Probenvorbereitung für die Analytik
Qualitätskontrolle von Cannabis
Die dynamische Entwicklung der Cannabislegalisierung und des Cannabiskonsums macht die Qualitätskontrolle von Cannabisprodukten (nun auch außerhalb des Bereichs von zugelassenen Arzneimitteln) für den Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit zu einer wichtigen Aufgabe. Cannabisprodukte müssen auf verschiedene Inhaltstoffe und deren Mengen hin überprüft werden, um Wirkstärke und Reinheit festzustellen und Sicherheit zu gewährleisten. Im Folgenden werden Ergebnisse des Einsatzes von Labormühlen gezeigt – ob für die Probenvorbereitung zwecks Qualitätskontrolle von Cannabis und Cannabisprodukten oder auch im Rahmen der Produktion in kleinem Maßstab.
Die Konzentrationen Cannabinoiden und Terpenen sind bei der Qualitätskontrolle von Cannabisprodukten von besonderem Interesse. Sie werden in der Regel durch HPLC-Analyse nachgewiesen. Auch der Gehalt an Pestiziden ist Gegenstand der Analytik. Cannabis wird auch in einer Vielzahl von essbaren Formen verwendet, z. B. gemahlene Blätter, Konzentrat oder in Produkten wie Gummibärchen oder Kekse. Um zuverlässige Analyseergebnisse zu gewährleisten, muss sich das Probenvorbereitungsverfahren an die beträchtliche Komplexität der verschiedenen Matrices anpassen lassen. Denn die Proben können klebrig, faserig oder fetthaltig sein und die Menge kann stark variieren.
Cannabis mahlen
Schneidmühlen werden häufig für die Zerkleinerung von weichen, mittelharten, zähen, elastischen, faserigen Proben und heterogenen Materialgemischen eingesetzt. Für die Zerkleinerung von getrocknetem Pflanzenmaterial wie Cannabis (ganze Pflanzen, Blütenknospen, Zuckerblätter), Kräutern oder Blättern in kleinem Maßstab eignet sich z. B. die Schneidmühle SM 300 von Retsch in der foodGrade-Version. Bei ihr sind alle probenberührenden Teile aus 316L-Stahl oder FDA-zertifiziertem Edelstahl gefertigt, einschließlich Trichter, Rotor und Bodensieb. Der Mahlgrad kann durch die Drehzahl und die Wahl eines geeigneten Bodensiebs beeinflusst werden. So lassen sich für verschiedene Extraktionsverfahren (Ethanol, überkritisches CO2) die erforderlichen Partikelgrößen erreichen. Für die Extraktion von CBD-Öl aus Cannabis sind Partikelgrößen von etwa 2 mm (Extraktion mit überkritischem CO2) oder 5 – 15 mm (Extraktion mit Ethanol) in der Regel ausreichend.
In Versuchen mit getrockneten Blütenknospen von medizinischem Cannabis (Material von der Universität Hohenheim) zeigte sich, dass die Schneidmühle SM 300 bis zu 25 – 30 kg/h mit einer Größe von ca. 50 mm bei 3 000 Umdrehungen pro Minute auf eine Feinheit von größtenteils unter 2 mm pulverisiert, wenn ein 4-mm-Bodensieb verwendet wird (Bilder 2 und 3). Der gleiche Rotor kann verwendet werden, wenn kleinere Partikelgrößen durch Einsatz eines Bodensiebs mit einer Maschenweite von 1 – 2 mm erzielt werden sollen. Die Reduzierung der Drehzahl auf 2 000 U/min hilft, eine Probenerwärmung und damit ein Verstopfen der Sieböffnungen zu vermeiden. Die Probenrückgewinnung wird durch glatte Oberflächen (hier 316L-Material) erleichtert.
Sind größere Probenpartikel von 5 – 15 mm erforderlich, z. B. für die Ethanolextraktion, sollte ein Bodensieb mit größeren Öffnungen, z. B. 10 mm, verwendet und eine niedrigere Drehzahl, z. B. 700 U/min, gewählt werden. So erhält man größere Partikel, und beim Mahlprozess kommt es zu geringerer Erwärmung. Der Probendurchsatz ist in beiden Fällen gleich.
Faserige Proben zerkleinern
Faserige Proben wie Hanfpflanzen lassen sich gut mit der Ultra-Zentrifugalmühle ZM 300 (Bild 4) zerkleinern, die auch z. B. für Getreide eignet ist. Sie erreicht eine maximale Drehzahl von 23 000 U/min. Die Scherkräfte zwischen Rotor und Ringsieb begünstigen hier die vollständige Zerkleinerung von faserigen Materialien.
Hanf enthält Öl und ist daher ein temperaturempfindliches Material. Um die Wärmeentwicklung während der Zerkleinerung zu reduzieren, empfiehlt sich der Einsatz eines Distanzsiebs. Da ein kleiner Spalt zwischen Sieb und Rotor vorhanden ist, treten geringere Scherkräfte auf, wodurch es auch zu weniger Wärmeentwicklung kommt. 20 g der vorgeschnittenen Hanfblüten können mit einem 0,5-mm-Distanzsieb bei einer Drehzahl von 23 000 U/min auf eine Partikelgröße kleiner als 0,5 mm vermahlen werden (Bild 5). Der Einsatz eines Zyklons hat eine kühlende Wirkung auf die Probe und verbessert den Materialaustrag aus der Mahlkammer. Die so erhaltene zerkleinerte Probe lässt sich dann weiter pulverisieren, um z. B. eine Extraktion von Pestiziden mittels QuEChERS (quick, easy, cheap, efficient, rugged, safe) durchführen zu können.
Für eine Extraktion mit der QuEChERS-Methode ist eine Reduzierung der Partikelgröße auf < 0,5 mm erforderlich. Dafür ist die Ultra-Zentrifugalmühle aufgrund der öligen und klebrigen Eigenschaften von Hanf nicht geeignet. Hier ist es empfehlenswert, die Probe zu verspröden. Das Verspröden, z. B. mit Hilfe von flüssigem Stickstoff, ist ein sehr effektives Mittel, um ölige Materialien erfolgreich zu zerkleinern. Kryogenmühlen wie die CryoMill von Retsch sind speziell für diese Anwendungen konzipiert, da sie den Mahlbecher und damit die Probe kontinuierlich mit flüssigem Stickstoff kühlen. Auf diese Weise werden mit der CryoMill Partikelgrößen < 0,1 mm erreicht. Es zeigte sich, dass in den kryogen gemahlenen Proben nach der Extraktion höhere Pestizidmengen nachgewiesen wurden als in mit der Mühle ZM 300 gemahlenen Proben (s. Bild 6).
Blütenknospen pulverisieren für die Extraktion von THC/CBD
In Prüflaboren müssen mehrere Cannabisproben pro Tag zerkleinert werden. Die zu vermahlenden Probenmengen liegen in der Regel zwischen 4 und etwa 30 g. Da insbesondere Blütenknospen aufgrund ihres öligen Gehalts klebrig sind, können Probenrückstände verbleiben, die dann Reinigungs- und damit vermehrten Zeitaufwand bedeuten. Häufig wird ein einfacher kleiner Grinder verwendet. Das Pulverisieren von 30 g Blütenknospen dauert, je nach Beschaffenheit der Probe, ca. 15 – 30 min, die Reinigung weitere 5 – 10 min. Eine alternative Lösung ist der Einsatz der Schwingmühle MM 400: Sie kann mit 8 x 50-ml-Falcon-Röhrchen bestückt werden. Jedes Röhrchen nimmt etwa 4 g Blütenknospen auf, also 32 g pro Durchgang, wenn größere Probenmengen benötigt werden oder bis zu acht verschiedene Proben.
Mahlkugeln und Probenmaterial werden vor dem Mahlen bei – 22 °C eingefroren. In jedes Röhrchen werden 2 x 15 mm Mahlkugeln aus rostfreiem Stahl gegeben, die Mahlung erfolgt dann bei 25 Hz für zwei Minuten. Zum Reinigen werden die Kugeln mit Aceton abgespült. Und die Röhrchen werden nach Gebrauch entsorgt. Der Probenverlust liegt in einem Bereich von 4 – 5 %. In Versuchen zeigte der Einsatz dieser Mühle trotz der recht kurzen Mahldauer einen weiteren Vorteil gegenüber dem Grinder: Die relative Standardabweichung ist bei den in der Schwingmühle MM 400 homogenisierten Proben in der Regel geringer (z. B. 2 % bei d9-THC gegenüber 5 %).
Fazit
Die Qualitätskontrolle von Cannabis kann aufgrund der Beschaffenheit des Probenmaterials anspruchsvoll sein. Um zuverlässige und aussagekräftige Analyseergebnisse zu gewährleisten, ist die Homogenisierung der Proben ein wichtiger Schritt für anschließende Extraktionsverfahren und Analysen. Mit geeigneten Labormühlen und ggf. Kryomahlverfahren lassen sich repräsentative Proben für die Analytik vorbereiten.
AUTORIN
Dr. Tanja Butt
Leitung Produktmanagement
Retsch GmbH, Haan
Tel.: 02104/2333-100
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