HPLC-Tipp

Der HPLC-Tipp

Die „Kleinen“ im Juni


Liebe HPLC-Anwenderinnen, liebe HPLC-Anwender,
wie auch in den letzten Jahren werden wir uns in den Monaten Juni bis August kleinen, leicht zu verdauenden HPLC-Tipps widmen. Heute geht es um Probleme, die direkt oder indirekt mit dem Lösungsmittel Acetonitril zu tun haben.
Fall 1:
In einem kleinen Labor, das vom Platz her gar nicht dafür ausgelegt ist, befinden sich sechs HPLC-Geräte. Die Kollegen dort haben immer wieder Probleme mit Retentionszeitverschiebungen und Reproduzierbarkeitsprobleme bezüglich Peakfläche. Der Grund: Die Klimaanlage schafft es einfach nicht, im kleinen Raum ist es wegen der Wärmeentwicklung durch die Geräte recht warm. Ergebnis: Unreproduzierbare Herstellung des Eluenten, Verdampfen von Acetonitril, das als Probenlösungsmittel verwendet wird und dadurch Aufkonzentrierung der Probenlösung. Eine Lösung des Problems ist kurzfristig leider nicht in Sicht.
Fall 2:
Zwei Labors sollten eine Applikation mit dem Eluenten 80 % ACN/20 % Phosphatpuffer, 25 mMol fahren. In dem einen Labor gab es keine Probleme, in dem anderen permanent durch Aussetzer der Pumpe und Druckschwankungen. X Telefonate und noch mehr E-Mails hin und her halfen nicht, erst der Besuch vor Ort offenbarte das Problem: In dem einen Labor mit den Problemen wurde der Eluent derart hergestellt, dass ACN vorgelegen hat und die wässrige Pufferlösung dazu gekippt wurde. Bekanntlich entsteht hier eine endogene Lösung, die recht kalt ist, das Ergebnis lautet: Niederschlag. In dem anderen Labor lag erst der Puffer vor und das ACN wurde langsam unter Rühren vorsichtig dazu gekippt, es gab keine Probleme.
Fall 3:
Über die unterschiedlichen ACN-Qualitäten von Hersteller zu Hersteller und/oder von Charge zu Charge – trotz HPLC-Gradient-Grade-Deklaration – haben wir uns an dieser Stelle bereits unterhalten. Ich möchte noch einmal kurz auf einige Dinge hinweisen:

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  • Filtrieren Sie im Falle von Problemen Ihr ACN. Sammelt sich am Filter feiner, schwarzer Abrieb, so haben Sie in der Tat leider Gottes eine schlechte Charge erwischt.
  • Behauptet der Lieferant „Um Gottes Willen, das kann nicht sein, wir haben stets hohe und geprüfte Qualität“ usw., versuchen Sie zu klären, ob vielleicht das Gebinde diesmal ein anderes ist: Es kann manchmal etwas ausmachen, ob das ACN in Stahl-, Glas- oder Kunststoffgefäßen geliefert bzw. gelagert wird oder aber es sich um eine 1- oder eine 5-l-Flasche handelt.
  • Ist das Problem nicht zu lösen, versuchen Sie Ihr ACN online über eine Al2O3-Vorsäule zu reinigen oder aber Sie müssen für anspruchsvolle Trennungen im Spurenbereich das teuerere – aber sauberere! – ACN für die Spektroskopie verwenden.
    Fall 4:
    Einige Geräte machen bekanntlich Probleme, wenn sie mit reinem ACN betrieben werden sollen, Stichwort dazu: Polymerbildung, es entsteht eine Polymerschicht (die übrigens mit THF entfernt werden kann). So war es auch in einem Labor, also haben sich die Kollegen dort entschieden, die Säule nach der Trennung statt mit ACN mit MeOH/H2O zu spülen. Jene Probleme (Druckschwankungen, „Gebirge“ in der Basislinie) waren zwar jetzt weg, aber die anschließende Injektion von Blank (Blindgradient) war – gelinde gesagt – fürchterlich. Was war? Die angesammelten Verunreinigungen konnten wegen der geringen Elutionskraft des MeOH/H2O-Gemisches nicht von der Säule/dem Gerät herunter gespült werden. Die Lösung des Problems war eine simple: Man brauchte nur eine 90/10 ACN/H2O-Mischung zu verwenden: Mit 90/10 ACN/H2O entstehen kaum Polymere und die Elutionskraft eines 90/10 ACN/H2O-Gemisches reicht in aller Regel aus, Säule und Gerät gründlich zu spülen.

© by Stavros Kromidas

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