HPLC-Tipp

Der HPLC-Tipp

Fassen Sie Ihre HPLC-Anlage ruhig an...

Von Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken

Der Fall

Häufig haben AnfängerInnen vor dem Gerät einen unnötig hohen Respekt oder gar Suspekt. Es wird bei Bedarf lediglich die Säule vorsichtig ausgetauscht, sonst wird nichts angefasst – man weiß ja nie... Mit „Engelszunge“ gelingt mir vor Ort vielleicht, dass zum Beispiel die Säule andersherum eingebaut wird, um sie schneller von Verunreinigungen frei zu bekommen. Das war´s dann auch. Wenn ich mich mal dem Gerät „verdächtig“ nah komme, blicke ich oft auf äußerst verängstigte Augen. Das muss bei Gott nicht sein! Man kann – ja man soll(!) bei Bedarf doch manche Handgriffe ruhig ins Auge fassen. Nun, was wären diese und wann ist es notwendig?

Die Lösung

Nachfolgend möchte Ihnen einige Handgriffe, den Grund dafür und das Resultat nennen.

Luftblasen entfernen:

•Säule: Manchmal hängt eine hartnäckige Luftblase am Säulenkopf oder direkt an der Metallfritte und denkt gar nicht daran, dieses Plätzchen zu verlassen. Halten Sie dazu die Säule senkrecht und klopfen mit einem Schlüssel oder Schraubenzieher vorsichtig von unten nach oben, also von den unteren Fittings über den Säulenkörper bis hin zu den oberen Fittings – vielleicht geht sie so weg.

Anzeige

•Ansaugfritte: Ansaugfritte etwas anheben – sie befindet sich weiterhin unterhalb der Eluentenoberfläche im Vorratsgefäß – und sie ein paar Mal auf den Behältnisboden fallen lassen. Man sieht direkt den Erfolg: Die Luftblasen verlassen die Fritte und steigen empor.

•Ansaugschlauch: Ansaugschlauch, der häufig winzig kleine Luftbläschen enthält, mit dem Finger einfach „tippen“. Die kleine Luftblasen steigen, vereinen sich in eine größere Luftblase, die dann leichter im Entgasser entfernt werden kann.

•Detektor: Je nach Zellendesign kann manche Luftblase (aber auch manches Salzkriställchen) am Eingang so „blöd“ festsitzen, dass auch längeres Pumpen mit entgastem Methanol nichts hilft. In diesem Fall einfach von hinten (Ausgang Detektor) spülen, im Nu ist alles frei.

Rauschen/Spikes – ist die Ursache der Detektor (Luft, Lampe), die Pumpe oder etwas Anderes?

•Einfach Pumpe ausschalten – was macht das Rauschen (Entscheidung zwischen Pumpe und Detektor)?

•Luft in der Zelle? Ende der Kapillare oder des Teflonschlauchs (Weg zum Abfallgefäß) mit dem Daumen einfach zuhalten. Wenn die Basislinie darauf reagiert, dann sind es tatsächlich Luftblasen in der Zelle. Man verwende in diesem Fall eine längere/dünnere Restriktorkapillare, um etwas mehr Druck aufzubauen - dadurch bleibt die Luft im Eluenten und stört weiter nicht. Reagiert die Basislinie nicht darauf? Vielleicht arbeitet der Degasser nicht optimal. Lassen Sie kurz hintereinander bewusst 3...4 Luftblasen in den Ansaugschlauch hineinkommen, in dem Sie die Ansaugfritte kurz aus dem Eluenten heraus nehmen und wieder eintauchen. Die Luftblasen marschieren jetzt in Richtung Degasser, Frage: Sind nach dem Degasser alle weg? Vielleicht sind Temperaturschwankungen die Ursache für das Rauschen oder eine Temperaturdifferenz zwischen Eluent und Säule. Reiben Sie kräftig die Kapillare direkt vor dem Eingang des Detektors ca. 1 min lang. Reagiert die Basislinie darauf? Wenn ja, dann ist in der Tat die Temperatur das Problem (durch die Reibungswärme ändern Sie lokal die Temperatur). Ist es so, sollte die Kapillare mit Teflonband/Styropor wenigstens isoliert werden. Alternativ können Sie eine längere aber dünnere Kapillare (gleiches Volumen) verwenden, die dann in den Säulenofen hineinkommt, dadurch wird der Eluent vorthermostatisiert. Schließlich kann eine mangelhafte Erdung/Abschirmung die Ursache für das Rauschen sein. Wackeln Sie an den Verbindungen/Kabeln der vorhandenen Interfaces, AD-Wandler, am Detektor usw. Schalten Sie ein „Strom-fressendes“ Gerät, das sich vielleicht in unmittelbarer Nähe der HPLC-Anlage befindet, ein paar Mal ein und aus. Wenn das Rauschen darauf reagiert, brauchen Sie eine bessere Abschirmung oder einfach einen neuen Stecker/neue Platinen.

Das Fazit

Säule und Gerät sind robuster als gemeinhin angenommen wird – Saphirkolben und Detektorlampe mögen eine Ausnahme sein. Bauen Sie ruhig ein „handfestes“ Verhältnis mit Ihrer HPLC-Anlage auf, sie mag es und das tut ihr – und Ihnen – auf Dauer sicherlich gut.© by Stavros Kromidas

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

HPLC-Tipp

Sehr kleine Peaks – was kann ich tun?

Nehmen wir an, Sie müssen Komponenten in einer extrem geringen Konzentration quantifizieren – die Peaks sind einfach sehr klein. Es geht also im vorliegenden Fall vordergründlich nicht um eine gute Auflösung, es geht um eine gute Detektierbarkeit.

mehr...
Anzeige

Integriertes Datenmanagement

Ihre im Labor erzeugten Daten können Sie sicher und strukturiert in einem System sammeln. NEC und labfolder bieten ein Mittel für die effiziente Verwaltung großer wissenschaftlicher Datensätze an.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Integriertes Datenmanagement
Die Herausforderung bei der Digitalisierung des Laboralltags besteht im Wechsel von Papierlaborbüchern und Computerdateien zu einer Datenmanagementsoftware, die große Datensätze strukturiert innerhalb eines einzigen Systems sammelt.

Zum Highlight der Woche...