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Phosphordünger: Chemiker warnen vor Knappheit

Die globale Produktion von Phosphordünger könnte in diesem Jahrhundert ihr Maximum erreichen und dann absinken. Das würde die Weltnahrungsmittelproduktion gefährden und zu Engpässen und Preissteigerungen führen. Davor warnten am 27. März 2011 fünf wissenschaftliche Gesellschaften anlässlich der Vorstellung des Berichts "Chemie für eine nachhaltige globale Gesellschaft" in Anaheim (Kalifornien). Sie erwarten die Krise dann, wenn die Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen ansteigt.

Reis, Mais, Weizen und andere wichtige Nahrungspflanzen benötigen Phosphor. Er ist neben Stickstoff und Kalium einer der drei Hauptbestandteile der Düngemittel, welche die Versorgung der Welt mit Nahrungsmitteln sicherstellen. Vorhersagen der Vereinten Nationen zufolge wird die Weltbevölkerung von 6,1 Milliarden im Jahr 2000 auf 8,9 Milliarden bis zum Jahr 2050 ansteigen. Der Bericht Chemie für eine nachhaltige globale Gesellschaft warnt nicht nur vor dem "globalen Phosphorfördermaximum" - analog zu den bekannteren Warnungen vor dem "globalen Ölfördermaximum" -, sondern weist auch auf die Lage bei anderen natürlichen Ressourcen hin. Bei ihnen könnten Monopole oder politische Instabilität zu Lieferunterbrechungen oder Preissteigerungen führen. Zu diesen Ressourcen gehören Seltene Erden und wertvolle Metalle wie Lithium, Platin und Palladium, die erforderlich sind zur Herstellung von Computern, Mobiltelefonen, wiederaufladbaren Akkus, Solarzellen, Brennstoffzellen, Medikamenten, Katalysatoren für Autos und anderen wichtigen Erzeugnissen.

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Der Bericht resümiert die Ergebnisse eines viertägigen Treffens der Chinese Chemical Society, der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Chemical Society of Japan, der Royal Society of Chemistry und der American Chemical Society im September 2010 in London. 30 internationale Experten für Materialwissenschaften nahmen an der Veranstaltung teil. Sie reiht sich ein in die laufende Serie von Chemical Sciences and Society Symposien (CS3), die diese Gesellschaften durchführen, um nach Lösungen für einige der bedrohlichsten Weltprobleme zu suchen.

Phosphormangel im Boden ist besonders akut in Australien, dem siebtgrößten Weizenproduzent der Erde, sowie in Afrika südlich der Sahara, wo der Phosphorgehalt das Nutzpflanzenwachstum begrenzt und bereits Millionen Menschen durch Unterernährung und regelmäßige Hungersnöte bedroht sind. Die Lagerstätten phosphathaltigen Gesteins, das zur Düngemittelproduktion abgebaut wird, werden wahrscheinlich innerhalb der nächsten 30 bis 100 Jahre erschöpft sein. Gegenwärtig gibt es keinen Ersatz für diese natürliche Quelle von Phosphordünger. Zwei Drittel der Weltphosphorressourcen befinden sich in China, Marokko und der Westsahara. Die Nachfrage nach Phosphor steigt bereits rapide, und der Preis von Ammoniumphosphatdünger, der zusätzlich Stickstoff enthält, hat sich in den letzten Jahren verdoppelt.

Chemie für eine nachhaltige globale Gesellschaft setzt sich für technische Durchbrüche ein, um die Versorgung künftiger Generationen mit Phosphor zu gewährleisten. Die CS3-Teilnehmer hoffen, dass es der Chemie gelingt, neue Materialien zu entwickeln, mit denen die Menschheit umfangreiche neue Phosphorquellen in Flüssen, Ozeanen und im Boden nutzbar machen kann. Dazu gehören auch Techniken zur Extraktion von Phosphor aus Wasser.

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