zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Chemical Invention Factory

Melanie Steinbeck,

Europas größte Laborinfrastruktur für Grüne Chemie entsteht an der TU Berlin

Die Technische Universität Berlin (TU Berlin) und die Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege haben den Startschuss für die Chemical Invention Factory (CIF) gegeben. Mit der CIF entsteht die europaweit größte Laborinfrastruktur für Transfer- und Vorgründungsteams in der Grünen Chemie. Ziel ist es, den Transfer von Innovationen aus der Wissenschaft in grüne Anwendungen auf dem Gebiet der Materialchemie maßgeblich voranzutreiben.

v.l.n.r.: Prof. Xaver Egger (Geschäftsführer sehw Architektur), Volker Huber (Geschäftsführer Goldbeck Nordost GmbH), Martin Rahmel (Direktor der Chemical Invention Factory), Prof. Dr. John Warner (Namensgeber der CIF, Honorarprofessor an der TU Berlin und Begründer der zwölf Prinzipien der Grünen Chemie), Dr. Ina Czyborra (Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin), Prof. Dr. Geraldine Rauch (Präsidentin der TU Berlin), Lars Oeverdieck (Kanzler der TU Berlin), Prof. Dr. Stephan Völker (Vizepräsident für Forschung und Berufung der TU Berlin), René Vonau (Abteilungsleiter Bauabteilung TU Berlin) © Christian Kielmann

Das Gebäude wird bis 2027 auf dem Campus Charlottenburg der TU Berlin an der Marchstraße errichtet und mit Mitteln der TU Berlin (ca. 13 Millionen Euro) sowie des Landes Berlin (ca. sieben Millionen Euro) finanziert.

Grüne Chemie als Schlüssel für nachhaltige Verfahren

Grüne Chemie ist die Zukunft, weil sie nachhaltige Verfahren und Materialien fördert, die Umweltbelastungen verringern und Ressourcen schonen. Berlin spielt dabei als einer der führenden Forschungs- und Innovationsstandorte in Europa eine wichtige Rolle. Universitäten, Start-ups und Industriepartner*innen arbeiten hier gemeinsam an umweltfreundlichen Technologien.

Am 24. September 2025 wurde der Startschuss für die CIF mit einem gemeinsamen Spatenstich durch Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin, Prof. Dr. Geraldine Rauch, Präsidentin der TU Berlin, Prof. Dr. John Warner, Namensgeber der CIF, Honorarprofessor an der TU Berlin und Begründer der zwölf Prinzipien der Grünen Chemie, sowie weiteren Beteiligten gegeben.

Anzeige

Platz für zwölf internationale Vorgründungsteams

In der CIF werden bis zu zwölf Teams aus aller Welt ihre Forschungsergebnisse zu marktfähigen Produkten weiterentwickeln. Ziel ist es, die Chemie in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft auf Basis nachwachsender Rohstoffe zu transformieren. Die Teams sind dabei in das Berliner Innovationsökosystem greenCHEM eingebunden.

Rendering Chemical Invention Factory © sehw Architektur

Mit 39 sogenannten Abzügen für die chemische Laborarbeit wird das Gebäude der CIF europaweit das größte seiner Art für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Grünen Chemie in die Anwendung. Auf rund 1.000 Quadratmetern Nutzfläche stehen hochmoderne Analysegeräte wie Hochleistungsflüssigkeitschromatographen oder Gaschromatographie-Massenspektrometer zur Verfügung, auf die alle Teams gemeinsam zugreifen können.

Die Laborbereiche für jedes Team beinhalten auch Besprechungsräume und sind gesichert, um den Schutz geistigen Eigentums zu gewährleisten. Im Erdgeschoss wird es ein Café, Raum für Austausch und Begegnung sowie ein Demolab geben, das hinter einer Glasscheibe Anlagen im nächstgrößeren Maßstab erprobt.

Kostenfreie Infrastruktur für Pre-Seed Start-ups

Dr. Ina Czyborra, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege des Landes Berlin, betont:

„Deutschland hat mit einem Umsatz von über 200 Milliarden Euro die drittgrößte Chemieindustrie der Welt. Damit das so bleibt, wird es immer wichtiger, dass auch Start-ups in diesem Bereich gezielt dabei unterstützt werden, ihre Innovationen marktfähig zu machen. Deshalb schafft das Land Berlin neue Instrumente und Strukturen, die den einfacheren Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung ermöglichen sollen – zum Beispiel mit dem Pre-Seed Fonds, der gezielt Deep-Tech Start-ups fördern soll, oder UNITE, dem neu geschaffenen Innovations- und Gründungszentrum der Hauptstadtregion. Ich freue mich, dass Berlin mit der Chemical Invention Factory nun auch eine Infrastruktur bekommt, die Ausgründungen auf dem komplexen Gebiet der Chemie kostenfrei für zwei bis vier Jahre unterstützt. Ich bin mir sicher, dass das die Attraktivität unseres Wissenschaftsstandortes für nationale und internationale Talente nochmals stärkt und wir dadurch unserem Ziel, Berlin als Zentrum für Grüne Chemie zu etablieren, ein gutes Stück näherkommen.“

Nutzen für Forschung und Lehre

Auch die Forschung und Lehre in Berlin profitieren von der CIF. 

„Die chemische Industrie verursacht weltweit vier Prozent der Treibhausgasemissionen. Nur Innovationen können diese Zahl senken und gleichzeitig den Umbau zu einer Chemie voranbringen, die nicht auf Erdöl basiert", so Prof. Dr. Geraldine Rauch, Präsidentin der TU Berlin. „Der Fokus unserer Universität, wissenschaftliche Ergebnisse in gesellschaftlichen Nutzen zu verwandeln, sowie unsere Forschungsstärke in der Chemie sind für uns ein Ansporn, hier voranzugehen. Die Chemical Invention Factory geht auf eine Initiative unseres Katalyse-Exzellenzclusters UniSysCat zurück. Gleichzeitig öffnen wir die CIF bewusst für die gesamte Berlin University Alliance (BUA): Jedes geförderte Team bekommt einen Professorin an die Seite gestellt, dieder als ‚InnoDirector‘ das Projekt begleitet und als Patin zur Verfügung steht. Diese Person kann aus jeder der drei Berliner Universitäten kommen und sorgt dafür, dass auch Forschung und Lehre in der Hauptstadt von der CIF profitieren.“

Technologien der Zukunft

„Etwa 70 Prozent der für die Transformation der Chemie benötigten Technologien sind noch nicht erfunden", ergänzt Prof. Dr. John Warner, Namensgeber der CIF, Honorarprofessor an der TU Berlin und Begründer der zwölf Prinzipien der Grünen Chemie. „Katalysatoren spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie werden in mehr als 80 Prozent der chemischen Reaktionen in der Industrie eingesetzt. Daher ist die Möglichkeit des Austauschs der Start-ups in der CIF mit den Katalyse-Expert*innen an der TU Berlin so ideal.“

Einbindung in das Innovationsökosystem greenCHEM

„Die Besonderheit der CIF besteht darin, dass die unterstützten Teams automatisch in das Berliner Innovationsökosystem greenCHEM eingebunden sind", erklärt Martin Rahmel, Direktor der Chemical Invention Factory. „Dieses wird im Programm ‚T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen‘ vom Bundesforschungsministerium gefördert und bringt Chemieunternehmen in Berlin und Brandenburg sowie Unis, außeruniversitäre Wissenschaftseinrichtungen und Behörden mit den Start-ups zusammen. So kommt es nicht nur zu einem ‚Push‘ von Innovationen durch neue Ideen aus der Forschung, sondern auch zu einem ‚Pull‘ durch konkrete materielle Herausforderungen, vor denen die Anwender:innen stehen. Durch diese Kombination werden Innovationen aus Berlin die enorme Transformationsaufgabe, in der sich die chemische Industrie befindet, unterstützen.“

Bau und Finanzierung

Die Chemical Invention Factory wurde von "sehw Architektur" entworfen und wird vom Generalunternehmen Goldbeck Nordost GmbH errichtet. Die TU Berlin tritt als Bauherrin auf und investiert ca. 13 Millionen Euro aus eigenen Mitteln. Der Berliner Senat stellt sieben Millionen Euro aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds“ (SIWANA III) zur Verfügung.

Quelle: Technische Universität Berlin und Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren