Chica und Heinz Schaller Förderpreis 2014

Brian Luke und Jan Korbel erhalten Auszeichnung

Zwei exzellente junge Forscher am Wissenschaftsstandort Heidelberg werden mit dem Chica und Heinz Schaller Förderpreis für das Jahr 2014 ausgezeichnet. Die C.H.S.-Stiftung würdigt mit dem Preis, der mit Forschungsmitteln in Höhe von jeweils 100000 Euro dotiert ist, hervorragende Arbeiten in der biomedizinischen Forschung.

Dr. Brian Luke erforscht den Zusammenhang zwischen der Nährstoffsituation von Zellen und der Erkennung von Schäden an der Erbinformation.

Preisträger Dr. Brian Luke, der am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH) eine Nachwuchsgruppe leitet, erforscht den Zusammenhang zwischen der Nährstoffsituation von Zellen und der Erkennung von Schäden an der Erbinformation. Die zweite Auszeichnung erhält Dr. Jan Korbel, der als Gruppenleiter am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg tätig ist. Er geht der Frage nach, wie Strukturvarianten im menschlichen Erbgut entstehen und welche Bedeutung diese für die Entwicklung bösartiger Tumoren haben.

Brian Luke (Jahrgang 1976) studierte Chemie und Biologie an der Queen‘s University im kanadischen Kingston. Seine Dissertation auf dem Gebiet der Biochemie entstand an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, an der er 2005 promoviert wurde. Nach einem Forschungsaufenthalt an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne wechselte der Wissenschaftler 2009 an das ZMBH. Seine Forschungsgruppe arbeitet im Rahmen der DKFZ-ZMBH-Allianz, der strategischen Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg.

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Mit seinen Forschungsarbeiten will Dr. Luke herausfinden, wie Zellen auf die Beschädigung der Erbinformation reagieren. Insbesondere interessiert er sich für Schäden an den Telomeren, den Enden der Chromosomen, die bei der Zellalterung und verschiedenen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Wie Forschungsergebnisse von Brian Luke und seinem Team zeigen, haben Zellen, die schlecht mit Nährstoffen versorgt sind, überraschenderweise eine längere Lebensdauer als diejenigen mit einer guten Versorgung. Bewirkt wird dies nach Angaben des Wissenschaftlers unter anderem durch eine bessere Erkennung und Reparatur von Schäden an der DNA. Seine Untersuchungen bilden die Grundlage für ein verbessertes Verständnis der „schädigenden“ Wirkung von Chemotherapeutika in der Krebsbehandlung. Sie können zukünftig dazu beitragen, die durch DNA-Schäden bedingten Nebenwirkungen der Chemotherapie zu verringern. Die C.H.S-Stiftung würdigt Dr. Lukes Arbeiten als „bahnbrechend“.

Dr. Jan Korbel geht der Frage nach, wie Strukturvarianten im menschlichen Erbgut entstehen und welche Bedeutung diese für die Entwicklung bösartiger Tumoren haben.

Jan Korbel (Jahrgang 1975) studierte Biotechnologie an der Technischen Universität Berlin. Seine Dissertation entstand am EMBL in Heidelberg; im Jahr 2005 wurde er an der Humboldt-Universität zu Berlin im Fach Molekularbiologie promoviert. Nach einem dreijährigen Forschungsaufenthalt an der Yale University in New Haven (USA) kam Dr. Korbel 2008 als Gruppenleiter zurück an das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie. Er leitet zudem eine Forschungsgruppe innerhalb der Molecular Medicine Partnership Unit – einer Einrichtung, die von der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und dem EMBL getragen wird.

Das Forschungsinteresse von Dr. Korbel gilt den Strukturvariationen in der DNA, die sich von Mensch zu Mensch deutlich unterscheiden und mit verschiedenen Erbkrankheiten oder bestimmten Krebsformen in Verbindung stehen. Der Wissenschaftler leitete die bisher umfangreichste Analyse derartiger DNA-Modifikationen beim Menschen. Dabei wurden 28000 Variationen miteinander verglichen. Die Arbeitsgruppe von Jan Korbel versucht zu klären, warum sich einige Genomabschnitte schneller verändern als andere Bereiche des Erbguts. Mit seinem Team untersucht Dr. Korbel außerdem, was diese Veränderungen auslöst und wie sie die Entstehung von Krebs begünstigen. So konnten die Wissenschaftler zeigen, dass bei einem Gehirntumor im Kindesalter eine erbliche Mutation mit einer massiven Zerstörung der Chromosomenstruktur in Verbindung steht. Diese Daten erlauben Rückschlüsse darauf, wie Strukturvariationen krebsfördernde Gene in Hirntumoren aktivieren können. Die C.H.S.-Stiftung lobt Dr. Korbels Arbeiten als „innovativ und eigenständig“.

Die von den Wissenschaftlern Prof. Dr. Chica Schaller und Prof. Dr. Heinz Schaller gegründete C.H.S.-Stiftung fördert seit 2000 die biomedizinische Forschung in Heidelberg, indem sie eine Stiftungsprofessur finanziert hat und Stipendien vergibt. Die Stiftung engagiert sich insbesondere für die Einrichtung und Finanzierung der „Schaller Forschergruppen“, die an der Universität Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum arbeiten. Zu den wesentlichen Förderinstrumenten gehört auch der Chica und Heinz Schaller Förderpreis, der seit 2005 jährlich an herausragende junge Heidelberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben wird. Der Preis ist mit Forschungsmitteln in Höhe von 100000 Euro dotiert.

Die Festveranstaltung zur Verleihung der Förderpreise findet am 10. Februar 2015 im Bioquant-Gebäude, Im Neuenheimer Feld 267, Ute Greenier-Saal (7. Obergeschoss) statt, und beginnt um 16.00 Uhr. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen. Die Preisträger werden ihre Vorträge in englischer Sprache halten.

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