Neuer Ansatz für CED Behandlung?

Fehlgesteuerte Blutgefäße werden durchlässiger

Am Universitätsklinikum Erlangen gelang der Nachweis, dass Fehlsteuerungen in Blutgefäßen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) spielen. Durch die Behebung dieser Fehlsteuerung konnte in experimentellen Modellsystemen der Krankheitsverlauf deutlich verbessert werden.

Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen tritt aus den Blutgefäßen (gelb, rot) Flüssigkeit in die dazwischenliegenden Vertiefungen der Darmwand aus (grün, Bild 1). Gefäße, die nicht auf Interferon-γ reagieren, bleiben unter diesen Bedingungen dicht (Bild 2). © Uni-Klinikum Erlangen

Erkrankungen des Menschen basieren häufig auf fehlgesteuerten Zellen. Bei Untersuchungen zu den Mechanismen chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen standen bisher die Epithelzellen, die die Barriere vom Darm zum umgebenden Gewebe aufbauen, und die Entzündungszellen im Vordergrund. Obwohl bekannt ist, dass Entzündungszellen nur über die Blutgefäße in die entsprechenden Gewebe gelangen können, wurde die Rolle von Blutgefäßen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bisher nur am Rande erforscht. Eine vertiefende Untersuchung zur Rolle von Blutgefäßen hat jetzt eine Forschergruppe der Molekularen und Experimentellen Chirurgie an der Chirurgischen Klinik in Zusammenarbeit mit Gruppen der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie des Uni-Klinikums Erlangen und des Optical Imaging Centre Erlangen (OICE) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt.

Stark durchlässige Blutgefäße

Das interdisziplinäre Kooperationsprojekt, das im Wesentlichen Victoria Langer im Rahmen ihrer Doktorarbeit experimentell umsetzte, ergab, dass die Blutgefäße bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen besonders durchlässig (permeabel) sind. Als Ursache identifizierten die Forscherinnen und Forscher in molekularen Analysen eine fehlgesteuerte Zell-Zell-Interaktion bei den Endothelzellen. Endothelzellen bilden die Hülle von Blutgefäßen und sind für deren Dichtigkeit verantwortlich. Die Fehlsteuerung wird durch ein spezifisches Zytokin verursacht, das Interferon-γ. Es liegt im chronisch entzündeten Darmgewebe in erhöhten Konzentrationen vor. Die erhöhte Permeabilität der Blutgefäße konnte an verschiedenen experimentellen Modellen und auch bei Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nachgewiesen werden.

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Die große Bedeutung der Blutgefäßpermeabilität zeigte sich, als mit genetischen Verfahren am experimentellen Tiermodell die Fähigkeit von Endothelzellen, auf Interferon-γ zu reagieren, gehemmt wurde und dies den Krankheitsverlauf deutlich abschwächte. Von besonderer klinischer Bedeutung ist, dass auch das Medikament Imatinib (Glivec®) die Gefäßdurchlässigkeit hemmte, was den Krankheitsverlauf ebenfalls deutlich unterdrückte. Das Medikament wird bisher vorwiegend in der Krebstherapie eingesetzt.

Die Studie der Erlanger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler belegt erstmals die große Bedeutung des Blutgefäßsystems bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und eröffnet neue Ansätze für die Therapie.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Erlanger Forscherinnen und Forscher im Journal of Clinical Investigation: 

https://doi.org/10.1172/JCI124884

Quelle: FAU

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