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Artikel und Hintergründe zum Thema

Graduiertenkolleg zur Polymerinformatik

Melanie Steinbeck,

IT- und Robotikkenntnisse für Nachwuchsforschende

Aus Kunststoffen kann man inzwischen fast alles herstellen – vor allem wenn es gelingt, verschiedene Polymere passend miteinander zu verbinden. Solche Copolymere ermöglichen es, Materialeigenschaften gezielt zu steuern.

Kooperation zwischen Jena und Bayreuth

Damit führende Chemiker:innen und Informatiker:innen von morgen solche Copolymere noch gezielter und effektiver herstellen und testen können, benötigen sie neben chemischem Wissen auch IT- und Robotikkenntnisse. Diese bekommt der wissenschaftliche Nachwuchs nun in einem neuen Graduiertenkolleg der Universitäten Jena und Bayreuth vermittelt. Gefördert wird das Graduiertenkolleg „Coin – Copolymerinformatik: Wie digitale Technologien die Copolymerchemie prägen – vom Design bis zur Anwendung“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Förderung startet im kommenden Jahr mit über fünf Millionen Euro und ist zunächst für fünf Jahre von der DFG ausgelgt.

Prof. Dr. Ulrich S. Schubert und Dr. Natalie Göppert von der Universität Jena vor einem Syntheseroboter zur automatischen Durchführung von Copolymerisationen. © Anna Schroll/Universität Jena

Bekannte Copolymere: Legosteine

Ein Beispiel für Copolymere sind die aus den meisten Kinderzimmern bekannten Legosteine. Für sie gibt es bereits den idealen Polymermix, doch viele andere Produkte könnten durch den Einsatz von Copolymeren verbessert oder neu geschaffen werden: Das reicht von der Medizin über Verpackungen bis in das Transportwesen.

„Dafür benötigen Wissenschaft und Industrie Polymerchemikerinnen und -chemiker, die auf höchstem Niveau ausgebildet wurden“, sagt Prof. Dr. Ulrich S. Schubert von der Universität Jena. „Doch der Einsatz der Informatik, des maschinellen Lernens und der Robotik ist in der Polymerforschung aktuell noch sehr limitiert“, so der künftige Kollegsprecher.

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„Im Graduiertenkolleg COIN sollen daher Methoden der Informatik vermittelt werden, damit die jungen Chemikerinnen und Chemiker sowie die Ingenieurinnen und Ingenieure von Anfang an wissen, wie man mit Forschungsdaten umgeht und diese Datenmengen am besten managt, um sie für die IT nutzbar zu machen“, erläutert der stellvertretende Kollegsprecher Prof. Dr.-Ing. Holger Ruckdäschel von der Universität Bayreuth.

Informatiker:innen können ebenfalls im neuen Kolleg mitwirken. Sie erhalten eine Ausbildung in (Polymer-)Chemie. Außerdem wird die Robotik einen Schwerpunkt im neuen Graduiertenkolleg haben, da bereits viele automatisierte Tätigkeiten – etwa bei der Herstellung von Polymeren – von Robotern durchgeführt werden können. Noch arbeiten die Fachleute und die Roboter aber neben-, statt miteinander. Daher soll im neuen Kolleg die Mensch-Maschine-Interaktion vertieft werden. All dies soll die zielgerichtete Verknüpfung von Synthese, Verarbeitung und Eigenschaften von Copolymeren ermöglichen.

Interdisziplinär und international ausbilden

Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Expertisen der beiden leistungsstarken deutschen Polymerchemiestandorte aus den Bereichen Synthese, Analytik, Polymerchemie, theoretischer Chemie, Ingenieurwissenschaften, Informatik und Robotik im neuen Kolleg gebündelt. „Den beteiligten Promovierenden wird durch die Polymerinformatik ein hohes Maß an interdisziplinärer Ausbildung ermöglicht, um zwischen den Fachrichtungen kommunizieren zu können und neue Wege in der Forschung zu finden“, unterstreicht Prof. Schubert.

Die Ausbildung findet hybrid statt, sowohl vor Ort als auch digital, wobei gemeinsame Veranstaltungen wie Konferenzen oder eine Summer School geplant sind. Die Doktorandinnen und Doktoranden werden in interdisziplinären Projekten auch am jeweiligen anderen Standort aktiv sein. Die kurze Distanz zwischen Jena und Bayreuth ermöglicht hierbei einen ständigen Austausch der Forschenden.

Praxisorientierte Ausbildung für Nachwuchswissenschaftler

15 Plätze für Promovierende wird das Kolleg in der fünfjährigen ersten Phase anbieten – eine weitere vierjährige Phase ist nach erfolgreicher Evaluation möglich. Weitere ca. 18 Doktorandinnen und Doktoranden sollen in der ersten Phase als assoziierte Mitglieder am Ausbildungsprogramm teilnehmen können.

Alle Nachwuchskräfte werden neben der wissenschaftlichen Ausbildung auch praktische Kurse durchlaufen: Der Informatiknachwuchs wird ins chemische Labor gehen und dort experimentieren, die Chemiefachleute werden (KI-)Programme (mit-)entwickeln. Darüber hinaus wird es die Möglichkeit geben, im Rahmen der Promotion bis zu sechs Monate in der Industrie oder im Ausland tätig zu sein.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

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