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Grüne Alleskönner?

Kaum sind die Tage deutlich länger und die Temperaturen angenehm warm, sind sie wieder da. Schmutzig grün treiben sie an der Wasseroberfläche von Seen, Tümpeln und Wassergräben, ja sogar Brunnen auf Marktplätzen werden nicht von ihnen verschont. Sie ahnen es schon, liebe LABO-Leser: Die Rede ist von Algen, die derzeit auch so manchen Gartenteichbesitzer zum Verzweifeln bringen.

Dabei kann man Algen - im wahrsten Sinne des Wortes - durchaus Positives abgewinnen. Bestimmte Mikroalgen nämlich sind reich an ernährungsphysiologisch wertvollen Proteinen, Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen, weshalb sie häufig Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln oder Tierfutter sind. Auch für die Haut sollen sie gut sein, und so findet man in Drogerien etliche Kosmetikprodukte, die Extrakte aus beispielsweise Spirulina-Algen enthalten. Letztere werden nicht der Natur entnommen, sondern in offenen Wasserbecken oder Fermentern speziell gezüchtet, und zwar hauptsächlich in China. Dem aktuellen Biopro-Magazin ist zu entnehmen, dass die weltweite Jahresproduktion an Spirulina 12 000 Tonnen beträgt.

Algen könnten jedoch demnächst auch in einem ganz anderen Bereich Karriere machen, nämlich als Energieträger. Da manche Mikroalgen bis zu 50 % Öl enthalten, arbeiten Forschungsinstitute und Industrie seit einiger Zeit daran, Biodiesel oder, wie etwa am Forschungszentrum Jülich, Kerosin aus ihnen zu gewinnen. Ein anderer Ansatz zielt darauf ab, Mikroalgen zu Biogas zu fermentieren. Im Gegensatz zu Landpflanzen sind die grünen Einzeller nämlich nahezu frei von Lignocellulose, so dass sie sich ohne besondere Aufbereitungsschritte direkt vergären lassen. Eine weitere Möglichkeit ist die Erzeugung von Wasserstoff mittels einer Grünalge mit dem schönen Namen Chlamydomonas reinhardtii.

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Algen lassen sich also sowohl stofflich als auch zur Energiegewinnung nutzen, wobei der letzte Aspekt noch einiges an Forschungsarbeit bedarf. Denn die geschilderten Verfahren sind momentan nicht ausreichend wirtschaftlich. Verbesserungspotenzial besteht z.B. bei der Versorgung der Algen mit CO2und Licht. So gibt es bei den Bioreaktoren das Problem, dass die Zellen sich gegenseitig abschatten - zumindest ab einer gewissen Konzentration der Algensuspension. Auch den Wärmehaushalt der Produktionsanlagen gilt es zu optimieren, zumal mit der Sonneneinstrahlung auch Wärme in das System gelangt.

Die Nutzung von Algen statt herkömmlicher Pflanzen zur Gewinnung von Bio-energie hat aber ganz entscheidende Vorteile: Es gibt kein Teller-oder-Tank-Dilemma, die Umwandlung von Sonnenlicht und CO2in Biomasse erfolgt schneller und effektiver, und es wird auch kein fruchtbares Ackerland benötigt. So verwundert es nicht, dass derzeit fleißig an dem Thema Algen gearbeitet wird, zumal das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) Forschungsarbeiten in diesem Bereich finanziell unterstützt.

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