Erste Messstation auf der Südhalbkugel

Melanie Steinbeck,

Jenaer Quantensensor misst Dunkle Materie in Brasilien

Ein Quantensensor des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) wird in Vassouras, Brasilien, eingesetzt. Die neue Messstation auf der Südhalbkugel erweitert das globale Netzwerk zur Suche nach Dunkler Materie.

Das Observatório Nacional im brasilianischen Vassouras: Hier installierten Forschende des Jenaer Leibniz-IPHT gemeinsam mit Partnern die neue GNOME-Messstation. © Sven Döring/ Leibniz-IPHT

Ein hochsensitiver Quantensensor aus Jena hat eine Reise von rund 9.000 Kilometern hinter sich: per LKW nach Hamburg, mit dem Schiff über den Atlantik und schließlich über Land bis ins brasilianische Vassouras. Auf dem Gelände des Observatório Nacional haben Forschende des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) gemeinsam mit brasilianischen Partnern eine neue Messstation installiert. Sie ist Teil des weltweiten GNOME-Projekts und soll helfen, eines der großen offenen Probleme der modernen Physik besser zu verstehen: die Natur Dunkler Materie.

Ein globales Netzwerk für das Unsichtbare

Dunkle Materie ist mit klassischen Messmethoden nicht direkt nachweisbar. Sie beeinflusst aber nachweislich die Bewegung von Galaxien und die Struktur des Kosmos. Wie sie beschaffen ist, zählt zu den zentralen offenen Fragen der modernen Physik.

Gemeinsame Installation in Vassouras: Frank Bauer und Dr. Theo Scholtes (1. und 3. von links) vom Jenaer Leibniz-IPHT richteten die neue Messstation zusammen mit ihren Forschungspartnern vom brasilianischen Observatório Nacional ein, Carlos Roberto Germano und Dr. André Wiermann (2. und 4. von links). © Sven Döring/ Leibniz-IPHT

Das internationale Projekt GNOME (Global Network of Optical Magnetometers for Exotic physics searches) sucht gezielt nach Anzeichen für bestimmte hypothetische Teilchen, darunter sogenannte Axionen, die mit Atomen in Magnetometern in Wechselwirkung treten könnten.

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„Unsere Station basiert auf einem optisch gepumpten Magnetometer, in dem wir Cäsiumatome mit Laserlicht in bestimmte Quantenzustände versetzen“, erklärt Dr. Theo Scholtes, Physiker am Leibniz-IPHT. „Verändert sich dieser Zustand, zum Beispiel durch ein vorbeiziehendes Dunkle-Materie-Feld, können wir das mit hoher Genauigkeit messen.“

Die Technik des Sensors - inklusive der magnetischen Abschirmung, Laserstabilisierung und Systemkontrolle - wurde am Leibniz-IPHT in Jena entwickelt, aufgebaut und getestet. Finanziert wurde das Projekt über das DFG-Vorhaben „RioGNOME“.

Erste Messstation auf der Südhalbkugel

Die neue GNOME-Station in Brasilien ist die erste dauerhaft aktive Messstation des Netzwerks auf der Südhalbkugel. Diese geographische Ausweitung ist für das Projekt von besonderer Bedeutung.

GNOME-Messstation am Leibniz-IPHT in Jena: Dr. Theo Scholtes (links) und Göran Hellmann justieren Quantenmagnetometer zur Suche nach Spuren Dunkler Materie. Im Dauerbetrieb sendet er seine Messdaten an den GNOME-Server. © Leibniz-IPHT

„Mit der Station in Vassouras verbessern wir die Möglichkeiten zur Triangulation potenzieller Ereignisse, also zur genauen Bestimmung ihrer Herkunft durch den Vergleich von Signalen aus mehreren Messstationen. Das funktioniert ähnlich wie bei der Detektion von Gravitationswellen“, so Theo Scholtes.

Originalpublikation:
Afach, S., et al. (2025). What can a GNOME do? Search targets for the global network of optical magnetometers for exotic physics searches. Annalen der Physik, 537(1), 2400359. DOI:10.1002/andp.202400359

Quelle: Leibniz-Institut für Photonische Technologien

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