VCI-Bilanz 2024

Annina Schopen/dpa,

Mini-Wachstum 2025 aber kein Ende der Durststrecke

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie blickt mit wenig Optimismus auf 2025. Trotz eines leichten Produktionswachstums von 0,5 Prozent bleibt der Umsatz aufgrund hoher Preise und schwachem Auftragsbestand nahezu stagnierend. Die Branche leidet unter der schwachen Wirtschaft und steigenden Energiepreisen, während Investitionen und Innovationen zurückgefahren werden.

VCI-Präsident Markus Steilemann © VCI / Thomas Lohnes

(mit dpa) Für die Chemie- und Pharmaindustrie nähert sich ein weiteres schwieriges Jahr dem Ende. Mit Blick auf die anhaltende Rezession in der Industrie kommentiert Markus Steilemann, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), die Branchenbilanz: „Es ist eine trübe Bestandsaufnahme. Der einzige Lichtblick ist, dass sich die rasante Talfahrt der letzten beiden Jahre nicht weiter fortgesetzt hat.“

Auf 2025 schaut die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie nach den vergangenen Krisenjahren mit wenig Optimismus Die Produktion dürfte leicht um 0,5 Prozent wachsen, teilte der VCI in Frankfurt mit. Auch Pharma werde voraussichtlich ein leichtes Plus (0,5 Prozent) erzielen, der Chemiebereich stagnieren. Der Branchenumsatz werde aber wegen hoher Erzeugerpreise und niedrigem Auftragsbestand erlahmen (0 Prozent). Die Branchenpreise könnten leicht sinken (-0,5 Prozent). Es fehle weiter an Aufträgen, sodass die Chemieanlagen schlecht ausgelastet seien. Seit nunmehr vier Jahren in Folge liege die Chemie- und Pharmabranche damit deutlich unter dem notwendigen Grundwert für einen rentablen Betrieb. Er rechne mit weiteren Stilllegungen, sagte VCI-Präsident Markus Steilemann.

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Unter den Branchenfirmen ist die Stimmung nach einer repräsentativen VCI-Umfrage gemischt: Während immerhin gut ein Viertel der Firmen 2025 einen Anstieg der Erträge erwartet, rechnen weitere 26 Prozent mit gleichbleibenden Erträgen und 46 Prozent mit einem Rückgang.

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup © VCI / Thomas Lohnes

Schwache deutsche Wirtschaft belastet

Die energieintensive Chemie ist die drittgrößte deutsche Industriebranche nach dem Auto- und Maschinenbau und bekommt die vergleichsweise teure Energie hierzulande besonders zu spüren. Wegen der schwachen Konjunktur drosseln zudem viele Industrieunternehmen ihre Produktion, was sich auf die Nachfrage nach Chemieerzeugnissen durchschlägt. Erst kürzlich hat der Essener Spezialchemiekonzern Evonik einen großangelegten Umbau angekündigt und bei BASF steht mit dem jüngsten Sparprogramm ein noch nicht bezifferter Stellenabbau bevor.

Insgesamt blieb die Beschäftigung in der Chemie- und Pharmabranche zuletzt aber stabil, 2024 lag sie bei 477.000 Menschen (minus 0,5 Prozent). In der Pharmaindustrie sind die Geschäfte robust.

Im laufenden Jahr erwartet der VCI einen Umsatzrückgang von zwei Prozent auf 221 Milliarden Euro. Das Minus im Auslandsgeschäft (139 Milliarden Euro) beläuft sich auf 1 Prozent, die Verkäufe in Deutschland (82 Milliarden Euro) sanken um 4 Prozent. Die Produktion in der Chemie- und Pharmaindustrie wuchs um zwei Prozent gemessen am Vorjahr, blieb aber 16 Prozent unter dem Niveau von 2018.

Die Produktion chemischer Grundstoffe konnte in diesem Jahr um rund 8 Prozent gesteigert werden. Jubel sei in diesem Zusammenhang aber verfehlt: Die Grundstoffproduktion wurde in den Vorjahren um mehr als ein Viertel zurückgefahren. Dies gelte auch für Polymere und Konsumchemikalien, deren Produktionszahlen sich 2024 etwas langsamer erholten, um 4 beziehungsweise 2 Prozent. Bereits zum dritten Mal in Folge gab es einen Produktionsrückgang bei den Herstellern der Spezialchemie – in diesem Jahr lag er bei 2 Prozent. Dagegen erholte sich die Produktion von Reinigungsmitteln und Kosmetika dank höherer Ausgaben von Verbrauchern.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen erforderlich

Deutschland fällt in puncto Dynamik im internationalen Vergleich weiter zurück – sowohl in der Gesamtwirtschaft als auch in der Industrie und in der Chemie. Laut Sachverständigenrat liegt das Potenzialwachstum der Wirtschaft bei 0,4 Prozent pro Jahr. Grund dafür sei die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, die unter hohen Produktionskosten und einer wachsenden Bürokratie leidet.

Steilemann betont: „Die Politik redet zwar von Bürokratieentlastung. In der Realität verstrickt sie uns aber in immer mehr kleinkarierte Regulierungen. Daran ist aber nicht allein die Bundesregierung schuld. Das Epizentrum der Bürokratie ist Brüssel. Die Kommission reguliert Europa in den Stillstand.“ Um wieder wettbewerbsfähig zu werden, müssten deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen ihre Produktivität, Effizienz und Effektivität um 10 bis 30 Prozent steigern. Das habe kürzlich die Unternehmensberatung Boston Consulting in einer vom VCI in Auftrag gegebenen Studie analysiert.

Innovationen und Investitionen seien nötig, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Die aktuelle Lage und fehlende Perspektiven führten aber dazu, dass Investitionsprojekte zum Teil auf Eis gelegt und Innovationsbudgets gekürzt werden. Im Branchendurchschnitt fahren VCI-Mitglieder diese Budgets gerade in Deutschland herunter. Im Gegenzug nehmen Investments im Ausland (USA, Asien und Europa) bei knapp der Hälfte der VCI-Mitglieder zu.

Hoffen auf neue Bundesregierung

© Pelemedia

VCI-Präsident Steilemann forderte einen „wirtschaftspolitischen Befreiungsschlag“ angesichts der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar 2025. Energie müsse billiger werden, Bürokratielasten und Steuern sinken, Genehmigungen schneller erteilt werden. Der VCI-Präsident appelliert: „Machen wir 2025 zum Jahr der Wirtschaftswende. Chemie und Pharma sind bereit für den Aufbruch.“

Quelle: DPA

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