Labore einrichten und ausstatten

Da kann man was erleben …

In diesem Bericht sind Details über das Mietlaborprojekt der Life Science Factory zu erfahren inklusive kleiner Anekdoten – was auf dem Weg zur fertigen Laborausstattung so passieren kann.

Gebäude der Life Science Factory in Göttingen zum Ende der Bauphase. © Life Science Factory

Am 17. Januar 2022 wird die gemeinnützige Life Science Factory Göttingen gleich mit einem Eröffnungsprogramm für eine ganze Woche starten. Was dann für Start-ups und Gründende geschaffen sein wird, ist ein neuartiges Konzept, das auf besonders hohe Flexibilität ausgelegt ist. In der Life Science Factory mieten Start-ups und Gründende Lab Benches im Shared Lab und haben so gleichzeitig Zugriff auf verschiedenste, voll ausgestattete Functional Labs wie Cell Culture, Bacterial Lab oder PCR & Protein Area. Je nach Bedarf können die Forschenden weitere Laborkapazitäten jederzeit dazu buchen. Wie viel Arbeit nicht nur in der Planung und im Bau, sondern auch in der Ausstattung sowie in den Basics steckt, darüber berichten für das Site Team Dr. Katrin Wallbrecht und Dr. Jan Borkowski. Da bei der Life Science Factory, die Gründende und Start-ups aus der ganzen Bundesrepublik anziehen soll, auch kurzzeitige Hürden auftreten – wie bei jedem Mammutprojekt –, plaudert das Site Team auch erstmalig „aus dem Nähkästchen“ und verrät, wie kurzzeitige Mankos durch schnelles und flexibles Agieren aller Beteiligten pragmatisch gelöst wurden.

Auf dem Weg zum ausgestatteten Labor – hier ist das Deckengrid zu sehen, womit eine flexible Mediennutzung und die Anpassung an das jeweilige Labor möglich ist. © Life Science Factory

Von vornherein schon die Bedarfe von (auch zukünftigen) Mietern und Mieterinnen zu antizipieren, war die große Herausforderung der Life Science Factory – sowohl aus planerischer wie auch aus ausstattungstechnischer Sicht. Gründungsprojekte sind sehr divers und verändern sich zudem im laufenden Prozess dynamisch – daher wurde von Anfang an der Fokus auf höchste Flexibilität und Modularität gelegt. Nun geht es nach zwei Jahren Bauzeit in den Endspurt. Zur Eröffnung steht dann ein „Rundum-sorglos-Paket“ für die Mietparteien bereit: Dazu zählen, neben den komplett ausgestatteten Laboren, die zentrale Beschaffung von Verbrauchsmaterialien, Support bei der Kommunikation mit Behörden, ein kompletter Spül- und Autoklavier-Service, die Entsorgung aller Labor-abfälle und natürlich der 24/7-Zugang zu allen Laboren – von der eigenen Bench bis zu den genannten Funktionslaboren. Zudem kümmert sich die Life Science Factory im Bedarfsfall darum, S1-Labore auf S2 hochstufen zu lassen und übernimmt die Kommunikation und Freigaben mit den Behörden.

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Dr. Jan Borkowski, Site Director der Life Science Factory. © Life Science Factory

„Ich möchte gleich einmal mit einem Fazit starten: Derzeit erleben wir als Team der Life Science Factory einen richtigen Premieren-Spirit. Zu Nikolaus, am 6. Dezember, zieht das Team ins neue Gebäude und alle sind wahnsinnig gespannt, dann die letzten Züge des Innenausbaus live mitzuerleben und jeden Tag zu sehen, wie wieder ein wenig mehr funktioniert“, erzählt Dr. Jan Borkowski, Site Director der Life Science Factory. In enger Abstimmung mit der Bauleitung und Sartorius obliegt ihm neben unzähligen Aufgaben und Abstimmungen die Fertigstellung der „Maker’s Factory”, also der Prototyping-Werkstatt, dem Coworking-Bereich, der Eventflächen, des „FlexLabs“, also der hochflexiblen Synthese aus Büro und Labor, sowie vor allem der insgesamt 1 700 m² voll ausgestatteten Laborbereiche.

Laboreinrichtung und -ausstattung

Die Ausstattung ist sofort betriebsbereit, wird ständig gewartet und ist derzeit aus labortechnischer Sicht „State of the Art“. Dazu zählen im Bereich Imaging mehrere „IncuCytes“ und Mikroskope wie das Echo Revolve oder das Echo Revolution, das Beckmann Coulter Cytoflex LX mit fünf Lasern und 21 Detektoren als Durchflusszytometer, eine ganze Reihe von Zentrifugen – von der ungekühlten Zentrifuge bis zur High-End-Ultrazentrifuge sowie eine große Anzahl von Sartorius-Präzisionswaagen mit einer Genauigkeit von 0,001 mg oder auch elektronische 8-Kanal-Pipetten in allen Funktionslaboren.

„Bei der Einrichtung und Ausstattung der Labore waren und sind wir in einer guten Position, da wir ja ursprünglich von Sartorius initiiert sind. Das hilft uns bei vielen Punkten, beispielsweise beim Procurement oder bei der Entsorgung. Da fangen wir nicht bei null an, sondern können an bestimmte Prozesse und an bestehende Konditionen andocken. Zu entscheiden haben wir trotzdem alles selbst – das betrifft die Einrichtung aller Abläufe im Labor wie auch die Anzahl, Größe und Qualität der Pipettenspitzen über die persönliche Schutzausrüstung bis hin zum großen Stickstofftank im Untergeschoss“, erläutert Lab Managerin Dr. Katrin Wallbrecht.

Ein unterkühlter Anschluss

Dr. Katrin Wallbrecht, Lab Manager der Life Science Factory. © Life Science Factory

„Apropos Stickstofftank  – da gibt es eine kleine Anekdote zu berichten. Obwohl es eigentlich nicht der Stickstofftank war, mit dem war und ist alles in Ordnung. Es war vielmehr unser Telekommunikationsanbieter, der den Hauptanschluss für die gesamte Life Science Factory durchaus schnell, aber wirklich unmittelbar neben diesen Stickstofftank gelegt hat. Flüssiger Stickstoff hat nun einmal die Eigenschaft, Kälte durch Verdunstung abzustrahlen. Da nützt die beste interne Verkabelung und das leistungsfähigste WLAN nichts, wenn die Anschlussstelle deutlich unterkühlt ist und nicht stabil funktioniert. Das ließ sich aber glücklicherweise relativ schnell beheben“, so Site Director Borkowski.

Verbrauchsgüter aus dem Automaten

Während in der Miete die Grundausstattung (Labor, Prototyping, Büro und Mentoring-Programme) enthalten ist, werden bestimmte Verbrauchsgüter nach tatsächlichem Verbrauch berechnet. Für diesen Zweck wurden Vending Machines – wie man sie vom Bahnhof für Getränke und Snacks kennt – beispielsweise mit Schutzhandschuhen oder anderen Kleinteilen der PSA sowie Verbrauchsmaterialien bestückt, die im Labor verwendet werden. So lässt sich bei Bedarf schnell etwas ziehen und der Verbrauch ganz einfach via Zugangscode-Karte buchen. „Uns war hierbei der pragmatische Ansatz wichtig. Forschung und Entwicklung lässt sich nicht auf Bürozeiten reduzieren – da brauchten wir einen Weg, bestimmte Leistungen 24 Stunden am Tag anzubieten“, so Wallbrecht. Das neue Wege nicht immer unbedingt die besten sind, erlebte das Site Team auch. „Amüsieren können wir uns im Nachhinein über die ursprünglich geplanten Lounge-Ecken im Wet Lab. Natürlich kann es auch in den S1-Laboren Kommunikationsbereiche geben, aber die angedachten chilligen Stoffsofas waren dann doch eine Spur zu viel”, erzählt sie weiter.

Eine Hand wäscht die andere

Arbeiten viele Gewerke und Hände zusammen, so sind es manchmal Details, die zwar von jeder Seite gut gemeint sind, aber in der Summe dann doch neue Hürden ergeben. „Relativ schnell konnten wir eine Lösung für die in den Laboren angedachten Handwaschbecken finden, die in Schränke hinein geplant waren. Erst in der Praxis fiel auf, dass Forschende zunächst die Schranktür öffnen müssen, um sich die Hände zu reinigen. Schließt man den Schrank, kann man sich dann eigentlich gleich wieder die Hände waschen und so weiter. Bis zum Feierabend dauert es dann aber …“, schmunzelt Katrin Wallbrecht.

„Insgesamt ließ und lässt sich wirklich von allen Beteiligten ein ausgesprochen hohes Engagement feststellen, von der architektonischen und der ausführenden Planung bis zur Umsetzung und der Abstimmung der vielen unterschiedlichen Gewerke im handwerklichen Bereich. Und das nicht nur bei der Life Science Factory, sondern im gesamten neuen Sartorius-Quartier. So lässt sich der Eröffnung am 17. Januar 2022 doch beruhigt entgegensehen”, fasst Jan Borkowski zusammen.

AUTORIN
Svenja Hodel
Life Science Factory gGmbH, Göttingen
info@lifescience-factory.com
www.lifescience-factory.com

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