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Neuer Interessenverband für Betriebliches Gesundheitsmanagement

Schnelle Veränderungen, höherer Leistungsanforderungen, der Anstieg des Durchschnittsalters der Belegschaft und der Fachkräftemangel bestimmen unsere Arbeitswelt. Die Gesundheitssituation und Zufriedenheit der Mitarbeiter wird nach Untersuchungen unterschiedlicher Institutionen eher schlechter, wenngleich die Krankheitsquote auf relativ niedrigen Stand seit Jahren ist. Die Fluktuation steigt und die Leistungspräsentation der Mitarbeiter sinkt, bis auf einige wenige, die vom "Burn-out" bedroht sein können. Betriebliches Gesundheitsmanagement rückt auch deshalb bei Unternehmen und Organisationen immer mehr in den dafür notwendigen Fokus der Zukunft. Im Interesse der nachhaltigen Entwicklung des betrieblichen Gesundheitsmanagements wurde der Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement gegründet.

Dr. phil. Christian Weigl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Betriebliches Gesundheitsmanagement; Geschäftsführer Institut für Gesundheit und Management GmbH.

Viele Unternehmen führen bereits seit Jahren verschiedene Aktivitäten zum Thema Gesundheit durch, indem sie sich beispielsweise verschiedenen Jahresschwerpunktthemen widmen. Andere warten auf ein Angebot einer Krankenkasse, die sie in diesem Thema begleitet. Lediglich einige Unternehmen befinden sich schon in einem strukturierten Prozess im Sinne eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Verschieden Anbieter (Krankenkassen, Unfallversicherungsträger oder Beratungsunternehmen) bieten Unternehmen und Organisationen Gesundheitsdienstleistungen wie zum Beispiel Gesundheitsberichte, Mitarbeiterbefragungen, Gesundheitstage, Rückenschulen am Arbeitsplatz, Yoga oder auch Walking an. In dem immer undurchsichtiger werdenden Angebots-"Dschungel" erkennt auch der geschulte Gesundheitsmanager nicht, was seinem Unternehmen wirklich nutzen könnte.

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Es gibt eine hohe Diversifikation an Gesundheitsdienstleistungen am Markt. Ebenso fehlt ein stimmiges und strukturierte Aus- und Fortbildungsangebot für Gesundheitsmanager. Stattdessen gibt es unterschiedliche Awards und Auszeichnungen von privatwirtschaftlichen Anbietern, die dem teilnehmenden Unternehmen "richtiges BGM" suggerieren.

BGM ist jetzt und in der Zukunft zu wichtig für die Unternehmen und braucht deshalb ein einheitliches Verständnis, Struktur, Klarheit und Transparenz. Das Thema hat es verdient eine klare Richtung zu bekommen. Nur stellt sich die Frage von wem? Es muss eine unabhängige Institution von Fachleuten und Interessierten sein, der sich jeder anschließen und aktiv beteiligen kann.

Die Antriebsfeder für die Gründung eines Bundesverbands für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM) hat sich aufgrund der oben geschilderten Situation entwickelt. Als zentrale Aufgabe setzt sich der Verband ein einheitliches Verständnis von betrieblichem Gesundheitsmanagement zu entwickeln. Weitere Aufgaben sind es, einheitliche Maßstäbe zur Bewertung von betrieblichen Ansätzen des BGM zu definieren und ein Qualitätssicherungskonzept im Sinne einer Norm von BGM zu erarbeiten. Zu verschiedenen Methoden, die im BGM Anwendung finden, definiert der Verband Mindestkriterien, um so dem Anwender Sicherheit im Sinne von Effizienz und Nutzen geben zu können. Die angewandten betrieblichen Methoden wird der Verband evaluieren. Ebenso ist er daran interessiert, einheitliche Standards zur Aus- und Fortbildung betrieblicher Fachkräfte im BGM zu gestalten.

Die Gründungsmitglieder des BBGM sind fest davon überzeugt, dass zu viel Diversität dem Markt schadet. Nur gemeinsam in einem Verband, der auch Verbindlichkeit schafft, können die oben genannten Aufgaben gelöst werden. Bei einer aktiven Mitarbeit, zu der der Verband alle Akteure einlädt, gibt es die Möglichkeit das eigene Handeln zu reflektieren, Ideen einzubringen und so die angewandten Methoden des BGM zu homogenisieren. Wir wollen gemeinsam als Verband, nicht als Netzwerk, klare Vorgaben unterbreiten. Als Verband ist es für uns selbstverständlich, dass wir mit unseren Mitgliedern nicht in Konkurrenz treten, vielmehr wollen wir unsere Mitglieder unterstützen, standardisierte Methoden als Anbieter (Beratungsunternehmen) zu platzieren oder als Direkt-Nutzer (Organisationen und Unternehmen) umsetzen zu können.

Weitere Nutzwerte des BBGM sind der inhaltliche Austausch untereinander in Form von Arbeitsgruppen, Veranstaltungen und Kongressen. Für die Mitglieder soll ein Zugriff auf eine BBGM-Datenbank mit Fachexperten für diverse Spezialthemen (w. z. B. Metastudien oder Problemprojekten) ermöglicht werden. Für Absolventen soll der BBGM Orientierungshilfen geben (z. B. Kontaktbörsen, Vorträge an Universitäten zur zukünftigen Entwicklung des Arbeitsmarktes, Fort- und Weiterbildungsangebote und deren strategische Einbettung in die Karriereplanung). Jedoch auch für alle anderen Interessierten bietet der Verband hochspezifische Job- und Auftragsbörsen an.

Am 29.04.11 hat sich der BBGM gegründet. Die Gründungsmitglieder stammen aus Großbetrieben, einer Krankenkasse, Unternehmensberatungen und einem arbeitsmedizinischen Zentrum. Der Vorstand setzt sich aus Frau Barbara Thiel, Herrn Dr. Rolf Melms, Herrn Lars Schirmacher, Herrn Dr. Ingo Weinreich, Herrn Kurt Gläser und Herrn Dr. Christian Weigl zusammen.

Am 24.10.11 tagten über 50 Mitglieder und Interessierte in Kassel in verschiedenen Arbeitsgruppen zu den Themen Grundverständnis von BGM, Audit im BGM, Aus- und Fortbildung im BGM sowie Medien. Als Teilnehmer waren Personalverantwortliche, Mitarbeiter von Krankenkassen, Unfallversicherungsträgern und Beratungsunternehmen, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner sowie Führungskräfte und Betriebsräte vertreten. Als größtes Motiv sich im BBGM zu beteiligen, wurden von den Teilnehmern der unmittelbare Informationsaustausch zwischen anderen Akteuren im Feld von BGM und die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit an der Erarbeitung von Standards im BGM genannt.

Die Arbeitsgruppen haben in den vergangenen Monaten weiter die Arbeitsaufträge bearbeitet. Besonders erwähnenswert ist dabei die Gruppe Audit, welche in einer externen Arbeitsgruppe beim Deutschen Institut für Normung (DIN) vertreten ist. In dieser wird derzeit eine Norm (DIN SPEC 91020) für betriebliches Gesundheitsmanagement erarbeitet. Diese soll als "Vor-Norm" funktionieren und später auf ISO-Niveau gehoben werden. Die Norm wird für Unternehmen die Anforderungen und Rahmenbedingungen zur Einführung eines BGM-Systems definieren. Diese und weitere Ergebnisse wurden am 6.2.2012 in Kassel vorgestellt.

Zur aktiven Beteiligung an den Aufgaben des BBGM kann sich hierzu jeder beim Verband als Mitglied anmelden, um somit die Entwicklung von Betrieblichen Gesundheitsmanagement zu unterstützen. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, Anmeldeformulare und viele weitere wertvolle Informationen zum Thema und zum BBGM findet man unter: http://www.bgm-bv.de .

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