Qualitätsmanagement

Barbara Schick,

Der digitale Kalibrierschein kommt

Wenn in Unternehmen Abläufe automatisiert werden sollen, dann ist an Schnittstellen oft noch menschliche Zuarbeit erforderlich. Doch die Eingabe von Daten per Hand kostet Zeit, ist fehleranfällig und oft eintönig. Insbesondere dort, wo zahlreiche sehr genaue Messgeräte verwendet werden, werden "Papierdaten" häufig für das Qualitätsmanagement digital erfasst. Denn liegen die Kalibrierscheine der Geräte liegen meist auf Papier oder als PDF vor. Im Bereich der Kalibrierung von Messgeräten gibt es jetzt eine Lösung: den digitalen Kalibrierschein. Entworfen wurde er bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB).
Die Daten des digitalen Kalibrierscheins sind für Menschen und für Maschinen lesbar. © PTB

Der digitale Kalibrierschein (DCC, digital calibration certificate) ist maschinell und für Menschen lesbar. Möglich macht dies die Extensible Markup Language (XML). Mithilfe dieses universellen Datenstandards können Kalibrierergebnisse direkt von der Kalibrierungseinrichtung an die entsprechenden Systeme übertragen werden. Unternehmen könnten damit Ressourcen einsparen und Fehler vermeiden, die bei manueller Dateneingabe passieren könnten.

Einige Kalibrierlaboratorien geben den digitalen Kalibrierschein auf Wunsch schon an ihre Kunden heraus. Zu ihnen gehört z. B. Testo Industrial Services. Das Unternehmen ermutigt seine Kunden zu mehr Digitalisierung und präsentiert auf seiner Webseite beispielhaft einen DCC für die Längenmessung, der gemeinsam mit der PTB erarbeitet wurde. "Den meisten unserer Kundinnen und Kunden fehlt die Zeit, sich intensiv mit den vielen Daten eines Kalibrierscheins zu beschäftigen. Für sie ist in erster Linie wichtig: Erfüllt mein Messgerät alle nötigen Anforderungen?", so Christian Sander, Laborleiter bei Testo. "Doch Kalibrierscheine enthalten einen wahren Datenschatz, und die automatisierte Auswertung digitaler Zertifikate kann einen großen Zusatznutzen bringen."

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"Bei der Entwicklung des DCC war uns sehr wichtig, in einen intensiven Austausch mit der Industrie zu gehen", erklärt Shanna Schönhals, Digitalisierungsexpertin bei der PTB. "Nur so konnten wir alle industrierelevanten Anforderungen verstehen und berücksichtigen." Auch die nationalen Schwesterinstitute der PTB in anderen Ländern meldeten sich mit Wünschen zu Wort und haben so zur Verbesserung des DCC beigetragen, teilt die PTB mit. Thomas Krah vom Deutschen Kalibrierdienst (DKD) ist überzeugt: "Spätestens in 15 bis 20 Jahren werden wir weltweit alle Vorgänge rund um Kalibrierungen komplett automatisiert haben."

Implementierung von DCC

Der DCC bewirkt mehr Effizienz und weniger Fehler, er ist maschinenlesbar, nicht nachträglich manipulierbar und bringt die Automatisierung voran. Im Vorfeld sollten Unternehmerinnen und Unternehmer prüfen, wie interne Prozesse für die Nutzung von DCC umorganisiert werden müssten und auch, ab wann sich die Investition von Zeit und Geld lohnen würde. Auch für die Schnittstelle des DCC mit dem hauseigenen System muss eine individuelle Softwarelösung gefunden werden. Thomas Krah meint: "Langfristig wird es sich für alle Unternehmen auszahlen, hier in die Digitalisierung zu investieren." Sein Rat: "Einfach mal beim Kalibrierlabor nachfragen, was schon möglich ist, und gemeinsam nach Lösungen schauen."

Quelle: Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

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