HPLC-Tipp

Vorsicht beim Degasser!

Degasser sind praktisch. Nichtsdestotrotz sollte man an bestimmte Sachen denken:

  • Die Effektivitat des Entgasens ist abhangig vom Fluss: Je geringer der Fluss, umso besser arbeitet auch der jeweilige Degasser.
  • Schläuche zum Ersten: Die Schläuche werden mit der Zeit porös - vor allem, wenn häufig mit Puffer gearbeitet wird. Betrachten Sie bitte die Schläuche/Membranen als Verschleißteile, je nach verwendeter mobiler Phase sollten sie alle 2 ... 3 Jahre eventuell ausgewechselt werden.
  • Schläuche zum Zweiten: Haben Sie trotz gründlichen Spülens ein Problem mit Geisterpeaks? Es kann sein, dass dies mit den Schläuchen im Degasser zusammen hängt. Nicht nur wegen Weichmachern im Falle von minderwertigem Material (ahnlich den Gummisepten bei den Vials, erscheinen teilweise größere Peaks - vor allem beim Fluoreszenzdetektor), sondern wegen der großen spezifischen Oberfläche des Schlauchmaterials: Es besteht nämlich die Gefahr, dass allerlei Modifier wie TEA, TFA, Ionenpaarreagenzien, etc. dort adsorbiert und immer wieder eluiert werden.
  • Sehr große und sehr kleine Luftblasen können gegebenenfalls Probleme bereiten, weil sie unter Umständen nicht angesaugt werden, Tipp: Saugen Sie eine Luftblase an, tippen Sie - wenn Sie dran kommen... - mit dem Finger am Schlauch kräftig an, so dass viele kleine Luftbläschen entstehen, und schauen Sie anschließend, ob sie nach dem Degasser immer noch zu sehen sind. Somit können Sie uberprüfen, ob Ihr Degasser mit diesem Problem fertig wird. Analog können Sie mit einer großen Luftblase verfahren.
  • Merke: Bestimmte organische Lösungsmittel können im Degasser verdampfen, so zum Beispiel die Lösungsmittel Aceton und Methanol.
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- Aceton: Da Aceton entweichen kann, ist es z.B. für den Stufengradienten-Test weniger geeignet; Benzylalkohol wäre hier besser - aber Vorsicht mit der Konzentration: Abhängig davon, ob z.B. 0,025, 0,05 oder 0,1 % verwendet wird, ändert sich die Linearität, und somit ergibt sich ein "besserer" oder "schlechterer" Stufengradient. Man zieht falsche Schlussfolgerungen bezüglich Qualität der Flussförderung - in Wirklichkeit hat die "Qualität" der Stufen auch mit der Konzentration des UV-Absorbers zu tun!

- Methanol: Auch Methanol kann verdampfen, 2 bis 3 % sind schon möglich, Ergebnis: Retentionszeitschwankungen. Abhilfe: In diesem Fall dann doch ein Ultraschallbad verwenden.

Große Variationskoeffizienten

Eine starke Streuung von Werten kann vielfältige Ursachen haben. Nachfolgend seien hier vier genannt, an die man nicht sofort denkt:

  • Die Anzeige der Waage ist bekanntlich Temperatur-abhängig, so zeigt ein "kalter" Messkolben ein (scheinbar) anderes Gewicht an, Ergebnis große/schwankende Variationskoeffizienten - und dies abhängig von der gewohnten Arbeitsweise der Durchführenden. Standardisierte Arbeitsweise ist hier vonnöten.
  • Durch Waschpulver kann sich eine Glasoberfläche statisch aufladen, ein Glasgefäß wird scheinbar leichter, das kann je nachdem bis zu 0,3 g ausmachen! Flüssigspülmittel im Spülautomaten sind zweifelsohne besser. Kleine Entwarnung: Die meisten Hersteller haben mit dem Ionisator in der Waage das Problem gelöst. Denke in diesen Zusammenhang auch an sehr trockene Luft: Winter/Sommer, Glasfassaden, stark klimatisierte Räume, usw.
  • Manch ein Analyt bleibt an der Oberfläche bestimmter Borosilikat-Vials hängen. Besser - und billiger! - Eppendorf-Polyethylen-Tubes verwenden und bei Bedarf einfach aufschlitzen.
  • Gerade jetzt im Sommer - aber nicht nur! - daran denken: Es ist kaum möglich, leichtflüchtige Lösungsmittel/Modifier (ACN, TEA, THF, aber auch MTBE - Methyltertiärbutylether - usw.) beim Ansetzen der Probe volumetrisch reproduzierbar anzusetzen. Sagen Sie in diesem Fall dem Messzylinder lieber Adieu und wiegen Sie sicherheitshalber ab.


Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken

www.kromidas.de

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