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Wie UniteLabs die Biotech-Welt vernetzen will

Melanie Steinbeck,

Weiterentwicklung eines Betriebssystems zur Laborautomation

Das Münchner Start-up UniteLabs hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 2,77 Millionen Euro eingeworben, um seine Plattform zur Vernetzung von Laborinstrumenten auszubauen. Insgesamt hat das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2022 damit 3,37 Millionen Euro Kapital erhalten.

Von links nach rechts: Robert Zechlin, Lukas Bromig und Julian Willand, die gemeinsam UniteLabs gründeten. © UniteLabs

Fehlende Standards behindern die Nutzung von KI

UniteLabs entwickelt eine Plattform zur Vernetzung von Laborinstrumenten, um die Effizienz biotechnologischer Forschung zu verbessern. Derzeit sind laut Unternehmensangaben etwa 90 Prozent der Laborgeräte von verschiedenen Herstellern, was aufgrund fehlender Standardisierung zu erheblichen Kompatibilitätsproblemen führe. Forschungsteams müssten oft bis zu drei Monate aufwenden, um neue Geräte in bestehende Systeme zu integrieren. In der Folge verbringen sie viel Zeit mit der Behebung von Schnittstellenproblemen.

Plattform für herstellerübergreifende Gerätevernetzung

Mit dem neuen Kapital will UniteLabs 650 Laborinstrumente an eine Cloud-Plattform anbinden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von 50 weiteren Konnektoren, vor allem für Liquid-Handling-Systeme. Bis Ende 2025 sollen 90 Instrumente vollständig integriert sein. Gleichzeitig soll das Team erweitert und das Produkt in Zusammenarbeit mit Pilotkunden weiter optimiert werden.

„Viele Biotech-Unternehmen möchten KI in ihren Laboren einsetzen“, sagt Robert Zechlin, Mitgründer und CEO von UniteLabs. „Das größte Hindernis ist jedoch, dass Laborgeräte nicht miteinander kommunizieren können. Mit UniteLabs schaffen wir die Grundlage für eine gemeinsame technische Sprache im Labor.“

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SiLA-2-Standard als Grundlage

UniteLabs verwendet den SiLA-2-Standard (Standardization in Lab Automation), um eine herstellerübergreifende Kompatibilität der Geräte zu erreichen. Damit wird die bisher notwendige, individuelle Anpassung von Schnittstellen weitgehend überflüssig. Laut Unternehmen lässt sich die Integrationszeit so von mehreren Monaten auf wenige Minuten verkürzen.

Das Betriebssystem von UniteLabs ermöglicht die Erfassung, Steuerung und Überwachung von Laborgeräten unterschiedlicher Hersteller über eine zentrale Plattform. Bisher wurden 40 Konnektoren entwickelt, die erstmals eine direkte Interkommunikation zwischen Laborinstrumenten ermöglichen sollen. Die Plattform ist darauf ausgelegt, Arbeitsabläufe zu automatisieren und Forschungsdaten in Echtzeit zugänglich zu machen.

Schwerpunkt auf Liquid-Handling-Systeme

Im Fokus der ersten Umsetzungsphase stehen Liquid-Handling-Systeme, die in vielen biologischen und chemischen Experimenten eingesetzt werden, etwa bei COVID-19-Tests oder DNA-Sequenzierungen. Manuelle Flüssigkeitshandhabung bleibt ein Engpass, insbesondere aufgrund begrenzter Genauigkeit und Durchsatzraten.

Zechlin ergänzt: „Was uns auszeichnet, ist unsere Fähigkeit, proprietäre und geschlossene Schnittstellen zu standardisieren und zu vereinheitlichen sowie einen Low-Level-Zugriff über die Cloud zu ermöglichen. Traditionell verwendete jedes Laborgerät sein eigenes System, was eine herstellerübergreifende Integration erschwerte. UniteLabs beseitigt diese Hürde, indem wir die Interoperabilität der Geräte ermöglichen. Dadurch können Arbeitsabläufe, Datenpipelines und Drittanbieteranwendungen nahtlos mit Laborgeräten verbunden werden.“

Im Unterschied zu Lösungen, die sich auf einzelne Anwendungen oder reine Datenübertragung beschränken, soll die UniteLabs-Plattform eine umfassende Steuerung, Überwachung und Automatisierung verschiedenster Instrumente ermöglichen. Ziel ist es, die Nutzung von Ressourcen zu optimieren und Forschungsprozesse zu beschleunigen.

Langfristige Vision: Globaler Standard für Laborautomatisierung

„Unsere Vision ist es, den globalen Standard für Laborautomatisierung zu setzen – ein Standard, der seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, überfällig ist –, um biotechnologische Forschung schneller, intelligenter und stärker vernetzt zu machen", sagt Zechlin zur langfristigen Perspektive.
„Als ein wichtiger Akteur im Bereich der Laborautomatisierung wollen wir die Infrastruktur für KI-gestützte und geschlossene Forschungskreisläufe bereitstellen. Das wird Fortschritte in der medizinischen Forschung und der Entwicklung biotechnologischer Produkte unterstützen und letztlich dazu beitragen, das Leben vieler Menschen zu verbessern und globale Lieferketten zu verändern.“

Auch von Investorenseite wird die Entwicklung als relevant eingeschätzt. „Biotech-Labore stehen an einem Wendepunkt. Während KI beispiellose Fortschritte ermöglicht, fehlt den meisten Laboren die technische Infrastruktur, um dieses Potenzial zu nutzen", erklärt Claude Ritter, Managing Partner bei NAP. „Geräte sprechen unterschiedliche Sprachen, und wertvolle Daten bleiben isoliert. UniteLabs baut die notwendige Infrastruktur auf, um diese Lücke zu schließen. Mit ihrem tiefen Verständnis von Laborabläufen ebnet das Unternehmen den Weg für die nächste Generation der biotechnologischen Forschung.“

Quelle: UniteLabs

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