Förderung der neurologischen Forschung

Millionenspende für erfolgreiche Hirntumorforscher

Eine Spenderin hat der Arthur-Merx-Stiftung 1,15 Mio. Euro zur Förderung der neurologischen Forschung am Frankfurter Universitätsklinikum zur Verfügung gestellt. Gut investiertes Geld: Die Wissenschaftler haben aktuell einen neuen Therapieansatz für Hirntumoren gefunden.

Glioblastome sind die häufigsten und bösartigsten Gehirntumoren. Auch bei einer Behandlung auf neuestem wissenschaftlichen Stand kommt diese Krebsart fast immer zurück. Eine Chemotherapie führt bei Patienten mit einem Glioblastom nach dem ersten Ansprechen in vielen Fällen sogar zu einer Therapieresistenz.

Wissenschaftlern der Arbeitsgruppe von PD Dr. Yvonne Reiss am Edinger-Institut des Universitätsklinikums Frankfurt ist es nun gelungen, einen bisher unbekannten Mechanismus zu identifizieren, der für die Resistenzentwicklung mitverantwortlich ist. In präklinischen Modellen konnte dieser Mechanismus auch bereits ausgehebelt und damit eine deutliche Verlangsamung des Tumorwachstums erreicht werden. An dem Forschungsprojekt waren verschiedene Wissenschaftler aus dem Neurozentrum des Universitätsklinikums sowie Kollegen aus Freiburg, Tübingen, Köln, Dresden und Bonn beteiligt. Die Ergebnisse der Studie wurden am 14. Dezember vom Fachmagazin EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.

Blutgefäße tricksen die Therapie aus
Die am weitesten verbreitete Therapieoption für wiederkehrende Glioblastome ist Bevacizumab. Es handelt sich dabei um einen Hemmstoff für das Blutgefäßwachstum. Patienten, die so behandelt werden, geht es anfänglich gut. Allerdings kommt es bei einem Großteil trotz der Behandlung zu weiterem Wachstum des Tumors.

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Die Arbeit der Forschergruppe zeigt nun, dass nach dem Einsatz von Bevacizumab vermehrt der Stoff Angiopoietin-2 gebildet wird. Dieser stimuliert das Blutgefäßwachstum wieder und wirkt damit der Therapie entgegen. Produziert wird er von den Blutgefäßzellen, also einem Zelltyp, der nicht zum eigentlichen Tumor gehört.

„Wenn wir in vorklinischen Tests auch Angiopoietin-2 hemmen, kommt es zu einer deutlich stärkeren Verlangsamung des Tumorwachstums als mit Bevacizumab alleine“, erklärt Arbeitsgruppenleiterin PD Dr. Reiss. „Die Hoffnung ist nun, durch eine Kombinationstherapie der beiden Hemmstoffe künftig eine verbesserte Therapieoption für Menschen mit einem Glioblastom schaffen zu können“, so der Ausblick des Direktor des Edinger-Instituts, Prof. Karl H. Plate.

Neurologische Forschung weiter gestärkt
Solche Forschungsergebnisse werden auch dank großzügiger Spenden ermöglicht. Die bereits seit 1919 bestehende Edinger-Stiftung und die 2013 gegründete Arthur-Merx-Stiftung haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Hirnforschung am Edinger-Institut finanziell zu fördern. Jetzt hat eine Stifterin, die anonym bleiben möchte, der Arthur-Merx-Stiftung weitere 1,15 Mio. Euro gespendet. „Mit ihrem Engagement will die Stifterin die neurologische Forschung an ihrem Heimatort Frankfurt am Main fördern. Wir sind ihr für diese großzügige Unterstützung sehr dankbar“, erklärt Prof. Karl H. Plate, Direktor des Edinger-Instituts. In der Forschungseinrichtung widmen sich verschiedene Arbeitsgruppen den Themen Nervensystementwicklung, Blut-Hirn-Schrankenfunktion, Neuroinflammation, Morbus Parkinson und der Hirntumorforschung.

Stiftungstradition fördert historischen Neuro-Standort Frankfurt
Das Neurologische Institut am Universitätsklinikum Frankfurt ist das älteste Hirnforschungsinstitut Deutschlands. Seine Anfänge reichen zurück in das Jahr 1883, als sich sein Begründer, der Nervenarzt Ludwig Edinger (1855-1918), in Frankfurt am Main als einer der ersten Spezialisten dieses Gebietes niederließ. Ab 1885 baute er das erste Hirnforschungsinstitut Deutschlands aus privaten Mitteln auf und begründete damit eine national einzigartige und herausragende Forschungstradition. 1912 gehörte er zu den Stiftern der Frankfurter Universität und errichtete für den Unterhalt seines Instituts die Ludwig-Edinger-Stiftung, deren Satzung 1919 in Kraft trat. Zur Erinnerung an seinen Begründer trägt das Institut weiterhin den Namen Neurologisches Institut mit dem Zusatz Edinger-Institut.

Seit 2001 ist Prof. Karl H. Plate Geschäftsführender Direktor. Innerhalb des Frankfurter Universitätsklinikums ist das Neurologische Institut eine Einrichtung mit besonderer Rechtsnatur. Es ist Eigentum der Ludwig-Edinger-Stiftung, die bislang große Teile seiner Forschung finanziert. Diese Arbeit wird seit 2013 durch die Arthur-Merx-Stiftung unterstützt. Ihr Namensgeber wurde 1900 in Pößneck (Thüringen) geboren. Er studierte zunächst in Jena Chemie. Als sein Vater starb, hat er das Studium abgebrochen, um die familieneigenen Lederwerke Emil Brüderlein in Pößneck zu leiten. 1953 flüchtete er aus der DDR und lebte seitdem in Bad Homburg, wo er 1967 verstarb.

Publikation:
Endothelial cell-derived angiopoietin-2 is a therapeutic target in treatment-naive and bevacizumab-resistant glioblastoma; Alexander Scholz, Patrick N Harter, Sebastian Cremer, Burak H Yalcin, Stefanie Gurnik, Maiko Yamaji, Mariangela Di Tacchio, Kathleen Sommer, Peter Baumgarten, Oliver Bähr, Joachim P Steinbach, Jörg Trojan, Martin Glas, Ulrich Herrlinger, Dietmar Krex, Matthias Meinhardt, Astrid Weyerbrock, Marco Timmer, Roland Goldbrunner, Martina Deckert, Christian Braun, Jens Schittenhelm, Jochen T Frueh, Evelyn Ullrich, Michel Mittelbronn, Karl H Plate and Yvonne Reiss; EMBO Molecular Medicine; Article first published online: 14 DEC 2015 | DOI: 10.15252/emmm.201505505.

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