Hauptversammlung Bayer AG

Vorstandsvorsitzender Werner Baumann: Bayer kommt strategisch gut voran

Der Bayer-Konzern macht laut Angaben des Unternehmens große Fortschritte bei der Übernahme von Monsanto. Der Konzern will mit diesem strategischen Schritt zu einem führenden Unternehmen der Landwirtschaft aufsteigen.

Bayer will zu einem führenden Unternehmen der Landwirtschaft aufsteigen. Im Bild: Neuen biologischen Lösungen auf der Spur: Cecilia Wilson untersucht Erdbeerpflanzen im Forschungslabor für Pflanzenpathologie der Division Crop Science von Bayer. (Bild: Bayer AG)

„Nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit haben wir fast alle entscheidenden Freigaben erhalten. Wir gehen davon aus, die Transaktion in Kürze abschließen zu können“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Freitag, 25. Mai, auf der Hauptversammlung in Bonn.

Operativ habe Bayer 2017 bei Umsatz und Ergebnis das Niveau des Vorjahres erreicht. Um die Aktionäre auch in diesem Jahr angemessen am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen, soll die Dividende zum achten Mal in Folge angehoben werden – auf 2,80 (Vorjahr: 2,70) Euro je Aktie. Für die Zukunft sieht Baumann das Unternehmen gut gerüstet: „Wir sind optimistisch, weil wir mit unseren Produkten und Lösungen das Leben der Menschen verbessern können.“

Der Umsatz des Bayer-Konzerns erhöhte sich 2017 währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 1,5 (nominal 0,2) Prozent auf rund 35 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA lag – trotz negativer Währungseffekte – mit 9,3 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 1,0 Prozent auf 6,74 Euro.

Baumann bedankte sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den Einsatz, den sie im vergangenen Jahr für das Unternehmen gebracht haben: „Ihr Engagement, ihre Kompetenz und ihr Herzblut sind das, was Bayer ausmacht.“

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Der Start ins Geschäftsjahr 2018 wurde – wie schon das Vorjahr – von negativen Wechselkurseffekten überlagert. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte erhöhte sich der Umsatz im 1. Quartal um 2,0 Prozent (nominal minus 5,6 Prozent) auf 9,1 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag währungsbereinigt (wb.) auf dem Niveau des starken Vorjahresquartals.

Währungsbereinigten Ausblick bestätigt
Auf dieser Basis bestätigte Bayer den währungsbereinigten Ausblick für das Geschäftsjahr 2018, der allerdings den in Kürze bevorstehenden Abschluss der Monsanto-Übernahme nicht berücksichtigt. So soll der Umsatz wpb. weiterhin im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Das EBITDA vor Sondereinflüssen und das bereinigte Ergebnis je Aktie sollen sich nach wie vor wb. im mittleren einstelligen Prozentbereich verbessern.

Zudem hat Bayer wichtige strategische Fortschritte gemacht. So hat das Unternehmen Anfang Mai mit der Platzierung von Covestro-Aktien den Verkaufsprozess erfolgreich abgeschlossen. Die Bayer AG behält lediglich noch einen 6,8-Prozent-Anteil an Covestro, um die im Jahr 2020 fällige Umtauschanleihe zu bedienen. Bayer hat damit durch den Verkauf der Covestro-Aktien mehr als 9 Milliarden Euro erlöst. Hinzu kommt eine weitere Milliarde Euro aus der im vergangenen Jahr begebenen Umtauschanleihe. Unter dem Strich und inklusive der im Rahmen des Börsengangs übertragenen Schulden konnte Bayer mit der Trennung von Covestro über 15 Milliarden Euro erzielen – rund 4,5 Milliarden Euro mehr als erwartet. „Auch die Umsetzung ist zügiger gelungen als geplant“, sagte Baumann.

„Wir steigen zu einem führenden Unternehmen der Landwirtschaft auf“
Ein weiterer großer strategischer Schritt steht kurz bevor: Die Übernahme von Monsanto. Im Zusammenhang mit dem regulatorischen Genehmigungsprozess veräußerte Bayer Geschäfte mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro (2017) für einen Basiskaufpreis von insgesamt 7,6 Milliarden Euro an BASF. „Diese Veräußerungen waren für die behördlichen Freigaben notwendig“, erläuterte Baumann. „Auf der anderen Seite übernehmen wir neue, sehr attraktive Geschäfte, mit denen wir zu einem führenden Unternehmen der Landwirtschaft aufsteigen.“

Der Erwerb sei heute genauso attraktiv wie vor zwei Jahren. „Ich habe in meiner Karriere schon viele Transaktionen begleitet. Und ich bin überzeugt: Dieses Akquisitionsvorhaben hat unter diversen Aspekten und damit auch insgesamt ein sehr hohes Wertschaffungspotenzial, und zwar für das Unternehmen, unsere Aktionäre und unsere Kunden“, sagte Baumann. Bayer erwartet ab 2019 einen positiven Beitrag zum bereinigten Ergebnis je Aktie. Von 2021 an wird dieser Beitrag voraussichtlich im zweistelligen Prozentbereich liegen, und Bayer rechnet – unter Berücksichtigung der Veräußerungen – ab 2022 mit jährlichen Beiträgen zum EBITDA vor Sondereinflüssen von 1,2 Milliarden US-Dollar durch Synergien.

Dabei bleibt das Produktportfolio von Bayer ausgewogen: Inklusive Monsanto und unter Berücksichtigung der Veräußerungen wären die Bereiche Gesundheit und Ernährung im Jahr 2017 etwa gleich groß gewesen – der Gesamtumsatz lag pro forma bei rund 45 Milliarden Euro einschließlich des kombinierten Crop-Science-Umsatzes von rund 20 Milliarden Euro.

Ausgewogenes Portfolio
Nach Schätzung der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Für sie alle Nahrungsmittel in ausreichender Menge und Qualität herzustellen, sei eine enorme Herausforderung, so Baumann. Zur Bewältigung dieser Herausforderung könne Bayer gemeinsam mit Monsanto mehr beitragen: „Künftig können wir den Landwirten auf der ganzen Welt noch besser dabei helfen, gesunde, sichere und erschwingliche Lebensmittel auf nachhaltige Weise herzustellen.“

Dafür werde Bayer den Landwirten ein nach Unternehmensangaben "herausragendes" Portfolio bieten: Bei Saatgut und Pflanzeneigenschaften, beim chemischen und biologischen Pflanzenschutz sowie bei digitalen Technologien, Analytik und Beratung. „Damit verfügen wir über eine Vielzahl an Möglichkeiten, die zu der Vielfalt der Landwirtschaft auf der ganzen Welt passt“, sagte Baumann.

Zugleich hob er die Bedeutung von Innovationen hervor: „Die Landwirtschaft hat es in der Vergangenheit immer wieder verstanden, mithilfe von neuen Verfahren, neuen Züchtungen oder neuen Technologien immer mehr Menschen zu ernähren.“ Darum gehe es auch jetzt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Ernten zunehmend durch Wetterextreme und den Klimawandel bedroht werden. „Bei dieser Suche nach Innovationen wollen wir ein Partner der Landwirtschaft sein“, sagte Baumann und betonte, dass durch die Übernahme von Monsanto auch die Verantwortung des Unternehmens wachse. „Wir werden alles tun, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Bayer steht für höchste ethische, ökologische und soziale Standards.“

Für den Erwerb von Monsanto hatte Bayer eine Brückenfinanzierung von ursprünglich 57 Milliarden US-Dollar sichergestellt. Diese refinanziert das Unternehmen – wie im September 2016 angekündigt – durch eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapitalmaßnahmen, von denen einige bereits vollzogen sind. Die letzte Eigenkapitalmaßnahme soll eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten sein. Bayer erwartet, dass der Umfang dieser Kapitalerhöhung geringer ausfallen wird als ursprünglich geplant, da die Einnahmen aus dem Verkauf der Covestro-Aktien den anfangs anvisierten Betrag überstiegen. Darüber hinaus zeichnete Temasek im April 2018 eine Kapitalerhöhung. Vervollständigt werden soll die Refinanzierung durch Anleiheplatzierungen in verschiedenen Währungen.

Neuwahlen zum Aufsichtsrat
Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung steht unter anderem die Wahl eines Nachfolgers für Dr. Klaus Sturany, dessen Amtszeit als Mitglied des Aufsichtsrats der Bayer AG endet. Er gehörte dem Aufsichtsrat seit elf Jahren an und war Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Als neues Mitglied soll Prof. Dr. Norbert Winkeljohann in das Kontrollgremium einziehen. Winkeljohann ist derzeit Sprecher der Geschäftsführung der PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, scheidet dort aber mit Ablauf des 30. Juni diesen Jahres aus. 

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