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Dynamik im Zellkern

Für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Genregulation wird der Heidelberger Forscher Andreas Ladurner mit dem Young Investigator Award ausgezeichnet. Der mit 10.000 ¿ dotierte Preis wird alle zwei Jahre durch die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Frankfurt/Main, verliehen und von der Schering Stiftung, Berlin, gefördert. Er zeichnet herausragende Forschungsarbeiten von Nachwuchswissenschaftlern auf dem Gebiet der Molekular- und Zellbiologie aus. Die Ehrung von Andreas Ladurner findet im Rahmen der internationalen Tagung "Signal Transduction and Disease" in Aachen (www.sigtrans-aachen.org) statt und beginnt am Dienstag, 29. September, um 17.30 Uhr im Kármán-Auditorium der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH). Mit seinen Arbeiten hat er insbesondere zur Aufklärung molekularer Mechanismen der Signalübertragung im menschlichen Zellkern beigetragen. Die DNA in unserem Zellkern wird durch spezielle Proteine, so genannte Histone, in eine kompakte Struktur gefaltet. Je nach Wachstumsbedingungen der Zelle werden die Histone durch Enzyme chemisch verändert. Solche chemischen Modifikationen sind umkehrbar und daher sehr dynamisch. Schon länger vermuteten Wissenschaftler, dass sie etwas mit der Kontrolle darüber zu tun haben könnten, welche Gene wann abgelesen werden. Ladurner identifizierte das erste Beispiel eines Proteins, das solche chemischen Modifikationen an Histonen "lesen" und "verstehen" kann - und die Gene entsprechend an- oder abschaltet. Insbesondere gelang ihm die Entdeckung von Proteinen mit so genannten Bromodomänen, die spezifisch veränderte Histone direkt erkennen und dadurch zur Aktivierung von Genen beitragen. Vor kurzem konnte seine Arbeitsgruppe außerdem nachweisen, wie die Struktur und Funktion des Geflechts aus DNA und Histonen dynamisch reguliert wird. Umwelteinwirkungen können die chemische Struktur des Genoms schädigen. Unsere Zellen besitzen ausgeklügelte Mechanismen, um Schäden an unserem Erbmaterial schnell zu erkennen und zu reparieren. Eines der ersten Alarmsignale ist die Aktivierung des Enzymes PARP1, das lange Ketten von Stoffwechselprodukten bildet. Ladurner identifizierte spezifische Molekülstrukturen, die so genannten Makrodomänen, die dieses Signal erkennen können. "Wegweisende Forschungsarbeiten und eine geschickte Kombination verschiedener molekularbiologischer Methoden zeichnen die Originalität seiner Arbeit aus", sagt Dr. Carsten Klein, Vorstand Wissenschaft der Schering Stiftung. ¿Seine Entdeckungen versprechen fundamentale Einblicke in den Zusammenhang zwischen Umwelteinwirkungen, Stoffwechsel und Genregulation.¿ Die unabhängige und gemeinnützige Schering Stiftung wurde 2002 durch die Schering AG, Berlin errichtet und dient der Förderung von Wissenschaft und Kultur mit Schwerpunkt auf den Lebenswissenschaften sowie der zeitgenössischen Kunst. Diese Ziele verfolgt sie durch die Initiierung eigener Ausstellungen und Symposien, die Auszeichnung junger Künstler und Wissenschaftler, die Vergabe von Stipendien sowie die Förderung gemeinnütziger Projekte. Ein besonderer Fokus liegt auf Projekten in Grenzbereichen, insbesondere an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst. Weiterhin fördert die Schering Stiftung die wissenschaftliche und kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen und unterstützt den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Das Stiftungsvermögen beträgt 35 Mio. ¿. Die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) ist mit 5500 Mitgliedern die größte Fachgesellschaft für die Biowissenschaften in Deutschland. Als gemeinnützige Vereinigung vertritt sie die Interessen der Forschenden in den molekularen Biowissenschaften. Sie fördert Forschung und Lehre, die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Biotechnologie und Medizin sowie deren Verbreitung in der Öffentlichkeit. Die internationalen Tagungen der GBM bieten die Gelegenheit zum Austausch über neueste Entwicklungen in den molekularen Biowissenschaften mit führenden Experten ihres Fachgebiets.

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