HPLC-Tipp

Der HPLC-Tipp

von Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken

 Führen wir witterungsbedingt unsere ,,nouvelle cuisine" von HPLC-Tipps auch im August fort:

• Polare RP-Phasen, ob nicht-endcappte C18 oder polare ,,embedded phases" oder welche mit kurzen Alkylketten usw. sollten Sie für längere Zeit (mehrere Monate) lieber im aprotischen Acetonitril und nicht im recht polaren Methanol lagern. Es besteht bei letzterem die Gefahr von Hydrolyse-Vorgängen, die Phasenoberfläche kann sich chemisch verändern.

• Sagen wir, Sie bekommen ungebetene, zusätzliche Peaks in Ihrem Chromatogramm oder der Peak einer Komponente bekommt einen ,,Buckel" usw. Sicherlich gibt es mehrere mögliche Ursachen. Denken Sie bei Ihren Recherchen auch an die katalytische Wirkung von Kieselgel: Kieselgel ist ein sehr guter Feststoffkatalysator. Viele kleine unerklärliche Peaks können durch seine Wirkung in situ in der Säule gebildet worden sein und waren nicht unbedingt ursprüngliche Bestandteile der Probe. Überprüfung: Injizieren Sie Ihre Probe und während sie sich in der Säule befindet, schalten Sie die Pumpe aus. Ihre Probe kann nun mit der stationären Phase in aller Ruhe ,,flirten". Erlauben Sie dies, sagen wir, ca. 10 min lang. Dann stellen Sie wieder die Pumpe ein. Hat sich nun die Anzahl der Peaks und ihre Fläche geändert? So können Sie ein verborgenes Gesicht des Kieselgels entlarven...

Anzeige

• Einige Acetonitril-Chargen entsprechen leider nicht immer den notwendigen Reinheits-Anforderungen für Gradientenmethoden. Man kann von Polymeren über Propionitril bis hin zu Methaacrylnitril ,,alles" mögliche finden. Auch die Kollegen von der LC-MS können hier mehrere Lieder singen. Abhilfe: Bauen Sie in die Acetonitril-Kapillare eine kurze Al2O3-Säule ein. Damit können Sie Ihr Acetonitril online reinigen und zumindestens das Problem lindern. Übrigens: Einen möglichen Polymer-Belag in der Mischkammer bei Gradienten-Anlagen können Sie recht gut mit Tetrahydrofuran entfernen.

• Suchen Sie für den sauren Bereich Alternativen zur Phosphorsäure? Denken Sie dabei an Perchlorsäure, Trifluoressigsäure, Ameisensäure oder Salzsäure – es können sich sehr interessante Selektivitätseffekte ergeben. Bei letzterer kann zwar Ihre Pumpe eventuell ein wenig rosten, wenn Sie nicht direkt danach neutral spülen, aber Sie können es sich ja überlegen.

• Müssten Sie vielleicht zwischen pH = 4 und 6 arbeiten? Der Phosphatpuffer ist bekanntlich für diesen pH-Wert-Bereich nicht geeignet. Alternativen: Acetat, zwischen pH = 3,8 und 5,8; Nachteil: Die UV-Absorption des Eluenten nimmt zu, eventuelle Probleme mit der Nachweisgrenze im unteren Wellenlängenbereich. Citrat, zwischen pH = 3,5 und 5,5; Nachteil: Citrat kann Stahl angreifen. Verwenden Sie lieber Peek-Kapillaren und lassen Sie Ihre Pumpe nicht längere Zeit in diesem Puffer stehen. Formiat, zwischen pH = 2,8 und 4,8; Mir sind keine Nachteile bekannt, sollte es welche geben, teilen Sie mir bitte diese mit. ,,Danke".

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

HPLC-Tipp

Sehr kleine Peaks – was kann ich tun?

Nehmen wir an, Sie müssen Komponenten in einer extrem geringen Konzentration quantifizieren – die Peaks sind einfach sehr klein. Es geht also im vorliegenden Fall vordergründlich nicht um eine gute Auflösung, es geht um eine gute Detektierbarkeit.

mehr...
Anzeige