternehmen zum Standort Leuna.

Anzeige
Ein Mitarbeiter von Domo Chemicals steht während des turnusmäßigen Turnarounds vor Silos. Am Standort produzieren gut 550 Mitarbeiter die Zwischenprodukte Cumol, Phenol, Aceton, Cyclohexanon, Caprolactam und Ammoniumsulfat bis hin zu Polyamid 6. Für die kommenden drei Wochen ist die Produktion für Wartungs-, Reinigungs-, und Umbauarbeiten planmäßig gestoppt. Dabei arbeiten zusätzlich etwa 50 Fremdfirmen mit weiteren 600 Mitarbeitern an der Anlage. © Jan Woitas/dpa

Stillstand mit System

Das Unternehmen produziert in Leuna unter anderem Polyamid-Kunststoffe, die etwa in der Automobilindustrie, im Bauwesen oder in Verpackungen verwendet werden. Aktuell läuft ein geplanter dreiwöchiger Produktionsstopp, bei dem Wartungs-, Reinigungs- und Umbauarbeiten durchgeführt werden. Diese sogenannte «Turnaround»-Maßnahme findet alle 24 Monate statt und dient laut Unternehmen der Sicherheit, Qualität und Zukunftsfähigkeit der Produktion.

Quelle: dpa

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Neuer Eigentümer

Domo-Chemiewerk in Leuna gerettet

Das Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna wird nicht stillgelegt. Eine von InfraLeuna und Leuna-Harze gegründete Auffanggesellschaft hat den Standort übernommen und damit 436 Arbeitsplätze gesichert. Zugleich hat das zuständige Gericht das...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren