Trägt päpstliche Scheitelkappen

Neue Planktonart aus der Kieler Förde

Dr. K.J. Sebastian Meier, Paläontologe von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), hat gemeinsam mit Kollegen aus Odense und London eine neue bemerkenswerte einzellige Planktonart entdeckt. Das Besondere daran: Die Zellen sind jeweils mit winzigen Kalkplättchen bedeckt.

Neu entdeckter Bewohner der Kieler Förde: Pileolosphaera longistirpes, die „kugelige Zelle aus päpstlichen Scheitelklappen mit langen Stängeln“. (Bild: K.J. Sebastian Meier)

Diese erinnern stark an das Scheitelkäppchen des Papstes (den sogenannten Pileolus, lateinisch für „kleine Mütze“). Die eigentlich kleine Kordel (der Stirpes, lateinisch für „Stängel“) in der Mitte ist beim Plankton aber vergrößert. Pileolosphaera longistirpes tauften die Wissenschaftler daher die neue Art aus der Kieler Förde, was so viel bedeutet wie „kugelige Zelle aus päpstlichen Scheitelkappen mit langen Stängeln“.

Der winzige Fördebewohner ist nur wenige hundertstel Millimeter groß und wird zum so genannten Nannoplankton gezählt. Zahlreiche Proben aus der Ostsee untersuchten die Forschenden gezielt am Rasterelektronenmikroskop und wurden mit dessen Entdeckung belohnt: „In der Kieler Förde herrscht eine ungeahnte Formenvielfalt von kalkigem Nannoplankton vor“, sagt Meier, der das Labor für Rasterelektronenmikroskopie am Kieler Institut für Geowissenschaften leitet. Nun wollen die Wissenschaftler den bisher unbekannten Organismus besser kennen lernen: Stammesgeschichtliche Entwicklung, Ökologie, Evolution und Anpassung an die besonderen Umweltbedingungen in der Kieler Förde gilt es dabei aufzuklären.

Anzeige

Die Erforschung des Nannoplanktons hat in Kiel eine lange Tradition und geht auf Hans Lohmann zurück. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts studierte er die Wasserlebewesen und beschrieb einzelne Kalkalgen. Vertreter des kalkigen Nannoplanktons sind seit der oberen Trias (etwa 220 Mio. Jahre vor unserer Zeit) bekannt und spielen für die Deutung der jüngeren Klimageschichte eine große Rolle.

Originalpublikation:
Meier, K. J. S., Kinkel, H. and Young J. R. 2014. A note on calcareous nannoplankton from the Kieler Förde (Baltic Sea). Journal of Nannoplankton Research 33(1), 29-37.

Kontakt:
Dr. Sebastian Meier
Paläontologie und Historische Geologie
Universität Kiel
E-Mail: smeier@gpi.uni-kiel.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Mariner Schneefall am Äquator

Stilles Örtchen im Ozean

Permanent rieseln tierische Ausscheidungen und Teile abgestorbener Organismen von der Oberfläche der Ozeane Richtung Tiefsee. Dieser auch als „mariner Schneefall“ bezeichnete Partikelfluss spielt eine wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf...

mehr...

Nanomaterialien

Aerographit faltbar wie ein Akkordeon

Seine komplexe Tetrapoden-Struktur verschafft dem 3D-Material Aerographit einzigartige Eigenschaften wie hohe Elastizität und elektrische Leitfähigkeit. Materialwissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) konnten jetzt die nur...

mehr...
Anzeige