Neuer Elektrodentyp spart Strom

Chlor-Alkali-Elektrolyse

Mit einem energiesparenden chemischen Produktionsverfahren hat es Bayer im Rennen um den von der Bundesregierung unterstützten Innovationspreis der deutschen Wirtschaft auf die vordersten Plätze geschafft. Gewürdigt wurde die neue Technik der Sauerstoffverzehrkathode (SVK), die den Energiebedarf bei der energieintensiven Herstellung der wichtigen Grundchemikalie Chlor um bis zu 30 % senkt.

Chlor herstellen mit weniger Energie - Blick in die SVK-Demonstrationsanlage in Krefeld-Uerdingen.

Die Sauerstoffverzehrkathode (SVK) wird bei dem neuen energiesparenden Verfahren in Kombination mit der herkömmlichen Membrantechnik in der Chlor-Alkali-Elektrolyse eingesetzt, das inzwischen Standard bei der industriellen Chlorherstellung ist. Hier werden aus Kochsalz und Wasser normalerweise Chlor, Natronlauge und Wasserstoff gebildet. Bei dem neuen Verfahren wird die übliche wasserstofferzeugende Elektrode allerdings durch eine Sauerstoffverzehr-Kathode ersetzt. Durch die Zufuhr von Sauerstoff wird die Wasserstoffbildung an der Kathode unterdrückt. Es entstehen nur noch Chlor und Natronlauge. Der Energieverbrauch sinkt dadurch um bis zu 30 %.

Würden alle Chlorproduzenten in Deutschland die marktreife Technik einführen, ließe sich der gesamte Energieverbrauch des Landes um rund 1 % senken. Das hört sich im ersten Augenblick nicht nach einer großen Menge an, entspricht aber etwa dem, was die Großstadt Köln im Jahr an elektrischer Energie benötigt. Das SVK-Verfahren könnte damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten. Dies hilft in der Folge auch dem Klimaschutz, da die Energieeinsparungen mit bis zu 30 % weniger CO2-Emissionen einhergehen.

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"Wir freuen uns sehr darüber, in die Endausscheidung des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft gekommen zu sein", erklärte Dr. Tony Van Osselaer, Produktionschef von Bayer MaterialScience. "Damit wird einmal mehr die Innovationskraft des Bayer-Konzerns anerkannt. "Die SVK-Technologie kann einen großen ökologischen und ökonomischen Nutzen bieten, weil sie die Energieeffizienz in einem für die chemische Industrie ganz wichtigen Produktionsprozess erheblich erhöht", betonte auch Hans-Theo Kühr, CEO der Business Unit Process Technologies von ThyssenKrupp Industrial Solutions. Das Unternehmen ist ebenso wie die Firma UHDENORA Entwicklungspartner von Bayer MaterialScience bei dem neuen Verfahren.

Die drei Firmen sehen bei der Vermarktung für die nächsten Jahre ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionenbereich. Unternehmen im In- und Ausland haben bereits großes Interesse an dem neuen Verfahren bekundet. Ein erster Großauftrag für eine SVK-Anlage mit einer Produktionskapazität von 80000 Tonnen pro Jahr kam kürzlich von dem chinesischen Chemieunternehmen Befar.

Die globale Vermarktung der SVK-Technik erfolgt durch ThyssenKrupp Industrial Solutions/UHDENORA, während Bayer MaterialScience im Rahmen der nicht exklusiven Zusammenarbeit die Sauerstoffverzehrkathoden liefert.

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