Personalie
Jörg Overmann wird Professor an der LMU und Generaldirektor in Bayern
Prof. Dr. Jörg Overmann, seit 2010 Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig, wechselt zum 1. August 2025 nach München. Er übernimmt dort den Lehrstuhl für Molekulare Biodiversitätsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und wird zugleich hauptamtlicher Generaldirektor aller naturwissenschaftlichen staatlichen Museen und Sammlungen Bayerns – eine neu geschaffene Position.
In Braunschweig leitete Overmann nicht nur die DSMZ, sondern war auch Professor für Mikrobiologie an der TU Braunschweig. In seiner Zeit an der DSMZ baute er fünf neue Abteilungen auf, darunter die Forschungsabteilung für Mikrobielle Ökologie und Diversitätsforschung, und trieb maßgeblich die Digitalisierung der Institutsdaten voran. Sein wissenschaftlicher Fokus liegt auf der biologischen Vielfalt von Mikroorganismen – von Tiefseebakterien im Kohlenstoffkreislauf bis hin zu bakteriellen Gemeinschaften an Pflanzenwurzeln oder Amphibien.
Mikrobielle Diversität und digitale Informationsplattformen
Overmann gelang es immer wieder, bislang nicht kultivierbare Bakterienarten im Labor wachsen zu lassen und damit erstmals der Forschung zugänglich zu machen. Damit verkörperte er die Mission der DSMZ: „Bioressourcen zu sammeln, zu kultivieren und sowohl für die akademische Forschung als auch für die wirtschaftliche Entwicklung global zur Verfügung zu stellen.“
Ein bedeutendes Projekt seiner Amtszeit war der Aufbau der BacDive-Datenbank, der weltweit einzigen öffentlich zugänglichen Ressource mit standardisierten, qualitätskontrollierten phänotypischen Daten zu nahezu allen bekannten Bakterienarten.
Ergänzend entstand durch eine Bund-Länder-Förderung die integrierte Informationsplattform DSMZ Digital Diversity, die eine Vielzahl biologischer Datenbanken vernetzt und neue digitale Werkzeuge für die Forschung bietet.
Wissenschaftliche Laufbahn und Engagement
Jörg Overmann wurde 1961 in Hattingen geboren. Er studierte Biologie mit Schwerpunkt Mikrobiologie in Bochum und Freiburg, promovierte 1991 an der Universität Konstanz und habilitierte sich 1999 in Oldenburg. Nach einer Professur an der LMU München leitete er dort das Department Biologie I. Overmann veröffentlichte bisher 379 wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften und Buchkapiteln.
Neben seiner Forschung engagierte sich Overmann in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien, etwa in der Senatskommission der DFG für biologische Vielfalt, dem Ausschuss für wissenschaftliche Bibliotheken, dem Forum Gesundheitsforschung oder dem Council of Scientists der Human Frontier Science Program Organization. Innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft war er Sprecher der Sektion C/Lebenswissenschaften, Mitglied im Präsidium sowie Beauftragter für Ethik in der Forschung. Zudem war er langjähriger Koordinator der Pathogenbank des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung.
Auszeichnung für verantwortungsvolle Forschung
Für sein wissenschaftliches Werk und gesellschaftliches Engagement wurde Overmann 2022 mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes „Forschung in Verantwortung“ ausgezeichnet. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis ehrt Leistungen mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz und Umsetzbarkeit. Gewürdigt wurden seine Arbeiten zur mikrobiellen Biodiversität sowie sein Einsatz für einen fairen Interessenausgleich bei der Nutzung biologischer Vielfalt.
Quelle: DSMZ – Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH










