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Molekulare Diagnostik

Melanie Steinbeck,

PCR-Test zum Nachweis des Ebola-Bundibugyo-Virus entwickelt

Angesichts der aktuellen Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda hat die Roche-Tochter TIB Molbiol einen PCR-Test zum Nachweis des seltenen Ebola-Bundibugyo-Virus für Forschungszwecke (Research use only, RUO) entwickelt. Nach Angaben des Unternehmens entstand das molekularbiologische Nachweisverfahren innerhalb von sechs Tagen nach Veröffentlichung der Genomsequenz des Erregers. Es soll Laboren den raschen Aufbau von Testkapazitäten ermöglichen und die epidemiologische Überwachung (Surveillance) sowie die Eindämmung der Ausbrüche unterstützen.

Symbolbild © sersupervector/stock.adobe.com

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda am 17. Mai 2026 zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite (Public Health Emergency of International Concern) erklärt. Roche gab am 4. Juni 2026 bekannt, dass das Unternehmen über seine Berliner Tochtergesellschaft TIB Molbiol einen molekularbiologischen PCR-Test zum Nachweis des Ebola-Bundibugyo-Virus entwickelt hat.

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich der Pandemie- und Krisenvorsorge

Nach Angaben des Unternehmens ist der Test Teil der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Roche im Bereich der Pandemie- und Krisenvorsorge. Er soll den im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch identifizierten Bedarf an wissenschaftlichen Überwachungskapazitäten decken und Maßnahmen in Zentral- und Ostafrika unterstützen.

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Der Test für das Bundibugyo-Virus ist die jüngste Entwicklung in einer Reihe molekularer Schnellreaktionslösungen für Infektionskrankheiten, die Roche in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Dazu zählen Tests zum Nachweis von Mpox (2022), Covid-19 (2020), Zika (2015), Ebola der Zaire-Spezies (2014/15), MERS (2012), der H1N1-Schweinegrippe (2009), der H5N1-Vogelgrippe (2005) sowie SARS (2003). Zuletzt entwickelte und implementierte TIB Molbiol zudem einen Test für das Andes-Virus nach einem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff.

TIB Molbiol ist auf PCR-Diagnostik spezialisiert und unterhält nach Unternehmensangaben eine „Rapid-Response“-Bibliothek mit rund 15.000 vorbereiteten Testdesigns für eine Vielzahl von Krankheitserregern sowie mehr als 3.000 Positivkontrollmaterialien. Diese Datenbasis sowie die Expertise in der Oligonukleotidsynthese ermöglichten es, innerhalb weniger Stunden verschiedene Primer- und Sondenkombinationen für das seltene Ebola-Bundibugyo-Virus zu evaluieren. Ergänzt wird dieser Ansatz durch die unmittelbare Mobilisierung von Personal- und Produktionskapazitäten, sobald neue Ausbruchsgeschehen identifiziert werden.

„In solchen Situationen ist die Fähigkeit zu schnellem Handeln entscheidend. Diagnostische Verfahren gehören zu den ersten unverzichtbaren Instrumenten einer wirksamen Reaktion“, erklärte Dr. Marcus Droege, CEO von TIB Molbiol. „Forschungsbasierte Testverfahren spielen insbesondere in der ersten Phase der Ausbruchsbekämpfung eine zentrale Rolle. Unser Fokus liegt darauf, gemeinsam mit Laboren schnell Testkapazitäten aufzubauen, Überwachungs- und Reaktionsmaßnahmen zu unterstützen und fundierte Entscheidungen in kritischen Situationen zu ermöglichen.“

Die Leistungsfähigkeit und Spezifität des Tests für die Bundibugyo-Variante wurden anhand realer klinischer Proben durch das Netzwerk unabhängiger Referenzlabore von TIB Molbiol bewertet. Nach Angaben des Unternehmens lieferten die Untersuchungen wichtige Rückmeldungen unter Echtzeitbedingungen.

Roche arbeitet derzeit mit öffentlichen Gesundheitslaboren und Gesundheitsbehörden in den betroffenen Regionen zusammen, um PCR-Testkapazitäten näher an die Ausbruchsgebiete zu bringen. Ziel sei es, entsprechend den Empfehlungen der WHO die Laborkapazitäten zu stärken und einen schnellen Zugang zur Diagnostik sicherzustellen. Nach Angaben des Unternehmens verfügt Roche als langjähriger Partner beim Aufbau von Gesundheitsinfrastrukturen auf dem afrikanischen Kontinent über etablierte lokale Partnerschaften und regionale Lieferketten. Dadurch könnten Instrumente der epidemiologischen Überwachung Referenzlaboren und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen zeitnah zur Verfügung gestellt werden.

Molekulare Nachweisverfahren spielten bereits bei früheren Ebola-Ausbrüchen eine wichtige Rolle

Der aktuelle Ausbruch stellt nach Angaben des Unternehmens eine besondere Herausforderung dar, da er durch das seltene Bundibugyo-Virus verursacht wird. Historisch wurden für diese Virusvariante Sterblichkeitsraten von etwa 30 bis 50 Prozent beobachtet. Zudem kann das Virus von einigen der derzeit eingesetzten Schnelltests nicht zuverlässig erkannt werden. Dadurch steigt das Risiko verzögerter Diagnosen in einer frühen Phase der Ausbruchsbekämpfung. Da derzeit weder zugelassene Bundibugyo-spezifische Impfstoffe noch entsprechende spezifische Therapien verfügbar sind, können Verzögerungen bei der Erkennung des Erregers zu einer verstärkten Übertragung und größeren Ausbruchsgeschehen beitragen.

Ebola ist eine schwere und häufig tödlich verlaufende Erkrankung. Die durchschnittliche Fallsterblichkeit liegt bei etwa 50 Prozent und kann je nach Ausbruchsgeschehen und Verfügbarkeit medizinischer Versorgung zwischen 25 und 90 Prozent betragen.

Verursacht wird die Erkrankung durch Viren der Gattung Orthoebolavirus aus der Familie Filoviridae. Bislang wurden sechs Arten von Orthoebolavirus identifiziert. Drei davon sind für größere Ausbrüche beim Menschen bekannt: das Ebola-Virus (EBOV), das Sudan-Virus (SUDV) und das Bundibugyo-Virus (BDBV).

Die ersten bekannten Ebola-Ausbrüche traten 1976 nahezu zeitgleich in Nzara im heutigen Südsudan sowie in Yambuku in der heutigen Demokratischen Republik Kongo auf. Letzterer Ort liegt in der Nähe des Ebola-Flusses, von dem die Krankheit ihren Namen erhielt.

Molekulare Nachweisverfahren spielten bereits bei früheren Ebola-Ausbrüchen eine wichtige Rolle. Während der Westafrika-Epidemie von 2014 bis 2016 erhielten PCR-basierte Technologien, darunter LightCycler-Systeme von Roche, Notfallzulassungen und wurden in Feldlaboren eingesetzt. Dies ermöglichte eine schnellere Diagnosestellung und unterstützte die Eindämmung der weiteren Ausbreitung des Virus.

TIB Molbiol mit Sitz in Berlin gehört zu Roche Diagnostics und beliefert seit mehr als 30 Jahren den globalen Markt mit Reagenzien für Forschung und medizinische Diagnostik. Als Hersteller maßgeschneiderter Oligonukleotide entwickelt das Unternehmen molekulare Diagnostikverfahren für genetische und somatische Mutationsanalysen, quantitative Tests für Hämatologie und Transplantationsmedizin sowie Nachweisverfahren für Infektionskrankheiten.

Der PCR-Test zum Nachweis des Ebola-Bundibugyo-Virus ist ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt und nicht für diagnostische Anwendungen zugelassen.

Publikationen:
[1] World Health Organization factsheet: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ebola-disease
[2] Pan American Health Organisation: https://www.paho.org/en/news/18-5-2026-paho-reinforces-preparedness-measures-following-who-ebola-emergency-declaration
[3] World Health Organization factsheet: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ebola-disease
[4]https://www.gavi.org/vaccineswork/bundibugyo-rare-virus-causing-deadly-new-ebola-outbreak-drc-has-no-vaccine-yet;
[5] WHO Disease Outbreak News: https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON602
[6] https://globalnews.ca/news/11855031/ebola-outbreak-explained-who-declares-global-health-emergency/ 
[7] International Committee on Virus Taxonomy, ICTV : https://ictv.global/report/chapter/filoviridae/filoviridae/orthoebolavirus 
[8] International Classification of Disease, ICD-11, 2024: https://icd.who.int/en/

Quelle: Roche

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