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Artikel und Hintergründe zum Thema

ERC Consolidator Grant

Melanie Steinbeck,

Neue Ansätze zur Regeneration peripherer Nervenschäden

Prof. Dr. Robert Fledrich, Neurowissenschaftler und Professor am Institut für Anatomie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, wurde mit dem ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet. Diese Förderung, die mit rund 2 Millionen Euro dotiert ist, gehört zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Europa. Prof. Fledrich erhält den Grant für seine bahnbrechende Forschung zur Regeneration des peripheren Nervensystems.

Prof. Dr. Robert Fledrich, Neurowissenschaftler und Professor am Institut für Anatomie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig © Universität Leipzig

Fokus auf Neuropathien und Nervenschäden

Im Zentrum von Fledrichs Arbeit stehen Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Diese umfassen sowohl akute Verletzungen, etwa durch Unfälle oder Schnittwunden, als auch chronische Nervenerkrankungen wie Neuropathien, die häufig in Verbindung mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus auftreten. Trotz ihres erheblichen Einflusses auf die Lebensqualität der Betroffenen sind die zugrunde liegenden Mechanismen solcher Erkrankungen bislang wenig verstanden. Gleichzeitig bieten periphere Nerven im Vergleich zu zentralen Nervensystemstrukturen wie Gehirn und Rückenmark ein hohes Potenzial zur Regeneration. Diese Eigenschaft eröffnet neue therapeutische Perspektiven.

„NervAdapt“: Bedingungen für Nervenregeneration im Fokus

Das ERC-geförderte Projekt "NervAdapt"  adressiert die Bedingungen, unter denen eine erfolgreiche Nervenregeneration stattfinden kann. „Eine vollständige Reparatur ist nur möglich, wenn geschädigtes Gewebe abgebaut und neu gebildet wird. Gliazellen spielen dabei eine Schlüsselrolle, da sie den Regenerationsprozess durch ihre Stoffwechselleistung koordinieren“, erklärt Prof. Fledrich. Seine Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass Gliazellen nach einer Verletzung ihren Stoffwechsel gezielt anpassen und ihre Energieproduktion in den Mitochondrien hochfahren müssen. Dieser Prozess erfordert eine enge Kommunikation mit anderen Zelltypen, wie Makrophagen (Fresszellen) und Zellen des Fettgewebes.

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Therapeutische Ansätze durch Stoffwechselanpassungen

Besonders bedeutsam ist die Erkenntnis, dass Stoffwechsel-Botenstoffe benachbarter Zelltypen den Energiehaushalt der Gliazellen beeinflussen können. „Dies könnte eine neue Grundlage für therapeutische Ansätze bei akuten Nervenschäden bieten. Gleichzeitig zeigen unsere Ergebnisse, dass dauerhafte Stimulation durch fehlerhafte Signale – etwa bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes – die Funktion der Gliazellen langfristig beeinträchtigen kann“, so Fledrich. Tatsächlich entwickelt etwa die Hälfte der Menschen mit Diabetes mellitus im Verlauf der Krankheit eine Neuropathie, die bisher nicht heilbar ist.

Ziel: Neue Therapien für bislang unheilbare Nervenerkrankungen

Im Projekt "NervAdapt" will Prof. Fledrich den Zusammenhang zwischen Nervenregeneration, zellulärer Kommunikation und Stoffwechseldynamik vertieft untersuchen. Dabei kommen genetische Manipulationen an Mäusen zum Einsatz, um gezielte Eingriffe in Stoffwechselprozesse und Kommunikationswege zu testen. Das langfristige Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien für bisher kaum behandelbare Nervenerkrankungen.

Wissenschaftlicher Werdegang von Prof. Fledrich

Robert Fledrich studierte Biologie in Göttingen und promovierte 2014 am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin im Bereich Neurowissenschaften. Anschließend arbeitete er als Postdoktorand, bevor er 2018 mit der renommierten Emmy-Noether-Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die Universität Leipzig wechselte. Dort leitet er eine Arbeitsgruppe am Institut für Anatomie der Medizinischen Fakultät. 2023 wurde er auf die Professur für Neuroanatomie berufen.

Quelle: Universität Leipzig

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